Die Betäubungsmittelgesetzgebung ist absolut unsinnig und hält den wissenschaftlichen Fakten nicht stand.

Es macht absolut keinen Sinn, den Konsum von Nikotin und Alkohol zu erlauben, und zugleich den Konsum anderer Substanzen unter Strafe zu stellen. Dies ist vor allem daher nicht plausibel, da der Grossteil der verbotenen Substanzen nun mal weniger schädlich ist als Alkohol - letzterer braucht sich in punkto Toxizität nicht einmal vor Heroin und Kokain zu verstecken, es übertrifft diese sogar.
Jeder Alkohol-Vollrausch führt aufgrund der cytotoxischen Wirkung des Alkohols und seines Metaboliten Acetaldehyd zu irreversiblen Schädigungen. Alle(!) Zellen im Körper sind davon betroffen, dabei leiden die Leber und das Gehirn am meisten. Dies unterscheidet Alkohol von den anderen Substanzen. Auch die körperliche Abhängigkeit vom Alkohol unterscheidet sich grundlegend von einer Opioid- und Benzodiazepinabhängigkeit, denn bei der Alkoholabhängigkeit spielen nicht nur neurobiologische Adaptionen eine Rolle, sondern auch intrazelluläre metabilische Veränderungen.

Die Furcht vor einer Massensucht in der Bevölkerung ist ebenfalls nicht haltbar. Der Anteil jener, die überhaupt eine echte Sucht ausbilden können liegt je nach Substanz und Konsumform zwischen 10 und 20% - dies ist eine Konstante über die Artengrenzen hinweg. Nicht jeder kann also drogensüchtig werden, da es dazu eine bereits bestehende neurobiologische Veränderung benötigt, die sich in einer Impulskontrollstörung äussert.
Ferner muss noch gesagt werden, dass nur Substanzen mit einer Wirkung auf das dopaminerge System zu einer Suchtausbildung führen können. Substanzen wie LSD und Psilocybin können aufgrund ihrer Pharmakologie gar keine echte Sucht auslösen.
In dem Zusammenhang sollte noch Nikotin erwähnt werden, welche unter den Suchtdrogen eine Sonderstellung einnimmt, da hier eine Sucht nicht nur durch das dopaminerge System vermittelt wird, sondern noch andere Prozesse involviert sind. Dies zeigt sich durch den ausserordentlich hohen Anteil an Süchtigen von 32% - bei Kokain sind es gerade mal 17% aller Konsumenten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass nicht alle "Drogen" berauschend wirken. Dies lässt sich schön anhand von Nikotin und Koffein aufzeigen. Beide sind psychotrope Substanzen, doch einen echten Rausch wie bei Alkohol oder Cannabis bekommt man bei beiden nicht. Auch die Psychostimulanzien Kokain und Amphetamin gehören zu dieser Kategorie - es passiert hier zwar etwas mehr als bei Koffein und Nikotin, doch von einem echten Rausch ist deren Wirkung weit entfernt. Jeder, der zur Behandlung von ADHS Ritalin nehmen muss, weiss, wovon ich spreche.

Die Prohibition hat völlig versagt, da es den Drogenkonsum nicht verhindern konnte, es nicht kann und wohl auch nie können wird - alleine schon wegen der Existenz der legalen Drogen Alkohol und Nikotin. Durch die Prohibition kam es jedoch zu einer Generierung eines Schwarzmarktes, da die Nachfrage bestehen blieb. Man überlies so die Produktion, die Verteilung und den Verkauf den kriminellen Banden. Auf diese Weise findet keine Qualitätskontrolle statt und der Reinheitsgrad und die tatsächliche Zusammensetzung bleiben unbekannt. Dies erschwert die Dosierung drastisch und gesundheitliche Komplikationen sind vorprogrammiert. Diese vermeidbaren "Nebeneffekte" sind das Resultat der Prohibition. So werden die substanzbedingten Risiken auf unnötige Art und Weise massiv verschärft - man erinnere sich an den methanolverseuchten Schnaps zu Prohibitionszeiten.
Meiner Meinung nach gehören alle Drogen legalisiert, deren Produktion streng kontrolliert und der Verkauf reguliert. Die Substanzen sind anhand ihrer Gefahren für die Gesundheit individuell zu taxieren, da nicht von allen Stoffen das gleiche Gefahrenpotenzial ausgeht. Der Verkauf selbst sollte in lizensierten Drogenfachgeschäften stattfinden und selbstverständlich mit klarer Alterbegrenzung. Je nach Substanz kann auch eine maximale Verkaufsmenge pro Person eingerichtet werden.
Nur mit einem solchen oder ähnlichen Modell kann wirklich Schadensbegrenzung betrieben werden. Moralistische Prinzipienheuchelei ist diesbezüglich total überholt und nützt absolut nichts; es bewirkt allenfalls nur Negatives, wie wohl alle Drogenkonsumenten bezeugen können.

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