Verbot von Killergames? Politiker sollten minimal kennen, was sie verbieten wollen!

Liebe anonyme Killergamer. Ich muss mir eingestehen ich gehöre zu Euch. ;) Ich bin nun seit 23 Jahren Gamer. Angefangen auf dem C64 mit Commando, über Wolfenstein3D auf dem PC, über Doom, Quake, Unreal, Max Payne, Half Life und aktuell GTA4 und Modern Warfare 2 auf der PS3 - Ich habe sie alle durchgespielt. Wenn Pixel also Menschen wären, müsste ich wohl zu den grössten Massenmördern aller Zeiten gehören. Interessanterweise habe ich aber erfolgreich Geschichte und Medienwissenschaften studiert, arbeite in der Informatikbranche, führe als Co-Präsident die Grünliberale Partei Stadt Zürich und kandidiere nun sogar noch für den Gemeinderat. Wie kann das nur sein?

Ganz einfach: Ich habe in meiner Erziehung Liebe aber auch Regeln erfahren und meine Eltern waren präsent. Ich konnte mich in einem wertvollen, sozialen Umfeld entwickeln, ohne mich aufgrund von fremd zugefügtem psychischem Schmerz in eine eigene Welt voll Übermachtsfantasien zurückzuziehen.

Für mich als erwachsenen Gamer, Studierter und Politiker ist klar: Game ist nicht gleich Game - Games mit strafbaren Inhalten (Rassismus) gehören verboten. Games mit Gewaltdarstellungen müssen Altersbeschränkungen haben. Die Filmindustrie machts vor.

ABER... das möchte ich allen besorgten Eltern auf jeden Fall mitteilen. Ein Drücken auf den "x" Button auf einem Joypad, ein Mausclick ist nicht gleichbedeutend mit der Bedienung einer Waffe. UND... auch wenn es sich in den Spielen bei den Gegnern zum Teil, um virtuelle Abbilder von Menschen handelt, spielt sich kein Pendant zu einem realen Mord ab. DENN es handelt sich um ein Spiel, ein Abenteuer, ein rein mediales Konstrukt.

Für alle Nichtgamer lässt es sich vielleich am einfachsten mit einem spannenden James Bond Film oder anderen Actionfilmen vergleichen. Als Zuschauer leben wir dort auch mit dem Hauptdarsteller mit und schalten innerlich mit Ihm die Gegner aus - ganz ohne moralische Bedenken.

Genauso geht dies auch bei den Computergames: Ich schleiche mich virtuell als Soldat durch Radarhütten, höre ein Geräusch und schalte meinen Gegner mit einem Click auf meinen Joypad aus, damit ich die spannende Geschichte weiterentwickeln kann, " als Held in den Sonnenuntergang reite" und das Spiel damit gewinne.

Diese Parallele zeigt, dass Gewalt als Spannungsmoment sowohl zur Film- als auch zur Gameskultur gehört. Erst durch die Gewalt und damit die Bedrohung unserer Identifikationsfigur (der Film wäre ja ohne ihn mit einem schlechten Ende fertig) entsteht im Action Movie das Abenteuer und die rasante Spannung. Genauso im Spiel wo ein Versagen der gesteuerten Spielfigur zwar nicht zum Ende, aber doch zu einer lästigen Wiederholung derselben Aufgaben führen kann.

Kann ich mit diesen Bemerkungen nachweisen, dass Computergames mit gewalttätigem Inhalt für alle ungefährlich sind? Nein.
Aber ich konnte hoffentlich aufzeigen, dass Computergames nicht massiv unterschiedlich von Action-Movies funktionieren. In diesem Sinne müsste wohl über 50% der Schweizer Bevölkerung massiv amokgefährdet sein, was sich anhand der Statistiken nicht belegen liesse.

(Dass es sich bei den Amoktätern immer um sozial erniedrigte, erzieherisch (wohlstands-)verwahrloste und psychisch immer stärker zurückgezogene Menschen handelt, weist ja eigentlich klar darauf hin, wo Lösungen für diese gesellschaftliche Restrisiko ansetzen müssten: Eltern, Lehrer, soziales Umfeld....).

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