Realitätsfremde Debatte zwischen zwei politischen Polen

Leider muss man machtlos zusehen, wie wichtige politische Debatten zu Wahlkampfthemen verkommen und die Propaganda der extremen Parteien, links wie rechts, praktisch filterlos aufgesaugt wird. Die SRG-Umfragen scheinen das zu reflektieren.

Die Waffeninitiative ist ein gutes Beispiel. Eine Art "trojanisches Pferd" der GSoA verknüpft unverhältnismässig verschiedene politische Ebenen miteinander. Das Zugpferd "kein Stgw im Haushalt" soll gleichzeitig dem mündigen und unbescholtenen Bürger ein altes und doch auch bewährtes Recht nehmen. Das Recht eine Waffe zu besitzen, ob nun mit sogenanntem Bedarf oder eben auch ohne.

Pro:

Zentrales Waffenregister: Bitte - ich persönlich begrüsse das sehr! Kein unbescholtener Waffenbesitzer kann dagegen sein, die Daten statt nur kantonal auch eidgenössisch zu registrieren (auch wenn eine Verlinkung der kantonalen Register sicher ausreichen würde!). Ein definitiv besserer Schutz für unsere Polizeibeamten.

Contra:

Sturmgewehr im Haushalt: Dies ist zwar wirklich überholt, seit die Munition im ZgH ist, aber ein echtes Gefährdungspotential gibts dadurch auch nicht mehr. Diese Zähne wären ja gezogen und die Grundforderung der Initiative erfüllt. Alles andere würde nur den aktiven Stgw-Schützen behindern. Schützen die illegal Munition zuhause haben sind sowieso schon ausserhalb des geltenden Rechts. Dieses Hauptanliegen hat vor den entsprechenden Gesetzesrevisionen sicher eher Sinn gemacht, nun aber nicht mehr.

Private Waffen nur noch gegen Bedarf: Dieser Punkt macht die Initiative für mich zur Mogelpackung! Dies ist eine klare Entmündigung des rechtschaffenen und auch friedliebenden Bürgers!
Der Bürger ist nun auf einmal nicht mehr selbstverantwortlich und vernünftig genug eine Waffe zu besitzen (obwohl er das jahrhundertelang war...). Er wird vielmehr zum potentiellen Täter stilisiert! Eine für mich bodenlose Frechheit, die auch gegen alle Menschenrechtsideen und ein vernünftiges Rechtsverständnis ist! Der Mensch ist grundsätzlich als gut anzusehen, darauf basiert unser freiheitliches, rechtliches und gesellschaftliches Zusammenleben erfolgreich seit unzähligen Jahren. Zum Beispiel Familienvätern mit Waffen zu unterstellen, sie seien generell eine potentielle Gefahr für Ihre Familien! Nur wegen einigen schwarzen Schafen, die es sicher gibt. Traurig, dass wir schon soweit sind...Jeder unbescholtene Bürger muss das Recht behalten dürfen, sich in einem Notfall zu verteidigen. Vor allem um seinen Besitz und seine Familie zu schützen - ein Grundrecht, das schon von der gängigen Gerichtspraxis ausgehöhlt wurde und nicht einer weiteren Beschneidung bedarf. Es geht nicht darum jemanden anzugreifen oder zu bedrohen! Es geht um die eigene Sicherheit, die der Staat, in den meisten echten Katastrophenszenarien, gar nie garantieren kann! Auch kann der Staat niemanden unmittelbar gegen Gewaltverbrechen auf eigenem Grund und Boden durch kriminelle Drittpersonen schützen. Die Politiker werden das ja nicht ausbaden müssen, sondern der normale Bürger, wenn ihm eine Möglichkeit der Abschreckung rechtsfremder Elemente genommen wird. Aus diesem Grund ist die Initiative für mich nicht annehmbar.

Leider werden in dieser Diskussion die Frauen instrumentalisiert. Man gaukelt ihnen falsche Sicherheit vor. Man nutzt teilweise ihre Unkenntnis des Themas Waffen und erzählt allerlei Märchen, die zwar schon anzuhören, aber völlig utopisch sind. Es ist leider ganz einfach und sehr grausam: Es gibt hunderte verschiedene Arten sich selber und andere umzubringen! Nur eine davon bedient sich der Schusswaffen...Frauen: Fragt euch ehrlich. Denkt ihr tatsächlich, ihr kriegt durch diese Initiative mehr Schutz? Oder werdet ihr und eure Aengste nur für eine politische Agenda eingespannt? Denn eine Abnahme der Gewaltverbrechen wird es - obwohl sehr wünschenswert - kaum geben - eher das Gegenteil, auch wenn ich die Statistiken, die vom rechten Lager ins Feld geführt werden, auch stark anzweifle. Die Zahlen der Linken sind genausowenig zu gebrauchen. Und wenn so viele Frauen Angst vor Ihren aktuellen oder zukünftigen Waffen-Besitzenden Ehemännern oder Lebenspartnern haben...dann läuft einiges sehr schief, und das hat nichts mit Waffen zu tun.

Ich stimme für die Vernunft und nicht für die Extreme! Ich lehne die Initiative ab und versuche Druck auf die Politik zu machen, den Fall zentrales Waffenregister umzusetzen! Ich stimme gegen eine weitere Entmündigung des Bürgers und dessen Stilisierung zur potentiellen Gefahr! Das kann die Schwelle zum Totalitarismus sein...Das sollte unser Demokratieverständnis nicht zulassen.

N. Saxer

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