Windstrom aus der Nordsee wird Winterthur nur zu einem Bruchteil erreichen. Ein grosser Teil geht nutzlos verloren. Die Investition ist verlorenes Geld.

Ausserdem wird Deutschland bald den gesamten Strom für sich selber benötigen. Wenn der Ausstieg aus der Kernkraft Realität wird, können die Deutschen kein Watt mehr ins Ausland liefern. Dazu kommt, dass Windenergie ausserordentlich unzuverlässig anfällt. Die deutsche Netzleitstelle klagt über "häufige" Flauten, die ein Abfallen der Windkraftleistung auf ca. 2% der Nennleistung aller Windkraftanlagen bedeuten.
98% der deutschen Haushalte werden dann ausschliesslich von Kohle- Gas und Kernkraftwerken versorgt. Bessere Wetterprognosen helfen da nicht. Es ist zwar schön zu wissen, dass man Morgen keinen Wind hat. Der Strom muss aber trotzdem irgendwie produziert werden. Auch das modernste Windkraftwerk kann keinen Strom erzeugen, wenn es keinen Wind hat.

Die irrationalen Vorstellungen der Windradfreunde mögen zwar als Optimismus durchgehen. Wenn Rudolf Rechsteiner aber ernsthaft mit einer Kapazität von 12'200 Terawattstunden Windpotenzial für Europa spricht, dann muss man sich vergegenwärtigen, dass dies 1'700'000 einzelnen Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 2 Megawatt entspricht. Das wäre etwa das 20-Fache, von dem, was wir jetzt schon in Europa herumstehen haben. Das bedeutet aber auch alle vier Quadratkilometer eine Turbine und etwas unbescheidene Investitionskosten von über 8 Billiarden Schweizer Franken (bitte ruhig nachrechnen, ich habe grosszügig abgerundet). Dabei sind die Kosten des Netzausbaus – absolut notwendig für diese Riesenleistung – noch nicht einmal angedacht. Wenn dieses Traumszenario also irgendwie realisiert würde, hätten wir aber immer noch bei Flaute keinen Strom ...

Während wir hier in der Schweiz noch über den Ausstieg aus der Kernenergie nachdenken, planen derweil vor allem diejenigen Länder neue Atom- Kohle- und Gaskraftwerke, die traditionell über viel Windenergieanlagen verfügen. Das ist nur logisch. Denn je mehr Windkraftanlagen das Netz destabilisieren, desto mehr konventionelle Kraftwerke müssen das Netz bei Windflaute stützen. Ein leidiger Teufelskreis, den man aber mit ideologischer Phrasendrescherei leider nicht aus der Welt schaffen kann.

Das wird sich erst ändern, wenn wir es schaffen, den Strom effizient speichern zu können. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Wird das eines Tages möglich, können wir mit Photovoltaik und Solarthermik auch alles gleich bei uns zu Hause machen. Für einen Bruchteil des investierten Kapitals. Und ohne tausende von Windkraftspargeln abreissen und entsorgen zu müssen. Auch ohne unsere gesamte Landschaft für "grüne" Phantasien verbaut zu haben.

Es ist ja eine schöne Absicht, wenn man die Welt Retten will. Es ist das Privileg der Jungen von einer besseren Welt zu träumen. Man sollte sich dazu aber ein Minimum Fachwissen um die Produktion und Verteilung von Strom aneignen, bevor man in blinde Euphorie verfällt. Das kommt sonst nicht gut.

Für Menschen, die jetzt einfach etwas tun wollen, habe ich eine gute Alternative: Isoliert eure Häuser, saniert eure Dächer und wenn, dann gleich richtig. Packt da so viel Sonnenkollektoren drauf, wie irgend möglich (Wärmegewinnung). Sie sind momentan die effektivste erneuerbare Energie. Das spart den Strom für die Warmwasseraufbereitung und ein Teil der Heizenergie. Bald wird die Photovoltaik so günstig, dass man sich das auch leisten kann. Damit macht man aktuell Strom, den man jetzt noch in das Netz einspeist und ziemlich Kohle verdient (Geld). Später, wenn es sinnvolle Speicher gibt, wird das Haus zur Energieinsel. Die Photovoltaikpanel sind nach Jahrzehnten immer noch auf 90% Leistung. Und jetzt könnt ihr allen Kohle- Gas- und Atomkraftwerken die Zunge rausstrecken, weil ihr sie dann nicht mehr braucht. Aber dafür müssen wir – als Private – AUCH etwas tun.

Hier findet ihr ein Beispiel, was bereits heute bei einem Altbau möglich ist. Bei Neubauten kann man mit Minergiestandards natürlich noch viel mehr rausholen. Auch die lokalen Handwerker hatten daran viel Freude:

http://www.windland.ch/beispiele/kollektoren_1.html

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