Die Einheitskasse scheint eine wenig durchdachte Forderung zu sein.

Ja, die Forderung hört sich vielversprechend an. Stoppt unnötige Werbung, stoppt unnötige Wechselkosten und führt dafür eine Einheitskasse ein.

Ich bin kein Gesundheitsexperte. Ich sehe aber, dass es viele Mitspieler gibt, die sehr viel Geld mit unserer Gesundheit verdienen. Darum bin ich skeptisch, wenn jemand eine einfache Lösung verspricht. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als selbst nachzurechnen. Was ich sah, macht mich stutzig und lässt ein böses Erwachen mit einer Einheitskasse erahnen.

Prämien decken nur ein Viertel der Gesundheitskosten.

Zuerst schaute ich beim Bundesamt für Statistik nach, wer bezahlt wie viel im Gesundheitswesen. Von den 58 Milliarden Kosten im Jahr 1998 übernahmen die privaten Haushalte "nur" 17 Milliarden selbst. Mit Prämien, Selbstbehalt und Eigenkosten bezahlen wir also "nur" ein Drittel vom Kuchen direkt. Der Rest wird durch Steuern, Sozialabgaben und Privatversicherungen übernommen. Geschätzt machen die Prämien nur ein Viertel der gesamten Kosten aus. Wenn wir also bei 25 Franken 5% wegen einer Einheitskasse einsparen könnten, hört sich das Hoch an. Unterm Strich sind es aber doch nur 1.25 von einer Hunderter Note, die ins Gesundheitswesen gehen.

Wie viel könnten wir sparen?

Wilde Zahlen werden herumgereicht. Darum musste ich ein paar Annahmen treffen. Der Präsident der Ärztegesellschaft des Kanton St.Gallen spricht von bis zu 500 Franken pro Wechsel. Aber wie viele Versicherten wechseln? Die von der Ärztegesellschaft geschätzten 2 Millionen sind unglaubwürdig. Realistischer sind eher die Zahlen von Cash, welche schätzen, dass im 2009 1.3 Millionen Menschen die Versicherung wechselten. Das macht dann 650 Millionen Franken, die wir einsparen.

Vom gesamten Kuchen der Gesundheitskosten sind dies 1.11%. Und wir bezahlen direkt 3.83% weniger. Das ist nicht wenig, aber man darf den Leuten auch nicht vorgaukeln, es wäre der grosse Wurf. Das wäre unredlich.

Und das aber?

Wir reden jetzt immer von Einsparungen. Was könnte aber auf der anderen Seite passieren? Würde eine Einheitskasse auch tatsächlich effizienter arbeiten, als die Unternehmen in der freien Wirtschaft?

Glaubensfrage: Privatwirtschaft vs. Staatsbetrieb

In den letzten 18 Jahren arbeitete meine Firma für viele Betriebe. Für staatsnahe Betriebe wie SBB, Post, Swisscom, kantonale Verwaltungen und für ein Parlament. Für Grossunternehmen wie Ringier, CS und Nestlé und noch für viel mehr KMUs. Wenn ich eines gelernt habe, beim Staat bekommt man eine ordentliche Leistung - aber bestimmt nicht billiger.

Wie die staatsnahe Swisscom, die im hintersten Eck der Schweiz erreichbar ist und einen stabilen, zuverlässigen Service bietet. Aber im internationalen Vergleich teuer ist. Auch im Vergleich mit Ländern ähnlicher Topografie und im Verhältnis wenig Leistung fürs Geld bietet.

Oder die Post, welche zum politischen Spielball wurde. Wenn die aus Effizienzgründen ein Verteilzentrum schliessen wollen, dann geht das grosse Geheule los. Keine Chance.

Dasselbe würde einer Einheitskasse passieren. Wir würden eine stabile Gesellschaft bekommen. Aber diese hätte keinen Druck kostengünstig zu arbeiten. Prozessinnovationen, die sich heute noch lohnen, bringen dann nichts mehr. Der Druck zur Wahlfreiheit oder Innovation geht völlig verloren. Wir kreieren ein bürokratisches 17 Milliarden Monster.

Eines wette ich, dieses Monster kostet uns mehr als die 650 Millionen, die wir einsparen könnten.

Darum nein zu einer Einheitskasse. Es müssen bessere Lösungen her.

Gutenberg (ähh Quellen):
http://bit.ly/g5dGr5
http://bit.ly/gWgCf6
http://bit.ly/fVWUV6

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