Sentimentalitäten und Traditionalismus sind keine Rechtfertigung dafür, ohne militärische Notwendigkeit weiterhin Armeewaffen zu Hause aufbewahren zu lassen.

Die Debatte über die Heimabgabe der Armeewaffe bedarf dringend einer Entemotionalisierung. Alleine Traditionalismus oder Sentimentalitäten dürfen nicht als Rechtfertigung für die Heimabgabe gelten. Genauso kann man nicht blindlings damit argumentieren, dass ein Einzug der Waffen ohne weiteres Leben rettet.

Welche objektiven Gründe sprechen also für oder gegen die Initiative? Zweifellos würde die Initiative beträchtliche Kosten verursachen. Zudem könnte sie zur Abschaffung des Obligatorischen führen und damit die Existenz von Schiessvereinen bedrohen. Jedoch muss man sich in der heutigen Zeit ohnehin ernsthaft fragen, ob die Schiesspflicht (zumindest wie sie in der heutigen Form noch praktiziert wird) noch militärisch rechtfertigt werden kann - wenn nicht, ist ihre Aufrechterhaltung letztendlich ein Missbrauch des Milizprinzips oder ein kostspielige Form "staatlich vorgeschriebener Freizeitgestaltung". Das Überleben von Schiessvereinen kann kein Grund gegen die Initiative sein, denn auch andere Vereine müssen ohne staatliche Unterstützung auskommen.

Militärisch kann die Heimabgabe heute nicht mehr begründet werden. Andernfalls müsste man die Munition konsequenterweise wieder nach Hause abgeben, was aber nicht einmal das VBS mehr fordert. Wenn es aber keine stichhaltigen Gründe für die Heimabgabe, so gibt es einen bedeutenden Grund dagegen: Die Waffen werden leider allzu oft unsachgemäss aufbewahrt, in Kellern, Kleiderschränken etc. - teils aus Fahrlässigkeit (Stichwort: über 1'500 Büchsen verlorene Taschenmunition), teils mangels richtigen Möglichkeiten (oder wer hat schon einen Waffenschrank zuhause?). Diese Waffen stellen namentlich für Kriminelle ein leichte Beute dar.

Jeder, der die Waffe effektiv braucht (Jäger, Schützen), soll sie weiterhin nach Hause nehmen können. Alle anderen, bei denen sie bloss ein Jahr lang "verstauben" würde, sollen die Waffe abgeben, damit sie sicher aufbewahrt werden kann. Dafür halte ich auch die entstehenden Mehrkosten für angemessen.

Es geht bei der Abstimmung nicht um ein Entscheid für oder gegen die Armee, sondern bloss um die Heimabgabe der Waffe. Ich bin Offizier, ehemaliger Jungschütze und sage "trotzdem" Ja zur Initiative - wie zahlreiche weitere aus meinem Bekanntenkreis (ebenfalls Offiziere) auch.

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