Viele können Auto fahren, aber die wenigsten sind ein Michael Schumacher

Die 1:12 Initiative findet grossen Anklang. Wenn ein CEO 500 Mal mehr verdient als ein „normaler“ Arbeiter, weckt dies Emotionen. Dabei möchte ich nicht einmal von Neid sprechen. Es ist menschlich, dass sich unser Empfinden fragt, wie kann jemand 500 Mal mehr wert sein als ich oder der Nachbar von nebenan? Das fragt sich nicht nur der Büetzer, auch der Banker, der CEO eines anderen Unternehmens oder der KMU-Chef stellt sich diese Frage.

Intuitiv wissen wir, Firmen würden auch günstigere CEO’s finden. Statt für 11 Millionen, macht ein anderer denselben Job für 1 Million. Wir würden die Einsparung beim CEO den Mitarbeitern gönnen. Wenn jeder Mitarbeiter Ende Jahr 300.- mehr auf dem Konto hat, empfinden wir dies als gerechter.

Aber - stellen wir die richtige Frage?

Es ist möglich, dass ein günstigerer CEO einen guten oder besseren Job macht. Aber es ist wahrscheinlicher, dass ein talentierter CEO jene Firma auswählt, die im die besseren Chancen bietet - und dazugehört auch der Lohn.

Für eine Firma, deren Mitarbeiter und Inhaber kann ein guter CEO Milliarden Wert sein. Pensionkassen, die auf die richtigen Unternehmen setzen, können für ihre Mitglieder einen schöneren Lebensabend herausholen. Pensionäre, deren Pensionskassen auf die falschen Pferde setzen, müssen den Gürtel enger schnallen. Gut laufende Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und zahlen massig Steuern. Während schlecht laufende Unternehmen den Bach runter gehen.

Wie gross ist der Einfluss eines CEO? Nehmen wir als Beispiel die Firmen Apple und Nokia. Hätten Sie vor 4 Jahren 10’000 Franken auf Apple gesetzt, würden Sie jetzt 40’000 Franken besitzen. Hätten Sie dieselbe Summe in Nokia Aktien angelegt, hätten sich ihre 10’000 Franken mehr als halbiert und es blieben Ihnen nur noch 4’500 Franken. 35’500 Franken mehr oder weniger machen einen Unterschied. Was ist geschehen? Im Jahr 2007 stellte Apple ihr erstes iPhone vor. Apple sah, dass die Leute in Zukunft einfach zu bedienende Smartphones wollen. Nokia hingegen belächelte den Newcomer im Handymarkt und machte keine Anstalten dem iPhone ein gleichwertiges Produkt entgegenzusetzen. Der Chef von Apple sah die Zukunft, der Chef von Nokia war blind oder nicht in der Lage sein Unternehmen dazu zu bringen, ein ebenbürtiges Konkurrenzprodukt zu lancieren. Nokia wurde brutal abgestraft. In erster Linie von den Kunden. Die Unfähigkeit des Nokia Management auf eine Entwicklung richtig zu reagieren, kostet den Finishen Handyhersteller Milliarden. Davon betroffen sind die Mitarbeiter, die Aktionäre und der Staat. Arbeitsplätze werden an anderen Orten geschaffen.

Geschichten wie diese gibt es zuhauf in der Unternehmerwelt. Die Credit Suisse hörte früher auf zu zocken, während die UBS noch munter weiter in den USA investierte. Corti von der Swissair wehrte sich dagegen, Gategourmet zu verkaufen, was womöglich der Swissair genug Cash gegeben hätte, um zu überleben. Brabeck erkannte lange vor seinen Mitbewerbern, welch wichtiger Stellenwert Wasser bekommen wird und investierte mit Nestlé massiv in diesen Bereich, wovon das Unternehmen heute profitiert.

Bei den CEO’s gibt es wie in allen Bereichen bessere und schlechtere. Es gibt den durchschnitt Autofahrer und den Michael Schumacher (oder Vettel). Grosse Unternehmen tun alles, um die Besten zu gewinnen. Manche CEO’s wollen dafür einen hohen Lohn oder saftige Aktienpakete. Für grosse Unternehmen können diese Beträge jeden Franken wert sein. Niemand weiss es im Voraus, aber jeder weiss, dass ein falscher Entscheid Milliarden kosten kann.

Wenn wir mit 1:12 den Schweizer Unternehmen die Möglichkeit nehmen, selbstständig zu entscheiden, wie viel Geld sie ihren Angestellten geben, nehmen wir ihnen die Möglichkeit an gewisse Talente zu kommen. Wer für 1:12 ist, muss sich fragen, ob er einen Durchschnittsautofahrer in einen Formel 1 Wagen setzen will.

Ja, es mag sich verrückt anhören, wenn ein CEO 500 Mal mehr verdient. Und nicht immer ist er sein Geld wert. Aber eines ist sicher. Roger Federer gewinnt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Tennismatch gegen die Nummer 50. Celine Dion füllt das Hallenstadion schneller, als eine unbekannte 18-jährige. Und das Essen bei Ihrem Ersten in einem 17-Punkte-Restaurant ist bestimmt teurer als im McDonald - aber es ist auch feiner. Und genauso ist es mit den Führungskräften. Es gibt schlechtere und es gibt bessere CEO's, Finanzchefs und Personalmanger.

Wenn Sie über 1:12 nachdenken, versetzen Sie sich auch einmal in die Lage des Unternehmens. Als ob Sie Mitarbeiter oder Aktionär sind. Möchten Sie wirklich, dass Sie auf eine Führungspersönlichkeit verzichten müssen, weil diese sagt: “Sorry, beim ausländischen Mitbewerber verdiene ich das doppelte und arbeite auch noch im besseren Team”.

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