Eine Erbschaftssteuer müsste ein urliberales Anliegen sein. Vererbte Standes-Privilegien schaffte die französische Revolution ab. Tun wir's auch beim Geld-Adel!

Die gemeinsame Initiative von Grünen, SP und EVP und der Gewerkschaften für die Einführung einer eidgenössischen Erbschaftssteuer kommt zur richtigen Zeit.

Die Vermögensverteilung in der Schweiz ist sehr ungleich: 1% der Bevölkerung hat gleich viel Vermögen wie die übrigen 99%. Die fortlaufende Abschaffung der kantonalen Erbschaftssteuern wegen des Steuerwettbewerbs hat zur Folge, dass diese Ungleichheit weitervererbt wird. Jährlich wechseln so rund 40 Milliarden Franken Vermögen in neue Hände. In den meisten Kantonen steuerfrei. Reiche werden immer reicher. Ohne dass sie dafür etwas leisten müssten.

Die massvolle Erbschaftssteuer von 20% mit einem Freibetrag von 2 Millionen ist sehr tief angesetzt. In allen umliegenden Ländern ist die Erbschaftssteuer höher. Allfällige kantonale Erbschaftssteuern für direkte Nachkommen und die kantonal völlig unterschiedlichen Erbschaftssteuern für Nicht-Verwandte würden wegfallen. Dies schiebt sinnlosem Steuerwettbewerb der Kantone den Riegel.

Zudem existieren Sonderregelungen für Familienbetriebe und KMUs, sowie Bauernbetriebe, um keine Arbeitsplätze zu gefährden.

21. August 2011
5 Kommentare

Kommentar von Balthasar Glättli im Kontext:

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Balthasar Glättli [Beitragsautor] Politnetz Plus
22. August 2011

Ja, Karin, das wäre allerdings eine ziemliche Revolution. Die Vermögenssteuer ist heute sehr tief. Sie trägt mit 5.3 Mia gesamtschweizerisch nur 4.4% zum Steuersubstrat der öffentlichen Hand bei (Quelle: http://glätt.li/r1whX6 ).

Allerdings ist auch zu sagen: wenn die Erbschaften höher besteuert würden, dann würden die Vermögen zumindest nicht vererbt, und entsprechend weniger hoch anwachsen.

Noch zum Investieren: Investiertes Geld (über Beteiligungen, Aktien etc.) ist natürlich auch Vermögen. Eine riesige Problematik heute ist es, dass man mit kurzfristigem Gambeln an der Börse weit mehr Geld verdienen kann als mit tatsächlichen Investitionen in die reale Wirtschaft. Hier müsste man z.B. mit einer Tobinsteuer oder anderen Mitteln gegen kurzfristige Spekulation einschreiten und längerfristige, echte Investitionen fördern.


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