Wenn durch den Staat unsinnig abgegebene Waffen zu kriminellen Taten führen, dann macht sich der Staat mitschuldig an der Tat.

... und derselbe Staat könnte konsequenterweise auch grad die Todesstrafe wieder einführen.

Und wieder lese ich hier wie in anderen Foren dieselben "Argumente" gegen die Initiative, die allesamt auf Tradition und persönlichen Vorlieben beruhen. Ich habe bis anhin nur ein vernünftiges Argument gegen die Initiative vernommen, nämlich dasjenige der Kosten. Wenn wir uns allerdings diese minimen Kosten im Verhältnis zur gewonnenen Sicherheit nicht leisten können, dann müssten wir noch über ganz andere, wichtigere Dinge reden als über diese Initiative.

Einige Gegenargumente:

  1. Anzahl der Missbräuche

Wer ins Feld führt, dass es nur ganz wenige Missbräuche gibt mit Dienstwaffen, der hat zum Glück recht. Aber es sind in solchen Angelegenheiten ja immer Minoritäten im Promillebereich, die das Unglück säen. Die Initiative muss nicht mündige Bürger vor mündigen Waffenbesitzern schützen, sondern mündige Bürger schützen sich durch Annahme der Initiative vor wenigen unmündigen Zeitgenossen.

  1. Suizide:

Es ist korrekt, dass ein suizidal gefährdeter Mensch sich so oder so das Leben nimmt, wenn er das will. Die Frage ist nicht "ob", sondern "wie". Und wenn er das mit einer vom Staat ausgehändigten Waffe macht, dann macht sich der Staat, also wir Schweizer, schuldig am Tod dieses Menschen. Dann könnte man aus ethischer Sicht genauso die Todesstrafe wieder einführen.

  1. Unfälle mit der Dienstwaffe.

Eine ältere Dame aus meinem Bekanntenkreis erzählte mir, dass sie im Estrich die Dienstwaffe ihres verstorbenen Mannes gefunden hat. Sie wusste nicht einmal, wie man feststellen kann, ob diese Waffe geladen ist oder nicht. Zum Glück hat sie's nicht selber ausprobiert.....
Ich bin überzeugt, dass es hunderte solcher Situationen gibt in unserem Land und finde das äusserst gefährlich!

  1. Abschaffung der Armee als Gegenargument

Falls jemand die Initiative allein aus diesem Grund ablehnt, der hat die Demokratie als Staatsform nicht begriffen: Ich lese weder in irgendwelchen Propagandaschriften noch im Initiativtext irgendwas zum Thema Abschaffung der Armee. Über dieses Thema kann man doch durchaus anderer Meinung sein. Hier geht es um die Sicherheit in den Familien, Ehen und Gemeinschaften in der Schweiz.
Wenn die Qualität unserer Armee nur darin besteht, dass die Schweizer die Waffe zuhause haben und auf 300m dank des Obligatorischen gut treffen, dann sollte man in der Tat über die Abschaffung der Armee diskutieren. Aber das ist ja nicht so.

  1. Sog. Vertrauensbeweis an den Wehrmann

Es ist korrekt, dass man die Abgabe der Waffe als Vertrauensbeweis sehen kann, nur ist er das offenbar im Falle von ganz wenigen nicht. Und genau um die geht es. Wir stimmen nicht gegen die 99.9% der korrekten Wehrpersonen, sondern gegen die 0,1 % potentiellen Gefahrentätern. Wer die Armeewaffe

  • zur Tötung von Lebewesen
  • zur Bedrohung von Mitmenschen
  • aus Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit

missbraucht, der hat das Vertrauen der Armee nicht verdient.
Dummerweise weiss man das oft nicht im Moment der Abgabe der Waffe.

  1. Einschränkung der Sportschützen und Waffensammlern

Wer als Waffenhalter lizenziert ist, darf Waffen zuhause aufbewahren. Das soll so sein. Ein Sportschütze kann weiterhin seinem Hobby frönen, wenn er den korrekten Umgang mit der Waffe bewiesen hat.
Wer ein Auto fahren will, muss eine meist monatelange und hunderte, - wenn nicht tausende von Franken teure Ausbildung hinter sich bringen, damit er die Lizenz (den Fahrausweis) erhält. Warum? Zum Schutz von sich und der Umwelt.
Es gibt sicher äusserst begabte Automobilisten, die schon ohne Prüfung besser fahren als andere. Auch die müssen eine Prüfung ablegen. Zu Recht!

Und ausgerechnet bei Waffen soll das nicht so sein?

Wer mir 1 einziges vernünftiges Argument gegen diese Initiative bringen kann, der hat mein NEIN gewonnen. Als Vernünftig verstehe ich:

  • sachliche Argumente wie exorbitante Kosten, Gewinn der Sicherheit, Nutzen für die Allgemeinheit

Unsachlich sind:

  • traditionelle Aussagen
  • persönliche Vorlieben
  • Einschränkung eines Hobbys.
  • Mutmassungen über "wahre" Hintergründe der Initianten.

Wer diese Gelegenheit zur Verbesserung der Sicherheit und zum Schutz der Bevölkerung vor Tod, Verletzung oder Bedrohung in den eigenen vier Wänden nicht annimmt, der macht sich doch indirekt schuldig am Unglück. Und das nur aus Tradition! Das kann ich nicht glauben.

Deshalb: Vernunft und klare Gedanken an der Urne, nicht Polemik und veraltete Tradition.

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