Parteifinanzen offen legen?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Zur Zeit gibt es bekanntlich eine rege Diskussion über die Frage, ob sämtliche Parteien ihre Finanzen offen legen müssen oder nicht.

Das Parlament (bzw. die bürgerliche Mehrheit) hat einen entsprechenden Vorstoss bereits klar abgelehnt.

Aus meiner Sicht wird hier viel Theater um Viel und gleichzeitig um Nichts gemacht. Was kümmert es mich, als SVPler, was die SP, FDP oder CVP für Finanzen hat oder konkret, wie viel für einen Wahlkampf ausgegeben wird? Das ist mir ehrlich gesagt im höchsten Grad egal.

Der Neid bei linken Parteien scheint aber ungeahnte Höhen zu erreichen - man unternimmt alles, um besonders die SVP in den Dreck zu ziehen. Doch wie kann dies geschehen, wenn gar kein "Dreck" in der Nähe ist?

Ist es eine Schande, wenn eine Partei 5 Millionen CHF für den Wahlkampf ausgibt? Oder 10 Millionen? Oder 15?

Was man mit seinem eigenen Geld machen will, darf doch wohl noch jeder selbst entscheiden. Ach nein, Verzeihung, ich irre mich: Der Staat interessiert sich ja sogar bereits für Erbschaften und fordert auch dort immer höhere Abgaben - Überwachung, Regulierung, Versteuerung pur - ein blanker Horror!

Was ist daran so schlimm, wenn eine Partei finanziell gut da steht, sei es durch Mitgliederbeiträge, Lobbying oder durch private Spenden? Wieso soll es schlimm sein mit Bargeld zu arbeiten (oder umgekehrt: ist es denn nicht "schlimmer" in elektronischer Form Geld zu überweisen? Wenn die Antwort auf diese Frage "nein" lautet, wieso?)

Ich kann diese Argumente vieler Linken einfach nicht verstehen - aus meiner Sicht ergeben sie einfach keine Logik.

Ein Argument kann ich jedoch verstehen: Als Bürger hat man natürlich ein gewisses Interesse daran zu erfahren, wer wen sponsert. Stecken wirklich die Banken hinter den FDP-Finanzen? Gewerkschaften hinter der SP? Multimilliardär und alt-Bundesrat Blocher hinter den SVP-Finanzen?

Ich hätte ehrlich gesagt keine Mühe mit all diesen Szenarios. Dann sponsert halt (beispielsweise) Ursula Wyss zu 25% die SP, Herr Blocher zu 75% die SVP und die Banken zu 40% die FDP. Dann stecken hinter linken Verbänden Gewerkschaften, hinter den Grünen Umweltorganisationen und hinter der SVP Bauernverbände und Schiessvereine - oh welch ein Wunder!

Das alles sollte und kann uns doch egal sein - bei mir ist das jedenfalls so.

Die Medien machen nun aus jeder kleinsten Info ein riesiges Tamtam und blähen die Geschichten auf - ähnlich wie in der Kampfjetdiskussion, in der Atomdebatte oder sicherlich auch bei anderen Themen.

Einerseits verstehe und unterstütze ich die Forderung für mehr Transparenz und andererseits kann ich die Mentalität dahinter einfach nicht verstehen.

Kann man hier nicht einfach "leben und leben lassen", geschadet wird dadurch ja niemanden.

Und Wahlkämpfe werden längst nicht nur durch Geld und Plakatwälder entschieden (eine übermässige Präsenz wird sogar vom Volk eher abgelehnt), das hat man ja bei den letzten Wahlen gesehen. Die Inhalte zählen, nicht das Geld!

Aber dies einer Partei beizubringen, welche den Kapitalismus abschaffen will, ist schier unmöglich, deshalb versuche ich es am besten gar nicht ;)

19. März 2012
84 Kommentare

Kommentar von Pascal Kesseli im Kontext:

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Pascal Kesseli
19. März 2012 | 9 Antworten

Einerseits verstehe und unterstütze ich die Forderung für mehr Transparenz und andererseits kann ich die Mentalität dahinter einfach nicht verstehen.

Wo wir doch gerade von Statements sprechen, die keinen Sinn ergeben, meinen Sie?
.

Und Wahlkämpfe werden längst nicht nur durch Geld und Plakatwälder entschieden […]. Die Inhalte zählen, nicht das Geld!

Das ist bestimmt so. Zumindest in einem Land, in dem bunte Häschen mit rosa Einhörnern auf Blumenwiesen spielen. In der Realität sieht es aber so aus, dass natürlich beide Faktoren einen enormen Einfluss haben.
Können Sie mit sinnvollen, rationalen Argumenten aufwarten, haben Sie gute Chancen, die Leute auf Ihre Seite zu ziehen. Ebenso können Sie aber auch mit schnittigen, gut durchdachten und nicht immer ganz wahrheitsgetreuen Werbekampagnen mindestens genausogut punkten.

Den Einfluss des Geldes auf die Politik zu durchleuchten und grösstmöglich einzuschränken ist übrigens kein Schweizer Phänomen und wurde auch nicht von den „Linken“ hierzulande erfunden. Es ist ein globales Problem und meiner Meinung nach die einzige Schwachstelle einer Demokratie. Nicht zuletzt, weil es der Grundidee der Demokratie an sich widerspricht. Irgendwie muss verhindert werden, dass beispielsweise ein Milliardär mit Plakaten, Werbeanzeigen und bezahlten Hypnotiseuren – oder was sich sonst noch alles kaufen lässt – mehr Einfluss auf die Politik nimmt, als es der Milchbauer von nebenan kann.

Man hört die Leute oft witzeln, das Problem der Demokratie sei, dass die Meinung des Aristoteles gleich viel zähle, wie die des Dorftrottels.
Meiner Meinung nach ist das echte Problem aber, dass die Meinung des Krösus unendlich viel mehr zählt, als die des Aristoteles und des Dorftrottels zusammengenommen.


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