Der Nationalrat ist zu Anwaltslastig. Ein bessere Durchmischung der Berufsgruppen und sozialen Schichten ist wünschenswert.

Der NR ist für das Volk in keiner Weise repräsentativ. Bekannt ist beispielsweise, dass Juristen gemessen an ihrem Anteil an der berufstätigen Bevölkerung extrem überproportional im NR (wie auch in kantonalen Parlamenten) vertreten sind (genauso wie sie gemessen an ihrer effektiven Arbeitsleistung - im Vergleich etwa mit Ärzten oder Pflegefachpersonal - auch massiv überproportional verdienen).
Wie mir scheint, macht es einen sehr grossen Unterschied, ob man die Welt und darin die Menschen durch die Augen eines Juristen oder durch die Augen eines Psychologen oder einer Krankenschwester wahrnimmt.

Juristisch gefärbte Parlamentsentscheide sind nicht selten realitätsfremde Papiertiger, theroetische Konstrukte, die entweder unrealistischen, schöngeistigen Idealen nacheifern oder dann genau umgekehrt aus der berufstypischen schieren Ignoranz des durchschnittlichen Juristen heraus durch und durch menschenverachtend ausgestaltet sind. Und dazu noch allenfalls im Sinne der gesetzlichen Grundlage Beschäftigungstherapie (und Einnahmequelle!) für Juristen schaffen: unnötige bürokratische Gesetze und administrative Prozeduren, die letztlich nur Juristenfutter darstellen und darauf angelegt sind, Richtern und Anwälten Geld in die Tasche spülen.

Auch an Ingenieuren mit dem nötigen technischen Sachverstand mangelt es in den Parlamenten (genauso wie CEOs von Grosskonzernen untervertreten sind, die man im Prinzip als Wirtschaftsingenieure ansehen darf) - sonst würde sich die Industrie heutzutage kaum beschweren müssen, dass nicht genügend Techniker und Ingenieure ausgebildet werden, obwohl die menschlichen Ressourcen dazu da sind. Kurzum: der juristische Filz okkupiert die Parlamente und stiehlt Redezeit mit Reden, die an der Sache vorbei gehen, die Sache aus realtitätsfremder Juristen-Bürosessel-Perspektive wahrnehmen und letztlich schlicht und einfach Sand im Getrieb des Legislativprozesses ist. Richtig, Sand im Getriebe, auch wenn es tatsächlich Juristen im Parlament braucht: sie können den Legislativprozess assistieren, sie sind sozusagen parlamentarisches Hilfspersonal, das benötigt wird, um Beschlüsse des Parlaments für die Bürokratie optimal kodifiziert zu formulieren - aber eine andere Funktion haben Juristen im Parlament eigentlich nicht. Sie sind also massiv übervertreten gemessen an ihrem Nutzen. Man könnte ihren Dienst auch als offiziellen Parlamentsdiienst führen, Juristen, die den Parlamentariern assistieren, wenn es darum geht, Gesetzestexte zu kodifizieren, dann ginge es sogar vollkommen ohne Juristen unter den Natonalräten, dann könnte man eben eine echte Volksvertretung bestellen, die sich aus Menschen aus allen Lebenslagen und Berufen zusammensetzt, vom Raketeningenieur über den Präventivmediziner bis hin zum Strassenkehrer, damit auch die Interessen aller sozialen und wirtschaftlichen Schichten gebührend verteten sind - ein echter Volkskongress eben, wie ihn etwa auch die VR China kennt; dort moniert der Westen zwar mangelnde Demokratie, gleichzeitig sind die vorhandenen Volksgremien sehr viel durchmischter und repräsentativer als westliche Parlamente, in denen vor allem finanziell Gutsituierte und viele Anwälte Einsitz nehmen.

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