Die Mathematik und Technik hinter einem sicheren E-Voting-System ist zu komplex um es den Bürgerinnen und Bürgern glaubhaft als sicher zu verkaufen.

E-Voting soll im Grundsatz dieselben gemeinsamen Vorteile der Urnen- und Briefwahlen bieten. Das sind im Wesentlichen:

  • Anonymität
  • Überprüfbarkeit der Ergebnisse
  • Manipulationssicherheit
  • Nachvollziehbarkeit der Vorgänge

Durch die asymmetrische Verschlüsselung ist es längst möglich, der Kommunikation zwischen dem Computer und dem Server die ersten drei Eigenschaft zu verleihen. Bei der Nachvollziehbarkeit beginnen aber die Probleme. Man müsste einen Weg finden, die Abstimmenden von der Sicherheit einer asymmetrischen Verschlüsselung zu überzeugen. Die Mathematik, die dahinter steckt, ist zu komplex um sie ihnen zuzumuten. Es gibt ausserdem noch keinen mathematischen Beweis der Sicherheit dieses Verfahrens.

Das zweite Problem liegt beim lokalen Computer. Er kann Viren haben und man kann nicht zu 100% sicher sein, dass man nun wirklich mit dem richtigen Gegenüber kommuniziert. Und ist die Anonymität wirklich gewährleistet? Klar gibt es auch hier Wege, die das Ganze extrem sicher machen würden. Es müsste aber auch hier ein Weg gefunden werden, die Sicherheit glaubhaft zu vermitteln.

Nun kommen wir zum dritten Element: der Server. Beim Brief und bei der Urne ist es klar: Wenn der Brief ungeöffnet ist, wurde der Inhalt nicht verändert. Wenn die Urne versiegelt ist, wurde sie nicht geöffnet. Wie kann aber ein Server feststellen, ob die Stimme unterwegs abgeändert wurde?
Das zweite Problem: jeder Server hat einen Administrator, der die Macht über alles hat. Eine einzige Person kann das Resultat verfälschen und gleichzeitig die vorhandenen Daten so manipulieren, dass es nicht mehr nachvollziehbar ist.

Es gibt für alle aufgelisteten Probleme Lösungen. Es wird aber extrem komplex und unübersichtlich. Kann man nun von den Bürgerinnen und Bürgern erwarten, dem System zu vertrauen? Kaum jemand wird sich von der Sicherheit dieses Systems überzeugen lassen.

Deswegen bin ich gegenüber E-Voting für Abstimmungen und Wahlen extrem skeptisch und lehne es in erster Linie ab. Für Initiativen und Referenden hingegen würde ich es begrüssen. Denn dann würde die Beteiligung am politischen Prozess wirklich zunehmen.

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