Ohne Sozialdemokratie gäbe es keine AHV, keine Arbeitslosenversicherung, keine obligatorische Unfallversicherung keine Krankenversicherung, keine IV, ...

Seit der Verabschiedung des neusten SP-Parteiprogramms haben die Medien fast ausschliesslich das Stichwort "Überwindung des Kapitalismus" aufgenommen und nun benehmen sich gewisse Leute wie aufgeschreckte Hühner, die den Fuchs herumschleichen hören. Aber Moment mal, was ist denn eigentlich so bedrohlich an diesem Partei-Ziel?

Wir alle finden es selbstverständlich, eine staatliche Altersversorgung, bezahlte Ferien und mindestens 70% Lohn im Falle von Arbeitslosigkeit zu erhalten. Wir erwarten, dass wir unseren vollen Lohn bekommen, auch wenn wir mal eine Woche krank zu Hause liegen. Ein Unfall am Arbeitsplatz wird von der SUVA übernommen und wenn wir wieder einsatzfähig sind, rechnen wir sicher nicht damit, dass der Arbeitgeber unterdessen jemand anders eingestellt hat wie dies noch bis ins 20. Jahrhundert hinein durchaus üblich war.

Dies sind nur einige Errungenschaften des Sozialstaates, der massgeblich aufgrund der Sozialdemokratie und Gewerkschaften überhaupt möglich wurde. Die Absicht, welche dahinter steht, ist die Verhinderung von Armut und Elend und die gerechtere Verteilung des Wohlstandes, der ja nun wirklich nicht allein von den KapitalgeberInnen erarbeitet wurde und wird.

Die "Überwindung" des Kapitalismus heisst nicht viel mehr, als diesen immer noch und immer heftiger geführten Verteilungskampf gerechter zu führen. Die Sozialdemokratie verhindert, dass immer mehr Kapital von der schmalen "Spitze" der Gesellschaft abgesaugt wird, damit sich deren Angehörige fröhlich im für uns "da unten" schier unvorstellbaren Reichtum suhlen und ihren Profit masslos vermehren können, z.B. indem sie steuerfrei Milliarden vererbt bekommen.

Wer also nicht selber Mulitmillionär oder direkter Erbe eines solchen ist, müsste sich nicht aufregen, bloss weil eine über mehr als 100 Jahre beständige Partei an ihrer Idee festhält (und diese auch ins neuste Parteiprogramm wieder hinein schreibt), dass es nämlich nur den wenigsten egal sein kann, wie die soziale Lage der Menschen in diesem Land beschaffen ist. Nur Superreichen puren EgoistInnen und AbzockerInnen könnte es unangenehm sein, dass die SP gegen die ungerechtfertigte Bereicherung von einigen wenigen laut ihre Stimme erhebt.

Medienschaffende, die hämisch über diese Idee herziehen, sollten sich überlegen, ob nicht die "Überwindung der Kriminalität" - wie sie von einer anderen Partei ja regelmässig als Wahlprogramm festgelegt wird, viel lächerlicher und noch viel unrealistischer ist.

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