Konsensunfähigkeit und juristisch schwierige Frage

Eingangs muss ich erwähnen, dass die Polemik einiger weniger Freidenker hier im Forum sehr störend ist.

In der Schweiz leben seit Jahrhunderten Christen, diese Tatsache beeinflusst unsere Traditionen und Kultur bis heute.
Gleichzeitig hat in Europa der Humanismus stattgefunden und dafür gesorgt, dass dieser auch zur Leitkultur gehört.
Somit haben wir heute eine humanistisch- christliche Leitkultur. Was die Freidenker aktuell wollen ist, das Christliche, dem Humanistischen gegenüber, auszuspielen.

Alle Menschen die auch nur über minimes Geschichtsbewusstsein verfügen sind sich zwei Dinge bewusst.

  1. Religion hat es immer gegeben, es ist ein Bedürfnis der Menschen an irgendetwas zu glauben.

  2. Sollten wir aus der Geschichte gelernt haben, dass es gefährlich ist, wenn wir Weltanschauungen gegeneinander ausspielen.

Daraus sollten wir den Schluss ziehen, dass das Glauben an etwas dazugehört und wir die Weltanschauungen gegeneinander nicht ausspielen dürfen.

Jetzt zur juristischen Grauzone.
Mit dem Begriff „Religionsfreiheit“ wird sehr leichtfertig umgegangen. Was ist Religionsfreiheit?
Es gibt die Aktive und die Passive.

Aktiv heisst: ich darf nicht gezwungen werden, in eine religiöse Gemeinschaft einzutreten und ich habe das Recht meinen Glauben frei zu wählen. Es gibt auch das Recht, keine Religion zu haben.
Einleuchtend und einfach.

Schwierig wird es mit der passiven Religionsfreiheit.
Die kann so interpretiert werden, dass ich in meinem Alltag nichts von Religion mitbekommen darf. Kein Klang von einem Kirchenturm, kein Minarett, keine Zapfenlocken, keine Tempel. Nichts.

Aber sie kann auch so interpretiert werden, dass mich religiöse Handlungen von anderen nicht „beanspruchen“ dürfen. Dies ist eigentlich so, wie es in der Praxis angeschaut wird.
Weil jeder Vernünftig denkende Mensch weiss, dass es unmöglich ist, religiöse Gebäude so zu bauen, dass keiner was davon sieht.
Ausser man würde denen die nichts davon mitbekommen wollen Pfeile auf den Boden machen, damit sie nichts davon sehen. Aber auch dies würde gegen Grundrechte verstossen.

Beim Glockengeläute, aber auch beim Muezzin, kann man sagen, meine passive Religionsfreiheit wird verletzt. Ich will am SO Morgen keine Kirchenglocken hören.
Aber bei einem Kreuz, welches einfach so da hängt, halt auch aus kultureller und historischer Tradition, verletzt weder aktive noch passive Religionsfreiheit.
Ausser, man interpretiert die passive Religionsfreiheit so krass, dass ich im Alltag mit Garnichts religiösem in Verbindung kommen darf.

Aber diese Art von Interpretation bringt die (wohl nötige) Diskussion nicht weiter.
Die Gläubigen müssen vernünftig sein und sich mit der Kritik auseinandersetzten. Aber diese Vernunft darf ich auch von den Freidenkern erwarten.

Polemik, das lernt und die Geschichte, hat noch nie zu guten Lösungen geführt. Meistens führt es überhaupt zu keiner Lösung.
Von daher appelliere ich an die Vernunft von Gläubigen und von Freidenkern, hier sich nicht auf Meinung X zu versteifen.

Weil was Gläubige und Freidenker gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sich beide mehr oder weniger ziemlich gut mit dem Thema auseinandergesetzt haben.
Aus diesem Grund könnte man von beiden Gruppierungen erwarten, dass die aus dem bisherigen Verlauf ihre Schlüsse ziehen und die Debatte mit einem Mindestmass an gegenseitiger Toleranz führen und auch eigene Positionen und Ansichten hinterfragen können.

Wer nicht gewillt ist, muss sich der Diskussion eigentlich gar nicht stellen.

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