Emotionale Abstimmungskampagnen mobilisieren viele WählerInnen. Dabei kann man aber den linken Parteien kein Versagen vorwerfen. Mehr Bildung ist nötig!

Dass bildungsferne Schichten nicht (mehr) links wählen und abstimmen, ist schon länger bekannt. Man sorgt sich heutzutage primär um seinen Arbeitsplatz, und weil insbesondere in schlecht bezahlten Berufen die Globalisierung und Ausländer als grösste Bedrohungen des Arbeitsplatzes empfunden werden, wählen - vereinfacht gesagt - bildungsferne Schichten tendenziell globalisierungs- und ausländerkritisch, was meist der SVP-Linie entspricht. Dass die SVP eine Sozialpolitik vertritt, die den Interessen von sozial Schwachen komplett zuwiderläuft, wird dabei leider oft ignoriert.

Genau hier kommen dann die Emotionen ins Spiel. Emotionale Themen und Kampagnen bewegen tatsächlich mehr Wähler an die Urne. Das Angstgefühl ist eines der stärksten, das eine Person haben kann, und die Produktion von Angst kann ganze Gesellschaften umkremplen (siehe USA). Sachpolitik kann man den Parteien aber nicht gesetzlich vorschreiben, man kann höchstens an die gesellschaftliche und politische Verantwortung appellieren. Und man kann (politische) Bildung fördern, ein leider in der Schweiz völlig vernachlässigtes Feld!

Es stimmt aber schlicht nicht, dass linke Parteien die Konsequenzen in den genannten politischen Fragen (die Ausländerkriminalität lassen wir mal weg, die hat ja sowieso nichts mit einer Bedrohung für bildungsferne Schichten zu tun) bestritten. Es waren Linke und Gewerkschaften, die die flankierenden Massnahmen (unter anderem gegen Lohn-Dumping) zur Personenfreizügigkeit durchgebracht haben. Die linken Parteien sehen aber in der "Einigelung" keine Lösung und versuchen, die Konsequenzen einer immer vernetzteren Welt für sozial Schwache möglichst abzufedern und konstruktive Lösungen zu finden. Wie man es zustande bringt, dass diese Botschaft auch beim (bildungsfernen) Wähler ankommt, blieb aber eine bisher unbeantwortete Frage.

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