Das bedingungslose Grundeinkommen gibt den Menschen, die heute vom Arbeitsmarkt ausgeschossen sind, ihre Würde zurück, und ist eine Chance für die Zukunft.

Der Arbeitsmarkt ist längst nicht mehr in der Lage, allen Menschen ein existenzsicherndes Erwerbseinkommen zu bieten. Immer mehr sind ausgeschlossen: weil sie der Belastung der leistungsorientierten Arbeitswelt nicht mehr gewachsen sind, beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen, weil sie den Anforderungen der hochtechnisierten Berufe nicht mehr genügen, etwa wegen eines tiefen Bildungsstands, oder weil sie im Laufe langer Berufsjahre den Anschluss verpasst haben.

In unserer Gesellschaft braucht jeder Mensch ein Auskommen. Das bedingungslose Grundeinkommen würde den Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, ihre Würde zurückgeben. Es befreit sie vom Spiessrutenlauf durch die staatlichen Instanzen, die heute vorrangig eine Politik der Aktivierung durchzusetzen haben: Auf Teufel komm raus sollen Leute in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden, für die es schlicht und ergreifend keine Arbeitsplätze mehr gibt. Mit der laufenden 6. Revision der Invalidenversicherung zum Beispiel sollen über 16'000 Renten gestrichen werden. Die Betroffenen wolle man in den Arbeitsmarkt reintegrieren, verspricht Bern – doch kaum ein Arbeitgeber ist bereit, jemandem einen Job anzubieten, der nicht voll leistungsfähig ist. Das zeigt: Die seit etwa zwei Jahrzehnten mit zunehmender Härte betriebene Aktivierungspolitik des Staates bringt nicht die erwünschte Wirkung. Sie kostet zwar jedes Jahr viele Milliarden Franken an Verwaltungskosten. Trotzdem wird die Zahl der Renten und Sozialhilfegelder nicht kleiner, sondern grösser.

«Isch das de Ändpunkt vor Entwicklig vo 5000 Jahre»?

Die Menschheit hat Maschinen erfunden. Das ist gut. Denn die Maschinen nehmen uns schwere und repetitive Arbeit ab. Damit wurde viel Freiraum geschaffen. Freiraum, der, wäre er gerecht verteilt, uns allen die Souveränität über unsere Zeit zurückgeben würde. Freiraum, der Zeit und Raum für Kunst und Kultur, für Literatur und Film, für die Entfaltung unserer Kreativität, für Naturverbundenheit, Menschlichkeit und die Entwicklung einer friedvollen Zivilisation bieten würde – oder auch nur Musse für jeden Einzelnen und jede Einzelne, um das zu tun, was ihm oder ihr am meisten Freude bereitet. Weil die Maschinen uns die Drecksarbeit abnehmen, müssten wir alle eigentlich seit der Industrialisierung in immer grösserem Mass Souveränität über unsere Zeit besitzen. Doch die Früchte des Erfolgs sind ungleich verteilt: Nur eine privilegierte Minderheit profitieren vom Fortschritt und der Rationalisierung, der Rest der Freiheit wird ins Wirtschaftswachstum reinvestiert. Uns Übrigen bleibt nichts anderes übrig, als weiterzurennen im Hamsterrad des kapitalistischen Systems.

Die herrschende Weltordnung ist nicht vom Himmel gefallen, sie ist von Menschen gemacht. Sie ist politisch gewollt. Der Preis dafür, das zeigt sich immer deutlicher, ist hoch. Wenn es uns nicht gelingt, diesen Teufelskreis des Wachstumszwangs zu stoppen, wird von unserem Planeten schon bald nichts mehr übrig sein, was das Leben auch für unsere Kindeskinder lebenswert macht.

Darum bin ich für die Initiative Grundeinkommen: Sie bietet die Chance auf eine Welt, die sich nicht mehr einseitig an materialistischen, erwerbsorientierten Zielen orientiert, sondern Freiräume für sinnstiftende Tätigkeiten schafft. Sie bietet die Chance auf eine Zukunft.

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