Kann es tatsächlich funktionieren?

Bisher war ich strikter Gegner des bedingungslosen Grundeinkommens. Dies basierte aber darauf, dass ich nicht wusste was es genau ist, und ich angenommen habe es wäre wiedermal irgend ein Schwachsinn aus dem linken Lager.

Diesen Beitrag schreibe ich um meinen Weg vom strikten Gegner zum kritischen Befürworter zu zeigen.

Ich werde versuchen mich kurz zu fassen.
Dies wird mir nicht gelingen.


Wenn jemand den Text nicht komplett gelesen hat, bitte auch keinen Kommentar dazu schreiben. Ich habs ja schliesslich geschrieben und noch zweimal durchgelesen.
Ich hoffe auf konstruktive Beiträge.
Danke fürs lesen.


Gestern habe ich angefangen mich zu Informieren und habe dann mal hier
http://grundeinkommen.politnetz.ch/?page=1#beitrag7844
nachgefragt was ich nicht ganz verstanden hatte.
David H hat mir dann dieses Video angegeben:
http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen
Vorgängig hatte ich mir bereits etwa 20 Gegenargumente angesammelt. Das Video hat die Argumente alle behandelt und plausibel eine Lösung für jedes geliefert. Ich hatte vorher schon ein paar Ausschnitte dieses Videos gesehen und als Schwachsinn abgetan. Erst jetzt, wo ich das ganze Video geschaut und analysiert habe, hat sich mir die Schlüssigkeit der Theorie eröffnet.

Ich bin nun überzeugt, dass das bedingungslose Grundeinkommen einige sehr starke Vorteile bringen kann.

Bei drei Punkten bin ich noch etwas skeptisch:
-Wird es finanziell wirklich aufgehen oder würde die Schweiz darauf Konkurs gehen?

-Werden noch genug Leute arbeiten gehen?

-Ist es bei der aktuellen Politischen Lage mit Propaganda und Angstmacherei möglich eine sachliche Diskussion darüber zu führen?


Noch etwas zu mir, ich denke das ist auch relevant für meinen Beitrag.

Meine Gesinnung ist manchmal eher rechts, manchmal eher links, und manchmal auch nicht.

Ich bin mit Feuerwaffen aufgewachsen und habe bereits vor meiner Einschulung mit einer solchen Waffe unter Aufsicht geschossen. Für mich gehören Feuerwaffen zu meinem Leben wie die Luft die ich atme, und es wäre wie wenn man mir einen Teil meines Herzens rausschneidet wenn ich mein Leben ohne Feuerwaffen leben müsste. Das werden sicher einige nicht nachvollziehen können, das ist mir aber Wurscht. ;-)
Ich habe bis heute sehr viele Schützen und Schützinnen getroffen - ich würde behaupten mehrere tausend in den letzten 15 Jahren - auch Gelegenheitsschützen, Jäger und einige Sammler, und habe noch nicht einen erlebt, der eine Gefahr darstellen würde. Im Gegenteil, die meisten sind sehr seriös.

Deshalb habe ich mich auch auf dieser Seite für die Eigenverantwortung und gegen die generelle Kriminalisierung aller Schweizer Bürger eingesetzt. (Waffeninitiative)
Merkwürdigerweise habe ich, ohne mir dessen bewusst zu sein, beim Thema bedingungsloses Grundeinkommen genau das Gegenteil behauptet. „wer würde denn da noch arbeiten“

Wie viele andere auch ging ich davon aus, dass die meisten dann einfach auf der faulen Haut liegen und von den anderen profitieren. Schliesslich haben genug kommunistische Staaten bewiesen dass es nicht funktionieren kann. Nur war mir da der Unterschied zwischen Kommunismus und dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht klar. Dass unsere Schweiz in vielem ein Sonderfall ist und man uns nicht mit anderen Ländern direkt vergleichen kann war mir aber klar.

Man kann nicht bei einem Thema das eine behaupten und bei einem anderen Thema genau das Gegenteil davon. Das hat mir zu denken gegeben.


Wollen wir wirklich davon ausgehen, dass wir Menschen grundsätzlich schlecht sind, und nur Gutes tun wenn wir selber davon profitieren?
Dann können wir uns auch gleich alle selber wegsprengen, würde am Schluss ja eh aufs selbe rauskommen. Und eine Demokratie liesse sich basierend auf dem auch nicht aufrechterhalten. Aber unsere Demokratie hält jetzt doch schon recht lange, und wurde bis vor kurzem immer weiter verbessert. Scheinbar sind wir nun an einem Wendepunkt angelangt.

Klar gibt es einzelne auf die das zutrifft. Aber dafür haben wir ja die Gefängnisse.

Auch wenn es oft schwer ist, glaube ich immer noch an das Gute im Menschen.


Nun (endlich) möchte ich auf das bedingungslose Grundeinkommen eingehen, wie ich das nach zwei Tagen Recherche und Analyse sehe.

Nachteile:
-Höhere Mehrwertsteuer
-Durchführbarkeit unsicher
-Möglichkeit des Missbrauchs
-Möglichkeit, dass uns unter dem Namen "Bedingungsloses Grundeinkommen" etwas ganz anderes untergejubelt wird

Vorteile:
-Keine Armut mehr
-Wahrscheinlich keine Sozialhilfe mehr nötig
-Weniger Selbstmorde
-Weniger Kriminalität
-Keine Arbeitslosen im heutigen Sinn mehr
-Freierer Wille als heute, mehr Selbstbestimmung
-Keine Studenten mehr die nur Studenten sind um nicht arbeiten zu müssen
-Mehr Innovationen
-Mehr Forschung
-Mehr Qualität
-Keine Einkommenssteuer mehr, sondern Ausgabensteuer (MwSt.)
-Keine Vermögenssteuer mehr
-Tiefere Preise der Güter
-Tiefere Gesundheitskosten
-IV zahlt nur noch die extrakosten
-Export wird gestärkt
-Konkurrenzfähigkeit gegenüber importierter Waren
-Konkurrenzfähigkeit gegenüber ausländischen Arbeitskräften
-Ausländer tragen unser Grundeinkommen mit
-Bessere Bezahlung "niederer" Arbeit
-AHV wird ersetzt
-Weniger Administrationskosten und -aufwand
-Steuergerechtigkeit

Dass das nach Utopie klingt ist mir auch klar

Jetzt sollte ich das alles wohl noch begründen...

Ich setze voraus, dass alle das oben angegebene Video gesehen haben. Es ist zwar lang, aber kürzer kann man die Zusammenhänge wohl auch nicht verständlich erklären. (knapp 100 Minuten)
Das System kann so natürlich nicht vom ersten Tag an perfekt funktionieren.
Die Variablen müssen sich erst einpendeln, was womöglich Jahre dauern kann.

Zu den Vorteilen:
Jeder Schweizer erhält ein gesichertes Grundeinkommen, somit ist Armut nicht mehr möglich. Armut ist mit ein Suizidgrund, weshalb auch die Zahl der Suizide sinken müsste. Diebstahl, welcher aus finanzieller Not heraus begangen wird, sollte damit auch nicht mehr auftreten. Dadurch kann man sich mehr Zeit nehmen um Arbeiten nachzugehen, die sich heute nicht lohnen. Ohne den Druck immer Erfolgreich sein zu müssen kann man auch mal das Risiko eingehen, ein Vorhaben zu starten, das sich vielleicht finanziell nicht so lohnt, aber dennoch eine Bereicherung sein kann.

Durch die Abschaffung der Einkommenssteuer werden die Kosten für Arbeit sinken. Da bei uns bekanntlich die Arbeitszeit meist das teuerste von allem ist, sollte das eine preisliche Abwärtsspirale auslösen. Die Kaufkraft der heutigen Vermögen würde somit steigen.
Durch tiefere Arbeitskosten wird auch die Gesundheitsversorgung weniger kosten. Genauso werden wir bei niedrigeren Produktionskosten auch mehr exportieren können. Beim Export werden zwar direkt keine Steuern eingenommen, die Steuern kommen aber rein, sobald der exportierende sein verdientes Geld ausgibt. Wahrscheinlich muss man dann auf Geldtransfers ins Ausland die Steuer erheben, wenn nicht belegt werden kann, dass etwas gekauft wurde. Damit könnte man Steuerflucht verhindern.
Genauso würden unsere eigenen Produkte hier konkurrenzfähiger, da auf importierte Waren derselbe MwSt. Satz kommt wie auf eigene.
Vorteile gegenüber ausländischen Arbeitskräften bekommen wir, da wir unsere Arbeit Steuerfrei anbieten können. Ausserdem bezahlen die ausländischen Arbeitskräfte durch die Mehrwertsteuer mit für unser Grundeinkommen, ohne dass sie dieses selber bekommen.

Da niemand mehr gezwungen wird, "Drecksarbeit" für einen Hungerlohn zu machen, muss diese Arbeit besser bezahlt werden, damit es sich für jemanden lohnt, diese zu machen. Dadurch wird für diese Arbeit so viel bezahlt werden müssen, wie sie auch wert ist. Und wenn die Kosten für diese Arbeit stark ansteigen, lohnt es sich diese zu automatisieren, soweit es möglich ist.

Durch das Grundeinkommen wird die AHV hinfällig, welche ja heute schon vor dem Abgrund steht.
Die IV muss nur noch für Extrakosten aufkommen, welche durch die Invalidität ausgelöst werden, und nicht mehr für den gesamten Unterhalt. Arbeitslosenkassen und RAV werden nicht mehr gebraucht.

Durch die geniale Einfachheit des Systems werden zahlreiche Administrationskosten ganz oder teilweise hinfällig. AHV, IV, Steuerbehörde, Arbeitslosenkassen, RAV, Sozialhilfe ...

Aber Halt! Da gehen Arbeitsstellen verloren! Mögen Sie jetzt denken.

Na und? Wozu Arbeit machen die überflüssig wird? Für das Einkommen ist ja gesorgt.

Reale Steuern bezahlt man ausserdem erst ab dem Doppelten dieses Grundeinkommens. vorher gibt man nur einen Teil von dem zurück, was man bekommen hat. Der Anreiz zu Arbeiten ist also noch vorhanden, da man das Grundeinkommen ja nicht direkt zurückzahlen muss, wenn man etwas verdient. Der Anreiz könnte sogar noch stärker werden als er heute ist, da man ja im Gegensatz zu heute nicht mehr durch die Einkommenssteuer und Vermögenssteuer "bestraft" wird wenn man mehr verdient.

Und noch zu den Nachteilen, das wird etwas kürzer:

Die Mehrwertsteuer wird zwar als Voraussetzung für das Funktionieren des bedingungslosen Grundeinkommens steigen, dafür werden aber alle anderen Steuern abgeschafft. (so wird das System zumindest im Video erklärt)
Was aber wohl bleiben wird sind die Lenkungsabgaben, die aber dann aus meiner Sicht komplett mit in die Finanzierung der Grundeinkommen fliessen müssen, und somit der Bevölkerung indirekt wieder ausbezahlt werden.

Ob die Rechnung wirklich aufgehen kann?
Bei diesem Punkt bin ich selbst noch nicht überzeugt.
Aber ich denke es besteht eine gute Chance, dass es aufgehen kann.
Wenn das so wirklich funktioniert, kommt das einem staatlich verordneten Lottogewinn für jeden einzelnen Schweizer gleich, ohne dass jemand ernsthaft darunter leiden muss.
Muss man da das Risiko nicht eingehen?

Missbrauch ist wohl in jedem sozialen Staat möglich. Das kennen wir heute schon genug. (IV/ Arbeitslose/ Sozialhilfe ...)
Wie sich das verändern wird, da wage ich aber keine Prognose. Da wir das eben jetzt schon haben, ist es auch kein reales Argument.

Was scheinbar oft als Gegenargument verwendet wird ist man würde damit das Vermögen vernichteten, Alles verschenken und die Schweiz würde ausbluten dabei.
Das sehe ich aber anders.
Dabei geht es ja nicht ums Geldverschenken.
Wenn ich ehrlich bin sehe ich das durchaus etwas egoistisch.
Man muss doch erst mal für sich und sein eigenes Land sorgen.
Wenn es einem dann gut geht, kann man den Anderen immer noch helfen, und das dann sicher auch nachhaltiger. Ich denke die anderen Staaten würden auch verstehen, wenn wir bei so einem Projekt die Spenden und freiwilligen Beiträge vorübergehend aussetzen, bis sich das System einigermassen eingependelt hat.

Was ich aber als reale Gefahr sehe, hat eigentlich nichts mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun, sondern mit der aktuellen politischen Lage. Die Gefahr ist, dass sich wieder alle von links bis rechts gegenseitig nur Behauptungen, Lügen, Propaganda und Vorwürfe um den Kopf hauen und dann wieder irgendeine Mogelpackung raus gewürgt wird, die mit der eigentlichen Sache kaum noch was zu tun hat. Kennen wir ja zur Genüge.

Neuestes Beispiel dafür ist die Waffeninitiative.
Das noble Ziel der Rettung von Menschenleben war der Ursprung.