Alle Initiativen jüngerer Zeit, die dem Staat die Sorge um private, individuelle und mentale Belange aufbürden, enthalten keine greifbaren "Gegenleistungen".

Wie alle Initiativen jüngerer Zeit, die dem Staat bzw. der Gemeinschaft die Sorge Weniger um ihre privaten, individuellen Belange des Häuslichen, Privaten, Emotionalen und Seelischen aufbürden wollen, fordert auch die WI viel rechtlich, logistisch, infrastrukturell, finanziell wie politisch Unüberlegtes, bietet aber keinerlei Ansatz dazu, was die durch die Annahme der Initiative Privilegierten als Gegenleistung dem Staat oder der Gemeinschaft schulden bzw. durch Leistung (evt. auch Verzichte) auszugleichen sich verpflichtet fühlen.

"Privilegiert" sind die durch die WI angeblich zu Schützenden, weil ihrer privat erzeugten und durch ihr eigenes Verhalten ausweglos bedrohlich gewordenen Situation von der Gemeinschaft übermässige Aufmerksamkeit und unverhältnismässiger Aufwand für deren Linderung, dazu auch noch Ihren Wünschen, Vorstellungen und Weltanschauungen gemäss, gewidmet und entsprechend Hilfe geleistet werden soll.

Die Initianten nehmen sich natürlich ein Beispiel an täglich auf allen Ebenen praktizierter Politik, die mit Staatserhaltung und -entwicklung nur vordergründig gerechtfertigt wird, während es in Wirklichkeit um die endlos wiederholte und fortgesetzte Austragung und Eskalation der Konkurrenz um Bedienung von Partikularinteressen geht.
Der Staat ist nur noch eine schlaffe, an manchen Stellen aufgeriebene Hülle für immer kompliziertere und waghalsigere Konstruktionen zur Erhaltung prekärer "Gleichgewichte" bzw. "Stillhalte"-abkommen zwischen den verschiedenartigsten Formen von unterschwelliger Gewaltbereitschaft (Die "Gewaltbereitschaft von Jugendlichen" widerspiegelt genau diesen in allen Teilen der Gesellschaft, bis hinein in private Beziehungen, gegen- [und wider-] -wärtigen Zustand).

Diese harsche Rüge richtet sich nicht dagegen, dass eine Minderheit ihre Not an die Öffentlichkeit trägt, sie darstellt und der Gemeinschaft die Frage stellt, ob und wie ihnen vom Staat beigestanden werden soll, kann oder darf.
Die Rüge geht an Initianten generell (nicht nur in diesem Fall), die nicht nur fordern, dass ihre Not thematisiert und politisch behandelt und verarbeitet werde, sondern gleich dazu, wie und auf Kosten wovon bzw. welcher anderen staatlichen Einrichtungen und Grundsätze oder auch welcher anderen Bevölkerungsgruppen und deren Bedürfnisse, Anschauungen usf. zu geschehen habe.
Das geht eindeutig zu weit und man kann sich sogar fragen, ob das nicht rechtsmissbräuchlich und materiell verfassungswidrig sei. Diese Frage ist hier echt und nicht rhetorisch gemeint; sie darf also nach dem Willen des Fragestellers keinerlei Anflug von Antwort enthalten.

Es macht einen Unterschied, ob jemand seine Meinung äussert und die Erwägung anregt, ob das vorgetragene Problem evt. auf die und die Weise gelöst werden könnte oder ob gleich mit dieser Frage die "Antwort" geliefert und ultimativ gefordert wird, dass es so und so und auf Kosten dieser und dieser Einrichtungen, Grundsätze, Bevölkerungsteile und deren Interessen und Rechte zu geschehen habe.
Genau so macht es die Waffenschutzinitiative und übertrifft dabei ihre schlechten Vorgängerbeispiele in noch unerträglicherem Masse als jene.

Unerträglich ist nämlich sowohl für den Stimmbürger als auch die übrigen politischen Mitwirkungs- und Staatsgestaltungs- und -erhaltungsorgane, dass :

  1. die Frage, ob das vorgetragene Anliegen üerhaupt eine Herausforderung des Staates sein könne, solle und dürfe, vorweg schon mit JA beantwortet ist.

Wer immer dagegen Zweifel hegt, kann gar nicht anders, als die Initiative schon deshalb, trotz allem Verständnis und Mitgefühl für die Not der Initianten bzw. der von ihnen angeblich Vertretenen, abzulehnen.

  1. die Frage, welches die tauglichen und verhältnismässigen Mittel, Wege (einschliesslich neuer Einschränkungen und Belastungen für die ganze Bevölkerung oder Teile davon) zur Bewältigung der vorgetragenen Herausforderung seien, der breiten politischen Diskussion vorenthalten ist.

Wer von der Forderung der Initiative, das von ihr dargestellte Problem sei so und nicht anders zu lösen, nicht überzeugt werden kann und ein solches ultimatives Diktat als Zumutung ablehnt, hat keinerlei andere Möglichkeit, als die Initiative abzulehnen, obwohl er eigentlich möchte, dass die von den Initianten vorgetragene Thematik zur Herausforderung bzw. Aufgabe des Staates erklärt werde, damit eine taugliche Lösung fachlich und politisch kompetent erarbeitet werde.

  1. aus den in Punkt 2 erklärten Gründen der Komplexität der Vollzugsanforderungen in der Diskussion der Initiative keine genügende Beachtung und kein genügender Erörterungsraum gewährt wird, was auf eine Beschneidung der politischen Meinungsbildungsmöglichkeit und -freiheit hinausläuft.

Wer sich mit eben dieser Beschneidung seiner Informationsmöglichkeiten und Meinungsbildungsfreiheit nicht abfinden will, muss ebenfalls jede Initiative ablehnen, die ihm das zumutet.

Die Waffenschutzinitiative liefert alle drei dieser eben genannten Gründe, sie abzulehnen.
Schon alle ihre schlechten Vorbilder der vergangenen zehn Jahre habe ich jedenfalls aus jeweils mindestens einem dieser drei Gründe abgelehnt, Thema hin oder Dramatisierung bzw. Ideologisierung der Argumente her.
Qualitativ sind wir mit dieser Initiative, jedenfalls gemessen an diesen drei erörterten Kriterien, mit der Waffenschutzinitiative am bisher noch nicht unterbotenen Tiefpunkt angelangt. (Es gab aber auch Gesetzesvorlagen, die man eher als Kantinenfrass denn als "Gourmetmenues" bezeichnen könnte.)

Im Übrigen will ich hier nochmals anregen, eine Neubestimmung und Weiterentwicklung der Volksinitiative im Sinne der aufgeführten drei Punkte neu zu überdenken, bevor es zu spät sein wird.
Es geht nicht nur um die Erhaltung der direkten Demokratie in der Schweiz, es geht um die Erhaltung und Mehrung des Ansehens und des Respekts vor der Demokratie als Modell human und vernünftig organisierter und zwischen Individuen und Gruppen vermittelnder Kollektivität in der Europäischen, der transatlantischen und in der globalen Völkergemeinschaft.

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