Jede Sekunde wird ein Quadratmeter Boden verbaut. Das finde ich furchtbar. Diese Entwicklung muss dringend gestoppt werden. Mit dem Gegenentwurf zur Landschaftsinitiative der Grünen mit einem 20 jährigen Moratorium auf Bauzonen konzentriert sich der Bund auf die Bekämpfung der Zersiedelung und den Schutz des Kulturlandes. Der Bauboom droht sowohl die Linthebene sowie das Zürich-Oberseegebiet zu zersiedeln. Der Bedarf, raumplanerisch aktiv zu werden, wurde zum Glück auch im Aggloprogramm Obersee aufgenommen. Doch es fehlte leider bislang an einer kohärenten Agglopolitik über alle Räume hinweg. Es liegt an uns, dafür zu sorgen, profitgierige Überbauungen zu verhindern, die nur kurzfristige Lösungen bringen. Gerade jetzt, wo wir noch immer angewiesen sind auf Fachpersonen aus dem Ausland, die sich in der Schweiz ihre Häuser leisten können, ist eine vorausschauende Siedlungspolitik gefragt. Präventiv wirken würde gewiss eine gute Ausbildungspolitik, sodass wir genügend eigene ausgebildete Fachpersonen z.B. im Ingenieur- und im Gesundheitsbereich hätten. Ich bin überzeugt, dass auch verdichtetes Bauen, vor allem in die Höhe, die Zersiedelung stoppen könnte. Der Traum vom Einfamilienhaus mit Umschwung muss ein Traum bleiben. Mehrfamilienhäuser von hoher Qualität mit möglicher individueller Ausgestaltung sind nötig. Es ist das Kulturland, das nicht nur den Touristinnen und Touristen an der Schweiz so gut gefällt. Auch mich beeindrucken urtümliche Landschaften. Der Tourismus ist volkswirtschaftlich die 3. wichtigste Einnahmequelle. Dieses Kulturland wird von Landwirten gepflegt, die darauf Lebensmittel – Fleisch, Milch, Getreide, Gemüse – herstellen. Ich befürchte, dass Lebensmittel weltweit knapp und teuer werden und dann bekommen wir hier zu Lande ein Problem, wenn wir nicht nachdrücklich die Ernährungs-Souveränität anstreben. Statt ein eigenes Gärtlein zu hegen und zu pflegen – so wertvoll ich dies auch finde - lohnen sich dann Ausflüge in vom Bauboom gerettetes Kulturland.
Zersiedelung stoppen – Wenn jede Sekunde 1 qm verbaut wird
In St.Gallen habe ich ein neu verdichtetes Wohnquartier Birnbäumen besucht und bin auf zufriedene Bewohner/innen gestossen.Eine Nachbarin ist vom städtischen Raum in ein Zweifamilienhaus in der Peripherie gezogen, um den Kindern mehr Freiraum zu ermöglichen. Die Neugierde und Urteile der neuen Umgebung haben ihr zu denken gegeben.
@Silvia Kündig-Schlumpf
Fragen Sie einmal die Nachbarn von neu vedichteten Arealen, ob sie darüber glücklich sind.
Fragen Sie einmal die wohnungssuchenden Familien, wo sie lieber wohnen würden, in qualitativ verdichteten Wohungen im städtischen Raum oder in Einfamilienhäusern an der Peripherie. Sie könnten sich noch wundern.
Falls der Siedlungsdruck auf die Agglomerationen anhalten sollte, sind die Agglomerationsgemeinden gefordert, die Bauzonenbestimmungen so anzupassen, dass qualitativ hochwertiges, verdichtetes Bauen rasch möglich wird.
@Silvia Kündig (II)
Wenn die Landgemeinden zum Wohnen unattraktiv sind, wird dort der Siedlungsdruck auch bei relativ tiefen Baulandpreisen und grossen Bauzonenreserven bescheiden bleiben.
Das Dümmste wäre es, die in den letzten Jahren erfolgte starke Zuwanderung in die Zukunft fortzuschreiben, eine solche Trendprognose als Zielvorgabe zu nehmen und die letzten Grünflächen in den Agglomerationen zu überbauen. Nur mit einer Verknappung des Baulands und steigenden Baulandpreisen ist eine Siedlungsverdichtung hinzukriegen. Wenn das heute übermässige Bevölkerungswachstum dadurch gebremst würde, wäre das auch kein Schaden.
@Silvia Kündig (I)
Zersiedelung der Schweiz bekämpfen: Das geht nur mit einem Einzonungsstopp auf nationaler Ebene!
In schöner Regelmässigkeit wird die Zersiedelung der Schweiz beklagt und werden allgemein gehaltene Berichte, Konzepte, Richt- und Sachpläne zu deren Bekämpfung veröffentlicht. Bund, Kantone, Regionen und Gemeinden schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Auf Gemeindeebene wird weiterhin mit dem Spruch:“Unsere Gemeinde soll sich mässig weiterentwickeln“ die Zersiedelung Stück um Stück weitergetrieben.
Ein Einzonungsstopp für Bauland, wie ihn die Landschaftsschutzinitiative vorsieht, ist das einzig wirksame Mittel, um die Zersiedelung langfristig in den Griff zu bekommen. Falls der Siedlungsdruck auf die Agglomerationen anhalten sollte, sind die Agglomerationsgemeinden gefordert, die Bauzonenbestimmungen so anzupassen, dass qualitativ hochwertiges, verdichtetes Bauen rasch möglich wird.
Durch Ihre Empfehlung gewinnt der Beitrag mehr Gewicht und wird prominenter angezeigt.
