Kruzifixstreit : wer ist hier intolerant? An der Arena-Sendung vom 29. Oktober wurde der Begriff Toleranz von den christlichen Abendländern in sein Gegenteil verdreht.

In der Sendung wurden jene der Intoleranz bezichtigt, die sich gegen Kruzifixe in öffentlichen staatlichen Gebäuden wehren. Eine Mehrheit in der Bevölkerung wolle diese Kruzifixe (was noch genauer abzuklären wäre), es entspreche unserer Kultur.

Toleranz ist insbesondere Minderheiten und Andersdenkenden gegenüber angezeigt. Ganz besonders in einer Frage wie dieser, wo es um Religions- und Gewissensfreiheit geht, eines der wichtigsten Freiheits- und Menschenrechte. Religionsfreiheit heisst nicht nur, seiner eigenen Religion oder Weltanschauung nachleben zu können (solange sie nicht Grundrechte anderer verletzt), es heisst auch frei von Religion sein zu können. Genau deshalb haben das Bundesgericht und der Europäische Menschenrechtsgerichtshof gefordert, dass Kruzifixe aus öffentlichen Schulen zu verschwinden haben, wenn Eltern oder Lehrkräfte dies verlangen.

Intolerant sind also jene, die Anders- oder Ungläubigen den Anblick des Kruzifixes im öffentlichen Raum aufzwingen und damit ihre Religionsfreiheit verletzen. Gläubige KatholikInnen können in ihrer Wohnung soviel Kruzifixe aufhängen wie sie wollen und sie in jeder katholischen Kirche anschauen so oft sie möchten. Sie können ihre Kinder auch in eine katholische Privatschule schicken (was ich allerdings nicht als das Beste für die Kinder halte...).

Im öffentlichen Raum hingegen sowie in öffentlichen Schulen und Gebäuden haben Kruzifixe (wie auch Kreuze oder Halbmonde etc) nichts zu suchen. Ungläubige werden sicher so tolerant sein, ein Kreuz auf dem Kirchturm zu akzeptieren.

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