Zugegeben: Ich persönlich bin sehr gespalten und kippe einmal hin und einmal her. Einerseits denke ich, unsere Parlamentarier haben die Sache im Griff und werden mit Besonnenheit die Schweiz in eine tolle Zukunft führen. - Andererseits denke ich, was die Parlamentarier können, können andere auch. Einen Vorteil hat der Souverän, wenn er selber bei Staatsverträgen mitreden kann: Er ist nicht durchtränkt von Machtgedanken, sieht sich in einer neutralen Position und lässt sich durch keine Lobby beirren. Ich lese und las in der Presse oft über diese Abstimmung und darf doch sagen, die Journaille schreibt wie vor den jeweiligen PFZ-Abstimmungen nur Pfusch. Sie lässt sich instrumentalisieren von Interessensverbänden, Bilderbergerpolitikern und saftet irgend gesichtslosen Politikern und Wirtschaftsführern hinterher die immer dieselbe Sülze von sich geben: Überfordert weil zu viele Abstimmungen, hoher Zeitaufwand, Überforderung, hohe Kosten (als spielt das eine Rolle, viel Steuern, Abgaben und Gebühren werden wir weiterhin zahlen), usw. Die Liste liesse sich beliebig erweitern. Was hat der Souverän bis jetzt effektiv von den sogenannten Staatsverträgen gespürt? Ich meine an Mehrwert? Heute wurde die Ausschaffungsinitiative genau von den gesichtslosen Politikern verwässert die sich nicht mal getrauten, die Initiative als ungültig zu erklären. Jetzt schreien sie wieder nach EMRK, Personenfreizügigkeitsabkommen, etc. Die Initiative ist aber angenommen. Jetzt gibt es nichts mehr zu Deuteln. Punkt! In Leserbriefspalten in einschlägigen Online-Medien beklagen sich jetzt wieder dieselben, die immer heulen, die Initiative sei gar nicht umzusetzen. Doch! Ist sie! Wir, der Souverän, haben es so gewollt. Ob es uns passt oder nicht. Punkt! Wir, heisst die Schweiz. Aber es gibt immer noch die Besserwisser, die behaupten, eine Mehrheit sei nicht unbedingt eine Mehrheit. Also Besserwisser, verbiete Demokratie, Referenden, Initiativen und halten endlich den Mund! Wenn du damit durchkommst, ist es halt dann die Mehrheit und die gilt es zu akzeptieren.
Wir erinnern uns: Vor nicht allzu langer Zeit unterschrieben 101 Parlamentarier eine Motion die den Bundesrat beauftragte, weitere Wege in die EU abzuklären und diese in dieser Legislatur bekanntzumachen. Diese Abklärungen braucht es gar nicht. Der Bundesrat und seine Verwaltung schliesst ohne den Souverän bereits heute Gesetze mit der EU, mit anderen Ländern. Wie es herauskommen wird? Auch da hätten die 101 Parlamentarier eigentlich nicht unterschreiben müssen. Es wird so herauskommen: Lieber Souverän, wir machen euch jetzt ganz grosse Angst. Zuerst die Argumente: Abseitsstehen, Arbeitsplatzverlust, unsere Wirtschaft wird schwächeln, jeder dritte Franken verdienen wir in der EU, wir wollen doch keine Rosinenpicker sein, etc. Platte auf Replay. Seit Jahren läuft es so. Es läuft und läuft und keiner merkt, dass die Salamimaschine immer wieder kleine Rädchen schneidet bis das verängstigte Volk sagt: „Och wir müssen in die EU sonst sind wir ganz böse, unsolidarisch und Rosinenpicker.“ Die Leier läuft bereits seit Jahren und es ist noch lange nicht das Ende.
Deshalb bin ich gespalten. Ich traue der Politik nicht mehr zu als sie hergibt. Sie ist gefährlich, sie ist unberechenbar und durchtränkt von Macht und Selbstgefälligkeit. Unbedingt keine heiklen Fragen, Ängste und Probleme, die der Souverän hat, aufgreifen und lösen. Lieber verwässern und so lange zerreden bis das Volk meint, es gäbe gar keine Lösung – es sei halt jetzt so – weil es so ist. Dieses Prinzip funktioniert in der Schweizer Politik. Wir werden geblendet von Scheindiskussionen aber ohne Lösung. Wo sind sie? Die Lösungen? Wo ist die Lösung Schengen? Wo ist die Lösung Personenfreizügigkeit? Wo ist die Lösung soziale Gerechtigkeit? Wo ist die Lösung Krankenkassenprämie, Abzockerinitiative, etc. Nirgendwo ist sie. Es wird geplappert und so getan, als würden die da oben in Bern für uns da sein. Nein, sie sind vor allem für sich da – für sich die Politik. Da nehme ich es doch lieber dann selber in die Hand. Ich habe Angst. Ihr nicht? Was kommt da noch alles? Mir ist das Argument „Hintertüre“, „Scheinabstimmung“ doch dann etwas zu billig. War es das in den letzten Jahren nicht auch – gemacht von der Politik selber und zwar von „Links“ über die „Mitte“ bis „Rechts“? Sind wir ehrlich. Gar nichts haben die Parlamentarier/Innen für uns erreicht damit wir alle einen Schritt nach vorne spüren, zusammen solidarisch sind und unser Land wirklich auch da haben wollen wo wir es immer gehabt haben. Ja uns geht es gut. Aber hallo? Auch dieser Spruch ist veraltet und schimmelt schon. Gut soll es uns auch gefälligst in den nächsten Generationen gehen, dafür haben wir die Politik? Die managt es mir zu wenig glaubwürdig und sind unentschlossen. Die Politik wehrt sich gegen diese Initiative weil sie Angst hat, Verantwortung zu übernehmen - sie delegiert lieber an höhere Mächte. Dabei vergessen sie, dass sie Politiker sind - auch Politiker. Bezahlt und gewählt vom Souverän. Wir können alle Staatsverträge schon jetzt unterschrieben - wenn wir wollen- aber dann liebe Politiker, habt den Mut und schafft Euch ab. Das wäre ehrlich und auch konsequent denn dann braucht es Euch nicht mehr. Eine höhere Macht bestimmt ja dann! Oder sehe ich das falsch?
Vielleicht lege ich ein „Ja“ in die Urne weil ich denen da oben sagen will: „Hallo? Wir sind dann auch noch da.“ – Vielleicht lege ich ein „Nein“ in die Urne weil es mir einfach wurscht ist und denke, verwässert wird die Initiative sowieso wieder.“ Kennen wir doch – oder?
