Zersiedelung stoppen – Wenn jede Sekunde 1 qm verbaut wird

Jede Sekunde wird ein Quadratmeter Boden verbaut. Das finde ich furchtbar. Diese Entwicklung muss dringend gestoppt werden. Mit dem Gegenentwurf zur Landschaftsinitiative der Grünen mit einem 20 jährigen Moratorium auf Bauzonen konzentriert sich der Bund auf die Bekämpfung der Zersiedelung und den Schutz des Kulturlandes. Der Bauboom droht sowohl die Linthebene sowie das Zürich-Oberseegebiet zu zersiedeln. Der Bedarf, raumplanerisch aktiv zu werden, wurde zum Glück auch im Aggloprogramm Obersee aufgenommen. Doch es fehlte leider bislang an einer kohärenten Agglopolitik über alle Räume hinweg. Es liegt an uns, dafür zu sorgen, profitgierige Überbauungen zu verhindern, die nur kurzfristige Lösungen bringen. Gerade jetzt, wo wir noch immer angewiesen sind auf Fachpersonen aus dem Ausland, die sich in der Schweiz ihre Häuser leisten können, ist eine vorausschauende Siedlungspolitik gefragt. Präventiv wirken würde gewiss eine gute Ausbildungspolitik, sodass wir genügend eigene ausgebildete Fachpersonen z.B. im Ingenieur- und im Gesundheitsbereich hätten. Ich bin überzeugt, dass auch verdichtetes Bauen, vor allem in die Höhe, die Zersiedelung stoppen könnte. Der Traum vom Einfamilienhaus mit Umschwung muss ein Traum bleiben. Mehrfamilienhäuser von hoher Qualität mit möglicher individueller Ausgestaltung sind nötig. Es ist das Kulturland, das nicht nur den Touristinnen und Touristen an der Schweiz so gut gefällt. Auch mich beeindrucken urtümliche Landschaften. Der Tourismus ist volkswirtschaftlich die 3. wichtigste Einnahmequelle. Dieses Kulturland wird von Landwirten gepflegt, die darauf Lebensmittel – Fleisch, Milch, Getreide, Gemüse – herstellen. Ich befürchte, dass Lebensmittel weltweit knapp und teuer werden und dann bekommen wir hier zu Lande ein Problem, wenn wir nicht nachdrücklich die Ernährungs-Souveränität anstreben. Statt ein eigenes Gärtlein zu hegen und zu pflegen – so wertvoll ich dies auch finde - lohnen sich dann Ausflüge in vom Bauboom gerettetes Kulturland.

21. Oktober 2011
5 Kommentare

Kommentar von Alex Schneider im Kontext:

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Alex Schneider
28. Dezember 2011

@Silvia Kündig (I)
Zersiedelung der Schweiz bekämpfen: Das geht nur mit einem Einzonungsstopp auf nationaler Ebene!

In schöner Regelmässigkeit wird die Zersiedelung der Schweiz beklagt und werden allgemein gehaltene Berichte, Konzepte, Richt- und Sachpläne zu deren Bekämpfung veröffentlicht. Bund, Kantone, Regionen und Gemeinden schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Auf Gemeindeebene wird weiterhin mit dem Spruch:“Unsere Gemeinde soll sich mässig weiterentwickeln“ die Zersiedelung Stück um Stück weitergetrieben.

Ein Einzonungsstopp für Bauland, wie ihn die Landschaftsschutzinitiative vorsieht, ist das einzig wirksame Mittel, um die Zersiedelung langfristig in den Griff zu bekommen. Falls der Siedlungsdruck auf die Agglomerationen anhalten sollte, sind die Agglomerationsgemeinden gefordert, die Bauzonenbestimmungen so anzupassen, dass qualitativ hochwertiges, verdichtetes Bauen rasch möglich wird.


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