Die Qualität der öffentlichen Schule muss verbessert werden. Alle Kinder, nicht nur behinderte, müssen nach ihren Fähigkeiten optimal gefördert werden.

Unser Sohn ist hochbegabt. Wunderbar, könnte man meinen, was wir für glückliche Eltern sind. Doch tatsächlich haben wir mehr Probleme, als andere Eltern mit durchschnittlichen oder schwachen Kindern, denn unser Schulsystem ist nach wie vor nicht auf überdurchschnittliche Kinder ausgelegt, vielmehr geht es in Richtung einer Nivellierung auf das Niveau der Schwächsten. Unser Sohn ist nun in einer Privatschule für begabte Kinder. Die Kosten tragen wir zu 100% selbst. Wir können uns das gerade noch leisten, aber was ist mit Kindern aus ärmeren Familien? Auch die haben das Recht auf optimale Förderung. Darum möchte ich mich gezielt für die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes innerhalb der öffentlichen Schulen einsetzen.

Was ich nun beschreibe, ist meine Vision, die ich gerne so in die Diskussion stellen möchte, die auch nachgebessert werden darf, denn ich bin alles andere als unfehlbar, jede Kritik ist mir willkommen, und die ich in meiner politischen Arbeit Schritt für Schritt umsetzen möchte, respektive von der ich möglichst viele überzeugen will, mir bei der Umsetzung zu helfen:

Kinder sollten möglichst früh in einen obligatorischen Kindergarten eintreten, spätestens mit vier Jahren. So stellt man früh den Kontakt her zwischen den Schulbehörden und den Eltern. Durch den frühen Kontakt mit einer Kindergärtnerin kann und soll diese auch Problemfälle, das heisst in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder früh erkennen und ihnen eine gezielte Förderung zukommen lassen. Kinder von fremdsprachigen Eltern lernen im Kindergarten Schweizerdeutsch perfekt sprechen und werden erst in die Schule umgeteilt, wenn sie sprachlich mithalten können. Ein weiterer Vorteil ist, dass der frühe Eintritt der Kinder in einem Kindergarten mit der Möglichkeit von Mittagstisch und Randzeitbetreuung auch das Problem vieler arbeitstätiger Eltern löst, Kinder, Beruf und Karriere zu vereinbaren. Die Kinder profitieren dabei zusätzlich von frühen sozialen Kontakten in kleinen Gruppen mit gleichalterigen. Der Kindergarten soll aber weiterhin die Kinder spielerisch auf die Schule vorbereiten. Ein früher Kindergarten ist in doppelter Hinsicht keine Beschneidung der Kindheit: Die Kinder wollen lernen und tun es auch gern, wenn sie dabei gefördert und nicht überfordert werden, und der Kindergarten soll weiterhin kein Unterricht sein, sondern spielerisch Fähigkeiten fördern und Defizite ausgleichen.

Der Übergang zur Schule soll, wie beim Modell der Grundstufe, fliessend sein, aber nicht nur das: Es sollen Jahrgangsklassen ganz abgeschafft werden. Stattdessen soll es Stufenklassen mit geringer Schüleranzahl geben. Statt einer ersten bis sechsten Klasse gibt es z.B. die Stufen A, B, C, D. Jedes Kind wird entsprechend seines Fortschritts in die passende Stufe eingeteilt und verbleibt dort solange, bis es reif ist für die nächste Stufe. Das kann bei intelligenten Kindern nach einem Jahr und weniger der Fall sein, oder bei lernschwachen Kindern erst nach mehreren Jahren. Innerhalb der Stufe wird jedes Kind entsprechend seiner Leistung gefördert. Kluge Kinder bekommen zusätzliche Herausforderungen, von schwachen Kindern wird nur der Lehrplan eingefordert. Die Basis des Stoffes soll allen Kindern vermittelt werden. Während mit den schwachen Kindern der Basisstoff repetiert wird, sollen diejenigen Kinder, die ihn bereits verstanden haben, mit Zusatzaufgaben beschäftigt werden, welche mehr Verständnis erfordern. Zur speziellen Förderung soll es in jedem Schulhaus für die guten Schüler noch zusätzliche Leistungskurse geben, die Stoff jenseits des Lehrplans vermitteln, ähnlich wie das die Exploratio macht, nur mehr, dezentral, systematischer und dauerhaft während der ganzen Schulzeit.

Die Privatschule Talenta in Zürich, die sich hochbegabten Kindern annimmt, setzt genau ein solches Modell um. Es gibt Stufenklassen, genannt Gelb, Grün, Blau und Rot, wobei Gelb dem Kindergarten entspricht und Rot den Übertritt an das Gymnasium vorbereitet (da ja ohnehin nur die besten Schüler dort sind, ist das Gymnasium dort der Normalfall). Die Klassen bestehen aus ca. zwölf Schülern, wobei die Schüler auch individuell andere Aufgaben erhalten, ihrem Stand entsprechend. Die Schule ist privat finanziert, die Kosten pro Kind belaufen sich auf zweitausend Franken im Monat. Dieser Kostenrahmen wäre durchaus auch die Öffentliche Schule zuzumuten, geht es doch um die Zukunft unserer Gesellschaft. Wenn man bedenkt, dass gut geförderte Kinder später auch gute Steuerzahler sein werden, so ist es eine Investition, die sich um ein Vielfaches auszahlen wird. Zu diesem Preis ist es offenbar möglich, kleine Klassen mit individueller Förderung zu betreiben. Ausserdem hat die Schule Talenta Lehrkräfte pro Fach, nicht eine Lehrkraft pro Klasse. Das ist bei den älteren Schülern, die nicht mehr auf eine Bezugsperson angewiesen sind, fachlich ein grosser Vorteil. Im Vergleich dazu verursacht eine staatliche Sonderklasse Kosten, die um bis zu 50% höher liegen können. Das Schulmodell, das ich propagiere und weitgehend am funktionierenden Beispiel der Talenta abgeschaut und mir in Büchern über Förderung erlesen habe, liegt in einem finanzierbaren Rahmen, würde aber den Bildungsstand der Schweizer Bevölkerung langfristig anheben und damit erheblich zu künftigem Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit beitragen.

Das Ziel der Primarschule soll sein, dass am Ende alle Kinder mindestens den Lehrplan gut beherrschen, manche Kinder noch etwas darüber hinaus. Das Niveau, das Basisprogramm im Lehrplan, sollte gegenüber heute eher noch angehoben werden. Je höher der allgemeine Bildungsstand ist, desto besser ist das für die ganze Gesellschaft.

Dann kann man sich überlegen, ob man in der Oberstufe ausserhalb des Gymnasiums die Kinder wiederum auf ein gemeinsames, höheres Niveau bringen will, statt die Oberstufe nur auf drei Jahre zu beschränken, oder ob man von da an unterschiedliche Bildungsstände haben will, wie bisher. Das Modell der durchlässigen Oberstufe, welches ich seinerzeit, 1984 in Weisslingen in einer der ersten Versuchsklassen bereits kennengelernt hatte, und welches sich nun durchgesetzt hat, ist sicher ein guter Ansatz. Aber wenn es für tiefere Stufen schwieriger wird, eine Lehrstelle zu finden und die Anforderungen der Arbeitgeber steigen, dann muss man sich überlegen auch hier das minimale Niveau anzuheben.

Am Ende der Schulzeit soll ein obligatorischer Schulabschluss stehen. Die Schulpflicht soll nicht auf eine bestimmte Zeit festgelegt sein, sondern erst mit dem erfolgreichen Schulabschluss enden. Wer etwas länger braucht dafür, dessen Schulpflicht verlängert sich entsprechend. Doch am Ende soll niemand ohne abgeschlossene Grundbildung dastehen. Ausnahmen soll es nur bei geistig schwer behinderten Kindern geben, wo ein solcher Anspruch nicht durchsetzbar ist.

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