«Nicht die Ordonanzwaffen gefährden die sich Beklagenden sondern deren Unfähigkeit, mit ihren Beziehungs- und Existenzrisiken umzugehen. Dort ist anzusetzen.»

Je komplexer die Notwendigkeiten einer Zivilisation, desto mehr unerwünschte Nebeneffekte, darunter sogar für Leib und Leben Einzelner, müssen dabei in Kauf genommen werden, weil selbst mit übertriebenem Aufwand nie alle möglichen Pannen verhindert werden könnten.
Die gegenwärtigen Regeln für die Aufbewahrung der Ordonanzwaffen haben sich über lange Zeit bewährt und sind verhältnismässig.

Nach schweizerischem Demokratieverständnis geht es bei der allgemeinen Wehrpflicht darum, dass der Einzelne an der Verantwortung für die Verteidigung der für den Erhalt der Demokratie notwendigen Abwehr fremder Gewalt mitträgt und dabei schlimmstenfalls auch Leib und Leben riskiert.
Dabei ist die Symbolkraft des auf der Welt einzigartigen Vertrauens, das der Staat dem Milizsoldaten als Staatsbürger entgegenbringt, wenn er diesem 'seine persönliche Waffe' zur sicheren und verantwortungsbewussten Aufbewahrung überlässt, nicht zu unterschätzen. Mitverantwortung des Bürgers für das Gemeinschaftliche - aber nicht für das Private gewisser Grüppchen - ist eines der Grundmotive für Demokratie. Und das Vertrauen das der Staat dem Bürger entgegenbringt - ganz besonders durch dessen Recht und Pflicht, die ihm anvertraute Waffe bei sich aufzubewahren (so er kann), ist ein unverzichtbares Element für seine Autorität bzw. diejenige seiner Behörden.
Dieser tätige Vertrauensbeweis seitens des Staates ist quasi die Gegenleistung und letztlich die grundlegendste Legitimation dafür, den Bürger zur im Ernstfall voraussichtlich tödlich endenden Dienstleistung zu verpflichten. Darum gehen alle Argumente der Befürworter hinsichtlich militärischer Zweckmässigkeit und Notwendigkeit der individuellen Aufbewahrung der Waffe durch den Wehrmann an diesem wehr- und staatssicherheitspsychologisch elementaren Kern der Sache vorbei. Dasselbe gilt für die obligatorische Schiesspflicht.
Das Argument, dass diese zu sporadisch und entsprechend wirkungslos sei, beruht auf didaktischer Ignoranz. Nach gründlicher Ausbildung in der RS und den WK's genügt das Obligatorium als Repetition, während eben der Mangel dieser Repetition sich negativ auswirkt.

Ganz unabhängig davon, welcher Art bewaffnete Infragestellung von Recht und Ordnung auf schweizerischem Territorium (oder ausserhalb) künftig stattfinden wird, steht fest, dass die Soldaten für diese oder jene Art Konfrontation mit Angreifern jedweder (auch nicht national sondern ideologisch oder schlicht kriminell definierter) Herkunft bewaffnet sein müssen und dass es für die Raschheit, auf
Bedrohungen zu reagieren, die nicht von der Polizei oder nicht von ihr allein zu bewältigen sind, nach wie vor von gewissem Vorteil sein kann, wenn nicht vorher noch die Waffen umständlich hektisch an die Aufgebotenen verteilt werden müssen. Auch ist eine dezentrale Lagerung insofern sicherer als eine zentrale Lagerung lohnende Angriffsziele für bösartige Gruppierungen bietet.

Die Initiative fordert Massnahmen, deren Unverhältnismässigkeit weniger in den Mehrkosten einer mehr oder weniger zentralen, kontrollierten Lagerung besteht sondern im - letztlich verfassungswidrigen - Misstrauen, das die Initianten Tausenden zuverlässiger Armeeangehöriger entgegenbringen, weil halt pro Jahr so und so viele bedauerliche Missbräuche von Ordonanzwaffen mit tödlichen Folgen passieren. Es ist für die Tausenden unzumutbar, persönlichen Mehraufwand für ihre Dienstleistung in Kauf zu nehmen, weil einige wenige Unglückliche unfähig sind, sich wie Erwachsene zu benehmen und zu beherrschen und deshalb sogar Verbrechen begehen.

Die Initianten verschweigen beharrlich, dass die Gefahr nicht im Normalfall ordentlicher Aufbewahrung der Waffe in der Wohnung der durchschnittlich - von besonders "Fortschrittlichen" gern als "bünzlig" dargestellten - guten Familie, ausgeht, sondern von einer kleinen Gruppe labiler Beziehungen zwischen Personen mit sehr privaten, persönlichen Problemen, die die Beteiligten und Betroffenen weitgehend selber zu verantworten haben und zu bewältigen hätten. Für Glück und - zuweilen halt dramatische - Tragik in privaten Beziehungen ist nun mal der Staat nicht verantwortlich und er übernimmt zu allerletzt Verantwortung dafür dadurch, dass er den Bürger so kontrolliert, überwacht und ihm weitere Mühen und Erniedrigungen zumutet, dass die Welt für die wenigen Unbeherrschten vielleicht ein bisschen besser, sicherer, kuscheliger wird.

Der Staat und seine Bürger haben wahrhaftig Dringenderes zu tun!

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