Die "Waffeninitiative" ist das Produkt eines trägen und satten Staatsvolkes, das die geistigen Grundlagen seines Wohlstandes und seiner Weltgeltung verkennt.

Das freiheitliche Schweizer Waffenrecht unterscheidet die Schweiz vom restlichen Kontinental-Europa und galt den Amerikanern neben dem "vernünftigen Naturrecht" der Briten als Vorbild bei der Formulierung des "2nd Amendement" in ihrer Verfassung 1791:

"A well regulated Militia, being necessary to the security of a free State, the right of the people to keep and bear Arms, shall not be infringed."

Als die Franzosen 1798 die Berner Milizen besiegten und auch die innerschweizer Aufstände blutigst niedergeschlagen hatten, wurden die Eidgenossen gezwungen, ihre Waffen bei einem aufgerichteten Winkelried-Denkmal abzugeben. Nie wieder sollten es Schweizer wagen, gegen die "vernünftigen Franzosen" sich zu erheben. Schiller, der vom Justizmord am französischen König 1793 entsetzt war, strebte durch die "ästhetische Erziehung" auf der Bühne einen neuen Bürger an, der in Vernunft und Freiheit leben kann. Endpunkt seiner künstlerischen Bemühungen war das Drama "Wilhelm Tell", das ihn zum grossen Rockstar der Litertur machte. 1803 sah Napoleon ein, dass er die Schweizer nicht durch Waffengewalt knechten konnte, 1804 wurde "Wilhelm Tell" aufgeführt. 1805 fand in "Unspunnen" das erste "Älpler- und Schützenfest" statt. 1819 schlossen sich die patriotischen Studenten zur "Zofingia" zusammen, 1822 trafen sich die Offiziere der damaligen Kantonalheere in Langenthal zu einem Fest, 1824 fand das grosse Schützenfest in Aarau statt. Der freie, bewaffnete Bürger, das Milizsystem bahnten den Weg zum liberalen Umsturz von 1830, der schliesslich im Bundesstaat von 1848 mündete. In die neue Bundesverfassung kam der berühmte Artikel 18 "Jeder Schweizer ist wehrpflichtig". Nach der "demokratischen Bewegung" der 1860er Jahre, die erst auf kantonaler, dann auch 1874 auf Bundesebene das Referendumsrecht und damit die direkte Demokratie brachte mit der Urnenabstimmung, wurde der Artikel 18 um den Satz erweitert: "Die Waffe bleibt in der Hand des Wehrmannes". Damit wurde die "heimgefasste Ordonnanzwaffe" eine Meisterleistung der Staatskunst geschaffen. Damit wurde - nach den desaströsen Erfahrungen der Grenzbesetzung 1870/71 - das ausserdienstliche Schiesswesen mit dem Obligatorischen eingeführt.
Die Schweizer Familien leben also seit 136 Jahren mit dieser Institution, der "Waffe im Haus". Selbst in der schärfsten Krisensituation des Landesstreiks 1918 als Bolschewisten mit der Revolution liebäugelten, waren die Bürger "reif" genug, keinen Unfug mit den Armee-Waffen anzuzetteln. Es starben nur 6 Uhrenarbeiter im Jura durch die Armee. Im ganzen Ausland (Italien, Deutschland, Frankreich) verliefen diese Kämpfe weit blutiger (marodierende Freischärler, Faschistenprügeltruppen, etc.).
"Die Waffe im Haus" war bis in die 1970er Jahre ein fester Wert im Geschichtsunterricht der Jugend. Bis 1989 wurde sie mit dem berühmten "freischiessen zum Mobilmachungsplatz" gerechtfertigt, der durch eine Reportage im "New Yorker" weltberühmt wurde. In den 60er Jahren trugen die Männer die Waffe noch mit Stolz. 40 Jahre feministisches Geschwätz und "Mythenzertrümmerung" hat zu abgeschlafften Männern geführt, die verfettet und grambebeugt die "blöde Knarre" nicht mehr als Auszeichnung verstehen, sondern nur noch als "lästige Pflicht" und die sich - wegen Bottellons, Drogenpillen und Ego-Shooters - so wenig im Griff haben, dass sie sich weder die sichere Aufbewahrung (welche über 100 Jahre selbst in sehr engen Arbeiterwohnungen klappte) noch die eigenverantwortliche Einhaltung des Munitionsbefehls zutrauen (legal - illegal - scheissegal).
Wenn sich das Volk nicht mehr den souveränen Umgang mit seinen Rechten zutraut, wäre es da nicht Zeit, auch die direkte Demokratie wieder abzuschaffen? (die Mehrheit geht ja nicht mehr Stimmen)
Die Intitiative löst keine Probleme trifft aber den stolzen, rechtschaffenen und leistungswilligen Staatsbürger im seelischen Kernholz. Die "Waffe im Haus" ist eine grossartige Institution einer reifen, stolzen Willensnation, für sie gilt das gleiche wie für die "Fishermen's friends": "Sind sie zu stark, bist du zu schwach". Wenn wir Schweizer bleiben wollen, müssen wir sie in Ehren halten. Wenn wir sie "abgeben wollen", dann können wir auch die "direkte Demokratie" in Brüssel abgeben und die Wunschkinder in der Krippe.
Alles abgeben, und "Znüni näh" mit Hartz IV, dann sind wir kein "Sonderfall" mehr, aber auch keine "Willensnation" mehr. Ob uns dann die anderen Völker weiterhin für unseren Freiheitswillen und unsere Unabhängigkeit bewundern werden? Nur weil wir vorerst noch "reich", satt und wohlstandsverwahrlost sind?
Der verzweifelte, arbeitslose Informatiker zertrümmert auch mit dem Hammer seinen schlafenden Kindern und der Frau den Schädel. Und die depressive Polizistin erschiesst mit der Dienstwaffe ihre eigenen Kinder. Und wer mit Migrationshintergrund zu viel Ego-Shooters konsumiert, wir auch ohne "legale Waffe" Amok laufen.

Zeughäuser und Waffenregister nützen nichts gegen die wachsende Lieblosigkeit einer zynischen Spassgesellschaft.

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