Nicht die Burka soll verboten werden, sondern die Vermummung des Gesichts

Die Auseinandersetzung über ein Verbot von Niqab und Burka ist eine eminent politische über Menschlichkeit und grundlegende Menschenrechte und keine formaljuristische über Diskriminierung oder Einschränkungen der Religionsfreiheit.

Das Gesicht ist die wichtigste Kommunikationsschnittstelle in der zwischenmenschlichen Beziehung. Das Gesicht zu verhüllen bedeutet in jeder menschlichen Gesellschaft, sich der zwischenmenschlichen Kommunikation zu entziehen, sich zu anonymisieren, seine Identität zu verbergen.

Das macht kein Mensch "freiwillig", ausser, er hat etwas zu verbergen, er fürchtet sich oder er gehört einer Kultur an, die dies von ihm verlangt. Verbrecher verhüllen das Gesicht, Polizisten aus Angst vor Vergeltungsakten und Frauen, die sich als Eigentum ihrer Männer betrachten - selbst wenn sie diesen patriarchalen Anspruch ihrer Männer verinnerlicht haben.

Auch Religionen haben ihre Grenze an den Allgemeinen Menschenrechten zu finden.

Doch genau hier liegt die politische Brisanz dieser Auseinandersetzung.

Die Organisation der Islamischen Konferenz (IOC), der die 57 grössten und bedeutensten Staaten in der der Islam bestimmende Religion ist, setzte 1990 in ihrer Erklärung der Menschenrechte im Islam die Schari'a (die islamische Gesetzgebung) über die Allgemeinen Menschenrechte.

Hier prallen zwei grundsätzliche und in ihrem Anspruch absolutistische Rechtsauffassungen aufeinander, die sich auch jeglicher demokratischen Legitimation entziehen: Auf der einen Seite die Auffassung nichtverhandelbarer, absoluter Menschenrechte, wie sie von der geschundenen Völker des zweiten Weltkrieges 1948 in der UNO verabschiedet wurden. Auf der andern Seite der universelle Anspruch der "gottgegebenen" Schari'a als heiliger die Gesellschaftsordnung bestimmender Begriff des Islams.

Ein Ja zur Vermummung bedeutet ein Ja zu Niqab und Burka und damit ein Ja zur Schari'a als Alternative zu den Allgemeinen Menschenrechten. Es bedeutet, dass wir akzeptieren, dass der fundamentalmuslimische Mann, der fundamentalmuslimische Familienclan die muslimische Frau in ein schwarzes Gefängnis aus Tuch steckt, aus dem sie sich ohne unsere solidarische Unterstützung nicht befreien kann. Es bedeutet die Akzeptanz des Aufbaus einer Parallelgesellschaft mit den unsern diametral entgegengesetzten kulturellen Werthaltungen.

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