Provokation, Angst und Hass sind nicht die Tugenden einer fortschrittlichen Nation - Toleranz, Verständnis und Wissen jedoch schon.

Woran ich mich in hohem Masse störe ist die Art und Weise der Integration von Religion in die Politik und die allgemeine Art zu politisieren. Es wird lediglich Angst und Hass geschürt - man verunsichert die Leute mit wirren Phantasien, welche diskriminierend und aus der Luft gegriffen sind.

Haben wir nicht das Recht frei zu sein und ohne Angst zu leben? Müssen wir uns von einer Gruppe einschüchtern lassen und uns zu unüberlegten Aussagen hinreissen lassen? Das Ganze erinnert enorm stark an eine sehr dunkle Zeit in Mitteleuropa, eine Zeit die wir gerne ungeschehen machen würden. Es ist wohl nicht nötig weiter auf dieses Kapitel einzugehen, jeder weiss worum es geht.

Die Glorifizierung der christlichen Kirche in dieser ganzen Debatte ist ebenfalls ein störender Faktor. Das Argument, dass Minarette Machtsymbole seien wird vermehrt vorgebracht - Sind denn Kirchen etwas anderes? Sind die Kreuze an jedem Hügelkamm etwas anderes? Der eisige Wind der Heuchelei zieht über unser Land dessen Boden getränkt ist vom Blut helvetischer Druiden. Diese Einleitung soll lediglich dazu dienen unsere Wurzeln ins Gedächtnis zu rufen.

Um auf die aktuelle Debatte Einfluss zu nehmen möchte ich folgendes sagen - Das Plakat ist für mich Provokation pur, dies mag ein legitimes Mittel sein, Diskriminierung und Rassismus hingegen nicht. Wir sind ein fortschrittliches Land, wir brauchen keine "aber die machen das auch so"-Vergleiche, weil wir besser sein wollen - weil wir zeigen wollen wie man erfolgreich miteinander leben kann, ganz egal welches Glaubensbekenntnis man abgelegt hat. Die Verunglimpfung der Schweizer Flagge in besagtem Initianden Plakat fasse ich als Affront gegen mich selbst auf. Ich will stolz sein auf meine Heimat, eine Heimat welche eine nie da gewesene Vielfalt und Offenherzigkeit an den Tag legt. Allerdings kann ich mich beim Anblick dieser Polemik nur schämen.

Um das ganze auf juristischer Seite zu betrachten ist ein Verbot zwecklos, denn dieses könnte in weiterer Instanz am Internationalen Gerichtshof umgestossen werden. Somit haben wir absolut Garnichts gewonnen, lediglich unsere Glaubwürdigkeit, der demokratische Gedanke und Religionsfreiheit wären dahin. Der erlittene Schaden würde Wogen aufwerfen welche nicht in einem Jahr geglättet wären - sollen wir diesen Preis zahlen nur weil uns ein Bild der Angst vorgehalten wird, aus Unzufriedenheit?

Man möge sich gut überlegen welche Implikationen eine Annahme hätte, wie wir dies ernsthaft gutheissen und vertreten können. Sollte dies wahrlich der Weg sein, so wäre es nur konsequent im gleichen Zug sämtliche Gotteshäuser zu verbieten.

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