Ein Held ist nur so gut, wie der Bösewicht ist. Darum werden Kampagnen auch so zugespitzt. Das nutzt schon die Bibel, glaube an mich oder du kommst in die Hölle

Um das eigene Wahlvolk an die Urne zu bringen, braucht es Wähler, die für "das Gute" einstehen. Und "das Gute" baut man auf, indem man ihm "das Böse" entgegensetzt. Batman wird erst durch Joker interessant. Die Zuschauer halten erst den Atem an, wenn die Welt kurz vor dem Untergang steht. Duelle im Sport werden erst zu epischen Duellen und locken die Massen an den TV-Apparat, wenn die Kontrahenten gegensätzlich sind. Ohne Rafael Nadal ist Roger Federer nur ein guter Tennisspieler. Ohne österreichischen Skiverband ist Simon Ammann "nur" Olympia Gold Gewinner.

Gutes Storytelling braucht Helden und Bösewichte. Die SVP und die SP haben dies erkannt. Die Mitte schaut nur verwirrt zu.

Das widerspiegelt sich auch beim Wähler. Während die Wähler der Polparteien an der Urne gegen den Untergang der Schweiz kämpfen und stolz auf ihre Parteien sind, schaut der Mittewähler konsterniert auf das Geschehen und begreift nicht, warum die anderen so einen Lärm machen. Doch genau dieser Lärm ist es, den die Polparteien benötigen, um ihre Anhänger zu mobilisieren.

Dieser Lärm bräuchte auch die Mitte. Auch die Mitte müsste für Prinzipien einstehen. Sie müsste zeigen, dass wir als Nation jede Glaubwürdigkeit verlieren, wenn wir internationale Verträge nicht mehr einhalten. Sie müsste aufzeigen, dass wir Millionen für Nichtigkeiten verschwenden, statt uns für eine zukunftsfähige Schweiz einzusetzen.

Zuspitzung ist keine Krankheit. Nur die Mitte hat verlernt, sie für ihre eigenen Prinzipien einzusetzen. Es ist die Schwäche der Mitte, die die SVP und SP so stark macht.

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