Doch letztlich bleibt die Frage, ob dieses Vorgehen dazu beiträgt, das libysche Volk zu schützen? Oder was wäre die Alternative dazu? Mit Gaddafi zu verhandeln?

Wenn Alliierte Kampfflugzeuge in Libyen täglich Stellungen von Muammar al-Gaddafi und seinen Getreuen angreifen, so zerstören sie wahrscheinlich in den meisten Fällen ihr eigenes Kriegsmaterial. Dies ist – um es zynisch zu formulieren - die westliche Praxis von Demokratieexport. Auf eine einfache Formel gebracht, Rohstoffsicherheit und Profit sind grösser als Menschenrechte und Freiheit. Jahrelang wurde darum Gaddafi von vielen westlichen Staatschefs hofiert. Vor allem Berlusconi und Sarkozy haben sich diesbezüglich sehr hervorgetan. Natürlich möchte dies Nicolas Sarkozy jetzt vergessen machen und strebt nach einer einflussreichen internationalen Rolle. Und in einer möglichen Ära nach Gaddafi wird Libyen über den Rohstoff Erdöl verfügen. Wer vor innenpolitischen Problemen ablenken will, der führt Krieg. Auch diese zynische Formel mag Sarkozy dazu bewogen haben, die Flugverbotszone möglichst schnell und rigoros durchzusetzen. Die Motive dieser Intervention in Libyen mit Frankreich an vorderster Front sind ganz sicher persönlicher und nationaler Art. Doch letztlich bleibt die Frage, ob dieses Vorgehen dazu beiträgt, das libysche Volk zu schützen? Oder was wäre die Alternative dazu? Mit Gaddafi zu verhandeln? Die Schweiz hat am eigenen Leib erfahren, wohin dies führt. Und Libyen mit Gaddafi ist weder zukunftsträchtig noch erstrebenswert. Dies im Wissen darum, dass ich die Alternative nicht kenne und bei den Aufständischen einige ehemalige Gaddafi-Getreue bereits wieder einflussreiche Posten besetzen.

0 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production