Die Abstimmung über den BVG-Umwandlungssatz verkommt zu einer reinen Glaubensfrage. Wessen Zahlen vertraue ich?

Die Höhe des BVG-Umwandlungssatzes muss sich an drei Faktoren messen lassen: Dem Pensionsalter, der Lebenserwartung und der erwarteten Rendite auf dem Pensionskassenkapital. Während ersteres momentan als gegeben betrachtet werden kann, wird um die beiden anderen Parameter umso heftiger gestritten. Leider viel zu oft mit Zahlen und Argumenten ohne Quellenangabe.

Die Lebenserwartung: Sie diente als Argument für die Senkung des Satzes von 7.2% auf 6.8% in der ersten BVG-Revision. Ihr zugrunde lag eine erwartete Lebenserwartung nach Pensionsalter von 18,6 Jahren für Männer und 23,0 Jahren für Frauen. Inzwischen geht der Bund allerdings bereits von 23,1 Jahren für Frauen und 20,3 Jahren für Männer aus ( http://www.bsv.admin.ch/dokumentation/gesetzgebung/00092/02715/index.html?lang=de&download=NHzLpZig7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDfHt4gGym162dpYbUzd,Gpd6emK2Oz9aGodetmqaN19XI2IdvoaCVZ,s-.pdf ). Andere hingegen ziehen dies in Zweifel und gehen davon aus, dass die Lebenserwartung aufgrund eines ungesunden Lebenswandels wieder zurückgehen werde. Ein solcher Trend können die Soziologen bis heute nicht beobachten. Wem glauben?

Die Rendite auf dem Pensionskassenkapital: Bei einem Umwandlungssatz von 6.8% reicht das Pensionskapital für 14,7 Jahre, mit einem Satz von 6.4% für 15,6 Jahre. Die Differenz zur eigentlichen Lebenserwartung muss mit den Zinserträgen/Rendite auf dem Kapital gedeckt werden. Bei einem Umwandlungssatz von 6.8% wird eine durchschnittliche Rendite von 4,9% benötigt. Gemäss Bund (selbes Dokument wie oben) kann eine solche Rendite mit risikoarmen Anlagen seit zehn Jahren nicht mehr erreicht werden. Gemäss NZZ ( http://www.nzz.ch/blogs/nzz_votum/bvg-umwandlungssatz/am_7_maerz_geht_es_einzig_um_die_sicherung_der_altersvorsorge_1.4754056.html ) geschieht es bereits, dass die Rendite auf dem Kapital heute Arbeitstätiger benötigt wird, um die Pensionen Pensionierter quer zu finanzieren. Die Gegner andrerseits betonen, dass eine Rendite in solcher Höhe komfortabel erreicht werden kann (z.B. http://www.rentenklau.ch/News-Einzelansicht.3998.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=5544&tx_ttnews[backPid]=3979&cHash=9b9198483d ). Nicht zu Unrecht weisen die Gegner der Vorlage auch darauf hin, dass die Entschädigung von Pensionskassenverwaltenden nur ungenügend geregelt ist und deren Bezüge bei einigen Kassen auf die Rendite drücken. Trotzdem: Wenn die Linke ihre Berechnungen auf risikoreichere Anlagen als der Bund stützt klingt dies ebenso paradox. Deshalb auch hier: Wem Glauben?

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