Wie wärs mit einer Atombombe?

Ein kluger Kopf hat einmal sinngemäss Folgendes gesagt:
Will man eine Großstadt zerstören, gibt es zwei sehr nachhaltige Methoden. Entweder, man zündet in dieser Stadt eine Atombombe oder man friert die Mietpreise ein.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis einer Ware, das ist bei Wohnungen nicht anders.
Wenn der Preis in die Höhe geht, dann nur, weil das Angebot die Nachfrage nicht decken kann. Anscheinend bestand und besteht in Zürich in den letzten Jahren eine stärkere Nachfrage nach Wohnungen, als der Markt bieten kann.

In Zürich gab es 1960 ungefähr 145'000 Wohnungen bei knapp 430'000 Einwohnern.
Heute leben in Zürich knapp 380'000 Menschen und es gibt 209'000 Wohnungen.

Trotz erhöhtem Angebot und geringerer Einwohnerzahl herrscht Wohnungsnot.
Warum? Weil wir heute wesentlich mehr Platz für uns in Anspruch nehmen als noch vor 40 Jahren. Und weil heute wesentlich mehr Menschen in Einzel- oder Zweipersonenhaushalten leben. Aber gerade der Neubau kleinerer Wohnungen wurde in den letzten Jahren vernachlässigt. Alles nachzulesen auf den Seiten des statistischen Amtes des Kantons Zürich und des Präsidialdepartments der Stadt Zürich.

Zudem sind in den letzten Jahren eine Vielzahl an Menschen nach Zürich gezogen, die eher zu den Besserverdienenden gehören. Auch das bewirkt, dass die Mieten steigen. Und der Witz dabei ist, dass dies der Stadt Zürich von Vorteil ist: sie erhält mehr Steuern von den Besserverdienenden - und zum Teil auch von den Inhabern der Wohnungen, welche die Mieteinnahmen und die erhöhten Verkehrswerte ja ebenfalls versteuern müssen, wenn sie in Zürich wohnen.

Will man also dafür sorgen, dass die Mieten nicht noch weiter in die Höhe schießen, müsste man entweder das Angebot erweitern oder die Nachfrage eindämmen.

Nachfrage eindämmen lässt sich kaum realisieren. Dies ginge entweder nur über eine Beschränkung der Zuwanderung mittels Kündigung der bilateralen Verträge. Oder man müsste den Standort Zürich als Wohnort unattraktiv machen, etwa durch höhere Steuern und Abgaben. Beides wäre politischer Selbstmord.

Also muss das Angebot ausgeweitet werden, indem neue Wohnungen gebaut werden. Und das geschieht ja bereits. Aber neugebaute Wohnungen werden nicht per se günstiger sein.
Nicht nur der Bau geht ins Geld, auch die Grundstückspreise tragen dazu bei. Nicht die Spekulation treibt die Grundstückspreise in Zürich in die Höhe sondern die hohe Nachfrage. Und die einzudämmen... ja, das hatten wir ja eben schon.

Will man hier nun den Hebel ansetzen und die Stadt dazu verdonnern, Millionen Steuerfranken für den Erwerb von Bauland einzusetzen, damit in dort errichteten Häusern günstigere Mieten verlangt werden können, führt dies zu noch mehr Ungerechtigkeiten.
Wer soll dort wohnen dürfen?
Wohl nur die Bedürftigen. Aber wer wacht und entscheidet darüber, wer bedürftig ist?
Ein gefundenes Fressen für all jene, die den Verwaltungsapparat gern noch mit ein paar zusätzlichen Stellen bestücken und die Bürokratie aufblähen wollen.
Und all die anderen Wohnungen in der Stadt, die nicht unter die Deckelung fallen sondern den Gesetzen des Marktes unterstellt bleiben, werden infolge dessen noch teuer.

Da ist es doch wesentlich einfacher, die finanziell Schwachen direkt mit Beiträgen zur Miete zu unterstützen, finanziert aus den höheren Steuereinnahmen der hinzugezogenen Besserverdienenden.

Die Initiative der SP aber kommt eher einer Miniatombombe gleich.

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