Parteitage sind gefährlich

Ich sehe bei solchen Parteitagen viele Gefahren und Fragezeichen.
An Parteitagen entwickelt sich eine spezielle Dynamik.
Die Parteigänger sind 2, 3 Tage an einem Ort unter Ihresgleichen. Da lässt sich die Realität schnell ausblenden. Sie kommen sich mächtiger als nötig vor. Sie kommen sich schlauer als nötig vor und sie kommen sich weitsichtiger als nötig vor. Dass sie sich 3x irren ist nur so eine unangenehme Randerscheinung, die der Partei und deren Basis aber sehr schaden kann.

Das Elend beginnt mit der Auswahl der Delegierten. Delegierte sind in der Regel nur treue und fleissige Parteibienen. Mitglieder mit einem Privatleben oder mit Interessen ausserhalb der Politik haben es schwer, weil sie nicht mit gleich viel Präsenz und Engagement glänzen können. Die Parteibienen sind aber leider oft die, die die Scheuklappen runterlassen und nur abnicken was beschlossen wird. Ähnlich wie die fleissigen Helfer in den Kirchen haben auch die Parteibienen Mühe damit, andere Meinungen und Haltungen zu tolerieren.
Wer als Delegierter ausgewählt wird, ist oft auch nicht besonders mutig. Oder jedenfalls zu wenig mutig sich gegen eine grosse Mehrheit zu behaupten. Die Angst ausgepfiffen oder ausgebuht oder ausgewechselt zu werden ist bei vielen zu gross.

Gleichzeitig schaltet das Hirn bei solchen Parteitagen automatisch aus, weil es sehr einseitig belüftet wird. Das, egal ob von links oder rechts, ebnet den Weg für extreme Haltungen.

Ähnlich verhielt es sich beim Parteitag der SP. Man hat sich gegenseitig beschworen, die Anderen für alles verantwortlich gemacht und sich unnötigerweise als saugut dargestellt. Wer es auf dem Parteitag gewagt hat anderer Meinung zu sein wurde mal ausgepfiffen. Als ich diese Bilder gesehen habe, habe ich mich geschämt. Das bei einem solchen Klima noch so irre Entscheidungen getroffen werden ist doch nichts als logisch.
Das ist die Art von Klima bei der sie wohl auch den Beschluss hätten fassen können die Planwirtschaft einzuführen oder einen Guerillakrieg zu starten.

Ich habe da 3 konkrete Verbesserungsvorschläge:
Der Erste,
die Delegierten breiter gefächert auswählen. Es braucht diese Parteibienen. Die leisten wertvolle Arbeit. Aber es ist eben nicht nur gut, wer bei jeder „hundsverlocheten“ antrabt. Es kann, egal in welcher Partei, nicht schaden, Mitglieder mit Distanz zu fördern. Diese sind wohl weniger nahe an der Partei, aber ziemlich sicher näher am Wähler.
Sind wir ehrlich. Viele Politiker, egal auf welcher Stufe, sind nur unter Politiker und kennen die Mitmenschen nur von Standaktionen und vom Unterschriftensammeln. Die schauen die Mitmenschen eher als Wählerpotenzial an als an sonst was.

Der Zweite,
die Parteitage sollten kürzer gehalten werden. Die Verbrüderung oder Verfeindung schaden mehr als sie einen Nutzen haben.

Der Letzte,
die Medien sollten denen Delegierten mehr Aufmerksamkeit geben und Respekt zollen, die auch einmal etwas gegen den Strom schwimmen. Sie als Deserteure, Rebellen oder Stimmungsmacher zu bezeichnen bringt wenig.
Es braucht zugegebenermassen die Gene eines Berserkers, aber es kann der Sache dienen.

Allgemein kann ich sagen, dass ich es oft erlebe, egal bei welcher Partei, egal bei welcher Nationalität, dass die Parteimitglieder nach Parteitagen viel, viel weniger objektiv sind als sonst. Das ist sehr bedenklich…..

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