Die Argumente der Waffeninitiative klingen gut. Aber sie ist ein Vorwand, der klar andere Ziele als die deklarierten verfolgt und dabei mehr schadet als nützt.

Die Waffeninitiative ist eine schöngeistige Idee aus einer vergangenen Zeit.

Die Kernargumente der Initianten überzeugen, wenn man sie isoliert betrachtet, herausgelöst aus jedem staatspolitischen und realgesellschaftlichen Kontext: die Simplifizierung der Waffenproblematik auf die Problemzonen Suizid, Mord und Unfall greift vor allem emotional. Denn wer kann schon aktive Prävention, die Leben rettet und Leid fern hält, ablehnen? Auch die Familiendramen, die von den Initianten beweint werden, haben es in sich. Wer heisst solche schon gut? Und man kann diese Argumente noch nicht einmal als Schaumschlägerei abtun. Denn Sicherheit der Person und für Familien sie sind absolut berechtigte Anliegen der Bevölkerung.

Die behauptete Hauptzielsetzung der Initiaten, erhöhte Sicherheit der Person für Kinder, Frauen, Männer und Familien, hört sich gut an, und diese Forderung ist total berechtigt. Die Initiative verfehlt diese Zielsetzung aber in verschiedener Hinsicht:
Zur Behebung der gesellschaftlichen (und auch wirtschaftlichen) Ursachen von Suiziden, Unfällen und Morden trägt ein Waffenverbot für unbescholtene Bürgerinnen und Bürger überhaupt nichts bei. Es ist zu befürchten, dass Suizide und Morde künftig unter Missbrauch anderer Mittel vollzogen werden, wenn Schusswaffen nicht verfügbar sind. Ausserdem wird sich mit Schusswaffen bei Verbrechern auf dem Schwarzmarkt eindecken, wer ein Verbrechen plant, um das Waffenregister zu umgehen.
Die Politik täte gut daran, im Bereich der Suizidprävention etwa Fortschritte zu erzielen. Ein Waffenverbot trägt dazu nur wenig bei, weil die seelischen und gesellschaftlichen Suizidursachen in keiner Weise bekämpft werden. Die Waffeninitiative ist deshalb in gewissem Sinn auch eine Mogelpackung. Sie suggeriert, etwas zur Sicherheit der Person beizutragen, tut dies aber mit einem Nano-Wirkungsgrad. Gleichzeitig beraubt sie unbescholtener Bürger ihrer Waffen. Ihrer Sicherheit. Die Mär, dass Notwehrsituation nicht existieren, bleibt eine Mär. Es kann jede Bürgerin und jeden Bürger treffen. Es braucht nicht einmal ein Angriff stattzufinden, es reicht eine Bedrohung für Personen oder Familien aus, dass einem die Schusswaffe im Haus das nötige Sicherheitsgefühl zurück gibt, zumindest für die Zeit, da die Bedrohung persistiert. Stalking zum Beispiel. Wer dies leugnet, leugnet gesellschaftliche und subjektive Realitäten, trägt Scheuklappen und lügt unverholen das Volk an.

Heute wird die Welt von geisteskranker Stalkern, Vergwaltigern, von kriminellen Banden aus dem Zuhälter-, Menschenhandel-, Drogenhandel und dem Terrorismus-Milieu bevölkert. Ein geisteskranker Stalker reicht schon aus, um eine Familie in Angst und Schrecken zu versetzen, und zwar nachhaltig. Mit der Schusswaffe im Haus kann man sich wenigstens zuhause sicher fühlen. Und wo sonst wenn nicht zuhause soll man sich wirklich sicher fühlen dürfen?

Die Initiaten argumentieren mit Familiendramen. Wie viele Familiendramen gehen auf das Konto mangelhafter Ausländerintegration? Wieviele Pronzet der Frauen in Frauenhäuser sind Ausländerinnen? Und wie viele von ihnen flohen vor einem gewalttätigen ausländischen Mann, der in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen ist und für den die Unterdrückung und Bedrohung der Frau nichts ungewöhnliches ist? Solche Familiendramen, wie auch all jene, die durch Drogenmissbrauch verursacht werden, kehren die Initiaten geflissentlich unter den Teppich, obwohl genau solche Familiendramen weitaus gefährlicher und häufiger sind, weil in ihnen eben gerade nicht Schusswaffen verfügbar sind, sondern andere Gegenstände zur Zerstörung der Familie, zur Drohung, zur Tätlichkeit oder Köperverletzung oder schlimmstenfalls zur Tötung missbraucht werden.

Wenn man schliesslich den gesamtgesellschaftlichen und den gesamtstaatspolitischen Kontext anschaut, nützt ein liberales Waffenrecht sehr viel mehr als dass es schadet. Nimmt man den Bürgerinnen und Bürgern das Recht auf eine Waffe im Haus, säht man Unzufriedenheit, Angst, Schutz- und Wehrlosigkeit, Unsicherheit. Man Bevorteilt Kriminelle. Und man schafft den Nährboden für eine unsägliche Vettern- und Günstlingswirtschaft, die sich um das Privileg des privaten Schusswaffenbesitzes ranken wird. Vergessen Sie nie: wir haben es mit Homo sapiens zu tun.
Darüber hinaus ist das Waffenverbot eine Zwängerei des Staates mehr, eine Bevormundung mehr, die bar jeder Vernunft ist. Derlei schürt Aversionen gegen den Staat. Jene politischen Kräfte, die auf Eindämmung und Abschaffung des Staats hin arbeiten, werden Auftrieb erhalten. Das Volk wird ihnen zulaufen.

Die waffenlose Gesellschaft ist eine Utopie. Es wird wohl hunderte, wenn nicht tausende Jahre dauern, bis die Menschheit entwaffnet ist. Vermutlich muss der Mensch dazu übrigens erst einen evolutionsbiologischen Entwicklungsschritt machen, zu etwas Höherem werden, um in Friede und Eintracht und Freiheit zu leben, ohne Waffen. In der heutigen Realgesellschaft bestehend aus Homo sapiens ziehe ich es hingegen persönlich vor, das Recht zu haben, eine Schusswaffe zu erwerben, wenn ich persönlich mich dafür entscheide, weil mir dieser Entscheid richtig und nötig erscheint, auch nur um die Sicherheit meiner Person zu gewährleisten.

Die Welt wird nicht sicherer. Die Welt wird nicht stabiler. Unkontrollierte Migration und Vermischung unterschiedlichster Kulturen führt zu sozialen Friktionen und Gewaltkriminalität. Die Welt ist heute weitaus unberechnbarer als noch vor 20 Jahren. Die Idee der Waffeninitiative würde in die Zeit vor 20 Jahren passen - und die Initiative wird denn auch vor allem von der Generation aus dieser Zeit propagiert. In eine heile Welt würde die waffenlose Gesellschaft passen, leider aber nicht in unsere Realgesellschaft.

Die Initianten könnten ihr Zielsetzung, die Sicherheit der Person für alle zu erhöhen, auf weitaus pragmatischere und zielgerichtertere Weise erreichen als mit einem Generalverbot. Ihr Versuch ist vergleichbar mit der Behandlung von Asthma mit einem Breitband-Antibiotikum. Nichts gegen die Zielsetzung der Initianten. An der ist zu arbeiten. Die Sicherheit der Person ist das höchste Gut. Aber bitte mit zweckmässigen Methoden.

Es scheint allerdings, dass es den Initianten auch gar nicht wirklich so sehr um die Sicherheit der Person geht, um die Suizide, Familiendramen und Morde. Sonst würden sie ganz andere politische Initiativen ergreifen! Diese Argumente als Treibstoff der Waffenschutzinitiative wirken eher wie ein Vorwand. Diesen Missbrauch menschlichen Leids als Argument für ganz andere politische Zwecke finde ich sodann skrupellos und widerwärtig.
Den Initianten geht es vor allem politisch darum, das Machtmonopol der Bürger zu schwächen. Angefangen bei der Abschaffung des Bürgersoldaten, an dessen Stelle ein perfekt obrigkeitshöriger Berufssoldat treten soll. Gerade Ägypten beweist zur Zeit, wie viel wert der Bürgersoldat hat: die ägyptischen Bürgersoldaten halten sich zurück, dulden den Aufstand, während die Berufssicherheitskräfte, also die Polizei, auf brutalste Weise gegen die eigenen Bürger vorgegangen sind. Diese Abschaffung des Bürgersoldaten ist das notorische Ziel jener Kreise, die auch hinter der Waffenschutzinitiative stehen. Zur Abschaffung des Bürgersoldaten gehört nun einmal als erster Schritt seine Entwaffnung. In dasselbe Konzept passt es, den Bürgerinnen und Bürgern das Recht auf die Waffe zu nehmen: Das Gewaltmonopol hat ohnehin der Staat, nicht aber ein uneingeschränktes Machtmonopol. Dieses soll nun geschaffen werden. Die Initianten arbeiten auf einen Obrigkeitsstaat hin, in dessen Händen sich nicht nur das Gewalt- sondern auch das absolute Machtmonopol konzentriert ist. Auch dazu sage ich klar: NEIN DANKE!

Die Vorstellung, dass mit den Forderungen der Waffenschutzinitiative privater Schusswaffenbesitz zum Exklusiv-Privileg für die oberen 10'000, Politiker und Behördenmitglieder verkommt, ist schliesslich nicht gerade vertrauenerweckend.

Es ist zweifellos Sache der Polizei, Sicherheit zu schaffen. Es ist nicht Sache der Bürgerinnen und Bürger. Und dennoch ist es Sache der Bürgerinnen und Bürger, sich bei Bedarf selbst zu verteidigen. Es ist dies ihr Grundrecht. Ihr Recht auf Leben und Sicherheit der Person. Dass die Polizei unterdotiert ist, ist ein offenes Geheimnis. Mit ihr kann man nicht in jerdem Fall rechnen, man kann sich nicht auf sie verlassen. Dass die Staatsanwaltschaft in manchen Fällen Sisyphos-Arbeit leistet, ist ebenfalls bekannt. Kriminelle Gefahr lauert immer und überall.
Wer in Not ist, hat ein Recht, sich zu verteidigen, auch wenn die Polizei unterwegs ist, aber diese Staatsgewalt 10-20 Minuten brauchen wird, bis sie eintrifft. In diesen 10-20 Minuten hat die Bürgerin und der Bürger dennoch ein Recht auf Leben und Sicherheit der Person. Konkret hat sie Anrecht auf eine geladene Schusswaffe, wenn sie oder er an Leib und Leben bedroht wird.

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