Einheitskasse für Reiche?

Wer sich bis anhin eine teure Krankenkasse, ohne Arztmodell bei tiefster Franchise, leisten konnte, profitiert von der Einheitskasse.

Wer bis anhin auf billige Krankenkassen angewiesen ist, weil er wenig verdient, nicht steuererklärungskonform lebt oder aus anderen Gründen nur wenig Verbilligung erhält, zahlt mit einer Einheitskasse massiv mehr.
Was wenn man den auf Abruf verfügbaren Stundenlohnjob verliert, das Pensionskassenvermögen auszahlen lässt statt von der PK eine Rente bezieht, die Gemeinde das Wohneigentum plötzlich massiv höher schätzt (nicht jeder kann sich vergleichbare Mietwohnungen leisten) etc.
Das hat massive Auswirkungen auf die Prämienverbilligung und kann zu unverhältnismässiger Belastung bei gleichem Einkommen durch die KK-Prämie führen.

Mit einer Einheitskasse wird vielleicht der gesamte Gesundheitskuchen kurzfristig etwas kleiner, aber an den ständig steigenden Prämien wird diese Massnahme nur wenig ändern. Die Verbilligungsprämien werden vielfach auch kaum den steigenden Prämien angepasst.

Was die Krankheitskosten nachhaltig und längerfristig senken würde ist eine Änderung dahingehend, dass nicht mehr Interessenvertreter und Leistungsanbieter wie Ärzte, Spitäler, Pharmaindustrie, Santesuisse etc. bestimmen, was Leistungsbezüger zu bezahlen haben.

Das Problem fast aller der unzähligen und unüberschaubaren Sozialkassen ist, dass man viel bezahlt und darum auch viel Leistung erwartet.
Genauso bei der Krankenversicherung. Man bezahlt viel (KK-Prämien=fixe Kosten) und kann durch kostensparendes Verhalten (variable Kosten=Franchise und Selbstbehalt) nur wenig beeinflussen.
Lohnt es sich für den Leistungsbezüger persönlich, wenn er einen billigeren Arzt wählt, ein ausserkantonalers oder sogar ausländisches Krankenhaus für die Operation, ein billigeres Medikament etc.

Die beste Massnahme und am ehesten noch sozial, damit jeder seine Krankheitskosten selbst beeinflussen kann und wirklicher Wettbewerb zwischen den Anbietern aufkommt, fände ich daher eine einkommensabhängiger Selbstbehalt.

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