Auch die Moderne braucht "Religio", aber ...

Nur ein Mensch, dem aus Lebenserfahrung seine eigene Psychologie und sein eigenes Weltbild entstanden sind, ist ein reifer Mensch, obwohl - und gerade WEIL er dies ständig erweitert und anhand von wahrheitsnahen Fakten umbaut. Daraus ergab sich bei mir ein Bild der monotheistischen Religionen, nicht aus ihren Schriften. Entscheidend ist, was für Verhaltensweisen sich im Alltag, in Familie, Traditionsverhalten ergeben. Die Dinge um Schuld und Sühne scheinen im Christentum lange Zeit auseinender gelaufen zu sein. Auf der einen Seite gab es die bekannten Missbräuche zur Macht, aber auch das Positive: Noch vor kurzem ergab sich bei vielen Menschen eine die für’s eigene Leben ständig geübte Demut vor dem „Höheren“ Unbegreiflichen, übertragen auf persönliche Zurücknahme der eigenen Person innerhalb der kleinen und großen Gemeinde der „Gläubigen“. Geblieben ist davon in der zivilen Welt ein Rest in Formen von Fairness, die aus den drei Schriftreligionen nicht die gleichen Verhaltensreste hinterlassen hat. Es scheint mir aber gefährlich, Menschen in Kategorien einzuteilen. Dadurch würden sich die fürchterlichen Nebenwirkungen im Kampf um Wirtschaftsmacht und Lebensmöglichkeiten etablieren und Wellen von Gewalt auch in Zukunft möglich machen (siehe Balkan ...). Elitär den Kopf in den Sand stecken? Aggressivität ist eine allgegenwärtige Kraft. Und: Denken in Gesetzen der biologischen Evolution ist größtenteils falsch, da unsere sexuellen Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen anders sind als die im Tierreich. Es geht um Liebe beim Menschen und die biologische Quelle derselben. Sprich: Wir sind so liebesabhängig, dass wir als neue Errungenschaft nur Menschen bleiben, wenn wir Sex und Sexualität bei aller Konvergenz auseinander halten. Hier ist die Crux der alten Religionen. Nur mit einem neuen Verständnis von Sexualität, die nicht an Zeugung und Gemeinschafts - bzw. Sippenzwänge gekoppelt ist, heben wir uns vom Tierreich ab. Leben zeugen heißt auch Leid und Schmerz erzeugen. Daraus rettet uns kein Jenseits. Ob „Gott“ geglaubt wird, das ist Deine und meine persönliche Sache. Dass wir aber religiöse Gemeinschaft nur haben sollen, wenn wir den schriftlich oder anderweitig behaupteten Gott annehmen, mag Gemeinschaft bildend sein. Dazu gehört aber eine neue Suche, eine andere „Auserwähltheit“, die nicht auf Taufe oder Beschneidung beruht, sondern auf subtil erworbener Achtung durch die Mitmenschen und Respekt vor allem Lebenden.

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