Erst mal klären, was man will und wieviel es dazu braucht, bevor man nach neuen Finanzquellen für die AHV ruft.

Der Ansatz einfach mal nach Geld und Finanzierung zu rufen, ohne genau abzuklären, was man will und wieviel Geld es dafür braucht, ist meiner Ansicht nach völlig falsch.

Wenn man nicht auf den Grundlohn umsteigt, d.h. im klassischen Modell gilt: Wenn die Menschen länger leben, die Geburtenrate sinkt, muss das Rentenalter steigen. Steigt es nicht, steigt die Belastung für die arbeitende Bevölkerung, und das ist nicht beliebig möglich. Ganz egal, welche Finanzquellen man anzapft, keine ist unerschöpflich.

Es braucht ein gesundes Verhältnis zwischen arbeitender und nicht arbeitender Bevölkerung. Wie auch immer man die AHV finanziert, es läuft immer auf dasselbe heraus: Die arbeitende Bevölkerung zahlt für die (aus welchen Gründen auch immer) nicht arbeitende Bevölkerung.

Also gibt es immer Grenzen. Ich finde es falsch, erst mal über die Finanzierung zu diskutieren. Eine Umfinanzierung cachiert das Problem, löst es aber nicht.

Es gibt zwei mögliche Ansätze: Das eine ist die Rate, wieviele Menschen im Arbeitsprozess müssen wieviele nicht arbeitende finanzieren? Dieses Verhältnis muss in einem vernünftigen, tragbaren Rahmen liegen.

Der zweite Ansatz ist, dass man mehr nicht arbeitende Menschen tragen kann, wenn die arbeitenden eine sehr hohe Produktivität aufweisen, also sehr viel verdienen.

In die Richtung des zweiten Ansatzes gehen die Vorschläge einer Finanzierung über Kapitalgewinnsteuern, Erbschaftssteuern oder Luxussteuern. Dabei muss man aber bedenken, dass auch diese Geldquelle nicht unerschöpflich ist. Gerade die Reichsten achten auf die steuerliche Belastung und ziehen um, wenn sie dabei etwas sparen können. Das Schröpfen der Reichsten ist ein Optimierungsproblem: Wieviel kann man besteuern, so dass bei höheren Steuern aber abwandernden Reichen der Steuerertrag maximal wird?

Daran kann man bestimmt noch drehen und optimieren, ob nun für die AHV oder generell zu Gunsten der Staatskasse. Aber eine unerschöpfliche Geldquelle ist es dennoch nicht.

Meiner Meinung nach sollte man weniger über neue Geldquellen spekulieren, sondern sich vielmehr überlegen, welches Verhältnis an arbeitenden zu nicht arbeitenden Menschen für die Steuerzahler noch tragbar ist. Auf dieser Basis sollte man das Rentenalter in Relation zur Belastung der arbeitenden Bevölkerung aufgrund von Bevölkerungszahlen, Geburtenrate und Lebenserwartung objektiv errechnen.

Erst dann hat man meiner Meinung nach überhaupt eine Grundlage, auf der man über die Finanzierung diskutieren kann. Vorher ist für mich nicht klar, wieviel Geld denn überhaupt gebraucht wird.

Gegeben sind: Bevölkerungszahlen, Geburtenrate und Lebenserwartung.

Die möglichen Drehschrauben sind: Die Belastung der arbeitenden Bevölkerung zu erhöhen (oder zu senken) (auch selektiv: nur die Reichen zu belasten) oder das Rentenalter zu erhöhen (oder zu senken).

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Bedeutung der AHV im Vergleich zum Selbstgesparten zu senken, also mehr auf die 2. und 3. Säulen setzen.

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