Geniessen Secondos Gastrecht? Warum der einzelne Fall individuell beurteilt werden muss:

In der Debatte um die Ausschaffungsinitiative wird gerne das Argument des Gastrechts verwendet.

Gewisse Ausländer geniessen tatsächlich Gastrecht. Ausländer, die kürzlich in die Schweiz einwanderten, Asylanten oder nur vorübergehend anwesende Ausländer. Die Schweiz gewährt ihnen das Aufenthaltsrecht aus diversen Gründen, lässt sie an unseren Vorteilen Teil haben. Es steht wohl im Interesse und im Gerechtigkeitssinn des Schweizer Volkes, dass ein solcher Ausländer, der eine schwere Straftat begeht, in sein Herkunftsland ausgeschafft wird. Ob dies unter Einhaltung des Non-Refoulement-Prinzips getan werden soll, spaltet bereits die Meinungsvertreter.

Für mich ist das Prinzip klar einzuhalten, dies ist aber nicht das Thema dieses Artikels.

Das eigentliche Thema sind diejenigen Ausländer, die hier nicht mehr das so genannte Gastrecht geniessen. Seien dies Secondos oder sogar Ausländer dritter Generation, die hier aufgewachsen, oder gar zur Welt gekommen sind.
Bei diesen Ausländern muss es sich nicht ausschliesslich um solche handeln, die hier ein Gastrecht geniessen. Sie betrachten die Schweiz als ihre Heimat und die Schweizer Gesellschaft als die ihre.

Wie kann es nun sein, dass ein solcher Ausländer, der lediglich den Schritt der Einbürgerung (, die ja auch von der rechten Seite dauernd zu erschweren versucht wird) noch nicht begangen hat, in ein Land ausgewiesen werden soll, das einfach auf seinen Papieren steht?
Nach der Ausschaffungsinitiative der SVP, sowie dem voraussichtlichen Gegenvorschlag würden solche Ausländer ebenfalls erfasst und aus dem Land geschafft.

Meiner Meinung nach eine total verfehlte Massnahme im Allgemeinfall. Der Einzelfall muss betrachtet werden und erwägt werden, ob der Betroffene überhaupt etwas mit seinem Land im Ausländerausweis zu tun hat. Gefängnisstrafen sind ja nicht nur Sicherheitsmassnahmen für die Gesellschaft, sondern auch ein Versuch, die Person wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Und wenn, wie oben erwähnt, die Gesellschaft für den Ausländer die hiesige ist, so muss er auch in die hiesige reintegriert werden und nicht einfach in eine fremde hineingeschleust werden.

Ausserdem zum Begriff "Integration":
Kriminell zu werden, muss überhaupt nicht bedeuten, nicht gut genug integriert zu sein. Sonst wären ja Schweizer entweder grundsätzlich nicht kriminell oder sie wären nicht gut genug integriert...diese Gleichtung geht ja in keinem Fall auf. Deshalb kann das Begehen eines Delikts auch nicht mit der verfehlten Integration gleichgestellt werden.

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