Wir gönnen und wünschen Menschen im Ausland unsere Errungenschaften der Demokratie, welche wir selber immer weniger achten und nutzen.

Wir sehen nach Libyen, Ägypten, Tunesien und wünschen diesen gebeutelten Menschen Demokratie und gleichzeitig lese ich in der Zeitung, dass am kommenden Sonntag wohl „nur“ jede dritte wahlberechtigte Person im Kanton Luzern die zukünftigen Regierungs- und Kantonsräte wählen wird. Die Mehrheit des Volkes, wie es einige Parteien immer wieder für sich beanspruchen, geht also gar nicht wählen. Irgendwie schon eine komische Situation. Wir gönnen und wünschen Menschen im Ausland unsere Errungenschaften, welche wir selber immer weniger achten und nutzen. Demokratie ist kein Selbstläufer sondern wird erst durch die aktive Beteiligung der Menschen in einem Land lebendig.

Wenn beinahe 2/3 der Wahlberechtigten der Urne fernbleiben, so stellt sich für die Wahlen irgendwann die Legitimitätsfrage oder anders gesagt, die Politiker sind immer weniger Volksvertreter. Die eine Sache ist diesen Zustand zu beklagen, doch viel wichtiger ist Frage, was können wir gegen diese Wahl- und Politverdrossenheit tun? Gestern hat mir eine deutsche Kollegin gesagt, jedes Mal wenn sie in die Schweiz komme, seien politische Plakate beinahe überall präsent. Bei uns herrsche andauernd Wahl- und Abstimmungskampf.

Haben wir vielleicht zu viel direkte Demokratie oder haben die modernen Kommunikationsmittel vielleicht zu einer noch grösseren Politverdrossenheit geführt? Für Interessierte ist dies schwer nachvollziehbar, doch es könnte eine Erklärung sein. Claude Longchamps könnte ja die schweigende Mehrheit einmal über ihre Motive des Nichtwählens befragen, statt regelmässig umstrittene Vorwahl- und Abstimmungsumfragen zu machen.

Die Schule ist sicher ein guter Ansatzpunkt, um den Jugendlichen die Politiker näher zu bringen. Wenn ich mich an meine Schulzeit zurückerinnere, war der Staatskundeunterricht zu theoretisch, statisch und gar nicht lebendig. So wird die Politverdrossenheit wohl eher gefördert, als dagegen zu wirken. Insofern sind die einzelnen Lehrer/innen gefordert, Politik und unsere direkte Demokratie praxisorientierter und lebendiger zu vermitteln. Dies ist dringend notwendig, denn Demokratie ist ein zartes Pflänzchen und wenn es nicht gepflegt wird, droht es langsam einzugehen.

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