Kapital vs. Wissen - die Manager

Die Initiative 1:12 der Juso und die Minder-Initiative wollen die Managerlöhne begrenzen. Es darf nicht sein, dass ein Brady Dougan bei der Credit Suisse 90 Millionen Schweizer Franken im Jahr kassiert und die Putzfrau mit lächerlichen 20 Franken die Stunde abserviert wird. Abzocker und Raubritter sind noch die harmlosesten Namen für die Manager. Klassenkampf von unten nach oben. Wir gegen das Kapital. Oder doch nicht?

Wenn es “wir gegen das Kapital” heisst, warum schimpfen dann auch die Aktionäre über unverschämte Managerlöhne? Fast ein Drittel der Aktionäre - also dem Kapital - stimmten an der letzten Generalversammlung gegen den Vergütungsbericht bei der CS. Ein Aktionär war so aufgeregt, dass er wild mit einem Schuh herumfuchtelte. Er bediente sich dabei einem Bild aus dem Kalten Krieg, als der Ministerpräsident der UdSSR Nikita Chruschtshow wütend einen Schuh aufs Rednerpult hämmerte. Was ist da los, wenn das Kapital Seite an Seite mit der Juso gegen zu hohe Managerlöhne kämpft? Es ist eine neue Zeit angebrochen, die Zeit der Wissensarbeiter.

Wenn die Juso mit der SP zu hohe Managerlöhne kritisieren, ist das zwar süss, aber gleichzeitig auch naiv. Als Karl Marx vor knapp 200 Jahren die Mechanismen des Kapitals für den normalen Arbeiter kritisierte, waren seine Gedanken kühn und revolutionär, heute ist er aber in unseren Breitengraden weitgehend irrelevant.

Als die Industrialisierung noch in den Kinderschuhen steckte, waren 70 Stundenwoche, miserable Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und Hungerlöhne ein Problem. Für die meisten Menschen war ein eigenständiges und unabhängiges Leben ein unerfüllbarer Traum. Ohne Kapital oder dem guten Familiennamen keine Chance. Die Welt drehte sich inzwischen aber weiter. Nachdem Industriezeitalter, kam das Dienstleistungszeitalter und heute erleben wir die Entstehung der Wissensgesellschaft. Entscheidend ist nicht mehr, wer wie viel Kapital hat oder wer aus welchem Haus kommt. Entscheidend ist, wer weiss, wie Dinge funktionieren. Gefragt sind Mitarbeiter, die Leute kennen, die die Probleme lösen. Wer sich in dieser neuen Welt an die entscheidenden Stellen hocharbeitet, gehört zu den Gewinnern.

Paradebeispiel für diese Entwicklung sind unsere zwei “Vorzeigebanker” Josef Ackermann und Marcel Ospel. Während Ackermann noch der Sohn eines Landarztes war, der dem jungen Mann eine Ausbildung an der HSG ermöglichte, arbeitete sich Ospel vom kaufmännischen Lehrling alleine an die Spitze der UBS hoch. Die beiden Männer waren die Herrscher über Milliarden. Mit ihrem Wissen und ihren Beziehungen, die sich beide weder über das Kapital noch über den guten Namen der Eltern aneigneten, verdienten sie für ihre Firmen Milliarden und füllten sich dabei selbst auch schön die Taschen. Manchmal sogar entgegen dem Interesse des Kapitals, also der Aktionäre.

Heute ist das Kapital den Wissensarbeitern weitgehend ausgeliefert. Zum einen haben Manager ihre Firmen so weit von starken Einzelaktionären emanzipiert, dass sie relativ gefahrlos handeln können und zum anderen, hat das Kapital oft schlicht keine Ahnung. In der Schweiz verwalten rund 2’500 Pensionskassen 800 Milliarden Franken Vermögen. Ich bin überzeugt, die wenigsten von uns wollen wissen, wie wenig die Pensionskassenverwalter davon verstehen, wo und wie sie unser Altersvorsorge investieren. Das Kapital spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Also ist es ein Kampf Kapital und Juso gegen die Manager? Überhaupt nicht, Manager sind Wissensarbeiter, die sich vom Kapital befreiten und ihre eigenen Forderungen selbstbewusst aufstellen. Und sie sind nur die Spitze einer breiten Entwicklung. In einem folgenden Artikel zeige ich Ihnen gerne auf, wie Wissensarbeiter heute kurz nach der Stifti mehr verdienen, als Industriearbeiter mit 20 Jahren Berufserfahrung. Aber bis dahin habe ich eine Frage an Sie; glauben Sie ernsthaft, das 1:12 ein Umverteilungskampf von oben nach unten ist?

vor 11 Monaten
95 Kommentare

Kommentar von Eric Baumann im Kontext:

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Eric Baumann
vor 11 Monaten | 3 Antworten

Die 1:12 Initiative tönt ja schön und gerecht.
Der Ruf nach so einer Intiative ist aber verständlich. Während sich ein Arbeiter auf der Baustelle zu tode schuftet und dabei vielleicht 5000 Franken pro Monat nach Hause bringt, erarbeitet sich ein Investmentbanken mitteln intransparenten Transaktionen Millionenbeträge. Die Schere ist einfach zu gross geworden und der Unmut in der Bevölkerung ist verständlich. Wenn man dann noch zusehen muss, dass Missmanagement eingentlich keine Auswirkungen auf den Betreffenden hat, dann ist die Wut gross.
Aber eine staatliche Regulierung von Löhnen erachte ich als falsch. Da muss sich das Kapital (Aktionäre) wehren, was sie ja auch vermehrt tun.
Wenn wir betrachten, dass die Reallöhne in den unteren Schichten ein paar wenige Prozente gestiegen sind (wenn überhaupt) in den letzten Jahren und im Vergleich dazu Managerlöhne bis 20% und mehr zugelegt haben dann muss doch etwas geschehen.
Aber ehrlich ich weiss es auch nicht. Ich hoffe immer noch darauf, dass die Aktionäre solch Verhalten irgendwann abstrafen


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