Die Forderung "Hartes Vorgehen gegen Linksradikale!" klingt in meinen Ohren überaus polemisch.

Die Forderung "Hartes Vorgehen gegen Linksradikale!" klingt in meinen Ohren überaus polemisch. Sie zielt wohl primär darauf ab, politisch sogenannt linke Anliegen in Dunstkreis und Geruch von Krawallmachern, Chaos und Linksextremismus zu bringen und sie so zu desavouieren?

Meiner Wahrnehmung zufolge lässt sich ein gewalttätiger Linksextremismus, der eine Bezeichnung als Linksextremismus im politischen Sinn auch wirklich verdient, in der Schweiz nicht ausmachen. Am ehesten noch ist der Gruppierung um die Zürcher Linksaktivistin Andrea Stauffacher als linksextrem im politischen Sinn zu bezeichnen.
Krawallbrüder und -schwestern hingegen würde ich aber an sich nicht unbedingt politisieren. Denn das heisst, Krawallmacher in einen Stand erheben, dem sie mit ihrem gewalttätigen Verhalten, das rein nichts mit Politik zu tun hat sondern viel mehr mit Kontrollverlust, nun einmal einfach nicht angehören. Entsprechend habe ich bereits den Angriff auf SVP-Nationalrat Hans Fehr im Umfeld der Albisgüetli-Tagung kommentiert (siehe http://attackefehr.politnetz.ch).
Ein gewaltbereiter politischer Linksextremismus ist allerdings im Ausland zu beobachten, etwa in Griechenland.

Fakt ist in der Schweiz aber, dass Krawallmacher zu einem grossen Teil Jugendliche sind (sic!), die quasi die Hörner abstossen, zu viel Testosteron haben, im Grunde genommen biologisch gesehen nachvollziehbares Verhalten. Der Mensch kann nun einmal seine Natur nicht vollkommen überwinden und auch nicht leugnen - er kann seine Triebe und Instinkte nur möglichst konstruktiv kanalisieren; einig sind wir uns, dass Krawallmacherei destruktiv ist. Aber Fragen Sie doch mal bei der Polizei nach, in welcher Alterskategorie durchschnittliche Krawallbrüder und -schwestern sind. Sie wird Ihnen bestätigen, was Sie auf folgendem Video vom 1. Mai 2010 sehen:

Bedauerlich finde ich, wie unsere Politikerinnen und Politiker Krawalle zu ihren politischen Zwecken regelmässig ausschlachten, um Lanzen gegen "die Linken" spitzen. Die zwei Standardargumente, um der politischen Linke die Schuld an Krawallen zu geben, sind erstens der behauptete politische Linksextremismus der Chaoten und zweitens die zu milde Haltung politisch linker Kreise gegenüber Straftätern und somit auch gegenüber Krawallschwestern und -brüdern. Man fordert, wie ebenfalls der Titel dieser Debatte, hartes Vorgehen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wobei allerdings auf Verhältnismässigkeit zu pochen ist - es kann nicht angehen, dass Landfriedensbruch unausgesprochen als weitaus schwereres Delikt als etwa eine Vergewaltigung gilt. Personen, die an einer Demo Menschen verletzen, sind primär wegen Körperverletzung zu verfolgen. Analoges gilt für Sachbeschädigungen. Aber schwammig gegen "Linksextremismus" zu wettern und schon die Teilnahme an einer unbewilligten Demo für sogenannt "linke" Anliegen (beispielsweise Lohnerhöhungen oder besseren Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz) suggestiv zu einem weitaus schwereren Verbrechen als eine Vergewaltigung zu stilisieren, ist extrem polemisch...

Das böse Gespennst des Linksextremismus ist letztlich eine Farce. Rechte Polemik. Eigentlich Irreführung der Bevölkerung. Denn es gibt keinen organisierten Linksextremismus, der den Staat gefährdet oder staatsgefährdende Krawalle organisiert. Es gibt allerdings Jugendliche in ihrer Protestphase - und Unzufriedene in jugendlichem Saft. Die gehen halt noch auf die Strasse. Aber allzu sehr politisieren würde ich die nicht.

Von den Politikern habe ich sehr stark den Eindruck, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wovon sie sprechen, sondern dass gewalttätige Entgleisungen an Demonstrationen und Krawalle für sie einfach ein gefundenes Fressen sind, um gegen "Linke" Stimmung zu machen und so natürlich die Werbetrommel bei der eigenen Wählerschaft zu rühren... Nicht wahr?

Ich empfehle allen das folgende, echt professionelle Video von den 1.-Mai-Ausschreitungen 2010 in Zürich:

Achten Sie auf das Alter der Protagonisten! Und beachten Sie auch das Verhalten der Polizei - sie ist nicht gerade zimperlich. Das Verhalten einzelner Beamter ist nicht gerade das gelbe vom Ei, nicht gerade das, was man unter Deeskalation versteht, im Gegenteil: Provokation. Aber das Polizeiverhalten ist eigentlich nicht Sache der Politik sondern Sache der Betriebspsychologen der Stadt- und Kantonspolizei Zürich sowie der jeweiligen Kommandos. Gilt auch im "Fall Fehr".
Polizeiprovokationen haben für gewisse politische Kreise natürlich auch einen Vorteil: Reagieren die Jugendlichen Demoteilnehmerinnen und -teilnehmer entsprechend ihrem jugendlichen Saft sauer oder ranzig auf die Polizei, lässt sich nachher wieder genüsslich "den Linken" die Schuld für Sachschäden und Krawall in die Schuhe schieben, gell?

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