Helvetia ruft. Bei SRF in die Wüste. In die letzten 8 Clubsendungen waren gesamthaft 36 Männer und 11 Frauen eingeladen. Bei der Arena 29 Männer und 9 Frauen!

Aufgefallen ist es mir wieder einmal im vorletzten Club, der sich trotz anderslautendem Thema letztlich um die Frauenfrage im Bundesrat drehte. Eingeladen waren eine Politikerin und ein Politiker. Das ist paritätisch, da gibt es nichts zu husten. Ebenso eingeladen aber auch drei „Sachverständige“. Zwei davon Männer. Ungeachtet dessen, dass längst auch Frauen Kommunikationsspezialistinnen sind, Politikbeobachterinnen oder Publizistinnen, verstehen Männer offenbar immer noch doppelt so viel von allem, sogar wenns um die Sache der Frauen geht. „Aktualisiert doch einmal eure Adressliste!“ rufe ich in die Röhre. Nota bene einer Frau zu, die gerade moderiert. Nichts für ungut, meine Herren, aber SRF ist darauf abonniert, die ewig gleichen Männer ewig zu befragen. Mir sitzt diesbezüglich und unter vielen Adolf Muschg nachhaltig in den Knochen. MannOhMann, was wusste der nicht alles!

Wohlverstanden, von mir aus kann die Runde auch einmal aus sieben Männern bestehen, oder sieben Frauen, wie bald einmal auch der Bundesrat. Ich halte nichts von Quoten. Wer anderen eine Quote gräbt, fällt selbst hinein. Und wie die Revolution die eigenen Quotenkinder mit gnadenlosen Bissen ins Gewissen auffrisst, tut einem momentan beinahe leid. Das Geschlecht, die biologische Prädestination, wie man das dialektisch geschult, argumentativ in die eigenen Karrierewünsche quetscht, das erkennen auch die sich verrannten Frauenquotenweiberhelden, ist kein Programm. Und richtig: Frausein schon gar nicht. Doch mich ärgert der Widerspruch beim Schweizer Fernsehen. Den Parteiverantwortlichen werden seit Tagen und Wochen dreist die Mikrofone unter die Nase gehalten, um ihnen Bekenntnisse zu reinen Frauentickets bei den Bundesratswahlen abzuringen. Auf allen Kanälen unseres öffentlich rechtlichen Mediums ist keine Frage so präsent, wie diejenige nach besserer Frauenförderung in der Politik. Dort aber, wo man Frauen idealerweise und unaufgeregt selbst fördern könnte, nämlich auf den wichtigen Plattformen desselben Mediums, lässt man sie wie die Motten das Scheinwerferlicht umschwärmen, das vor allem die Männer beleuchtet. Beispiel gefällig? In die letzten 8 Clubsendungen lud SRF im gesamten 36 Männer ein und 11 Frauen! In die letzten 8 Arenasendungen 29 Männer und 9 Frauen!

Das, mit Verlaub, ist einfach skandalös. Und scheinheilig! Wie bitte gedeiht man Frauen Förderung an, wenn man sie nicht beachtet? Auch wenn ich bei der Arena noch ein wenig Verständnis aufbringe, sie setzt die politische Debatte in den Fokus, und im nationalen Parlament sind nun einmal mehr Männer als Frauen, ist es dann nicht nachvollziehbar, wenn wir generell in unseren Berufen und Fachbereichen als Spezialistinnen, als Expertinnen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, als Ärztinnen, Juristinnen, Jugendarbeiterinnen, Seelsorgerinnen, Wissenschaftlerinnen, Familienmanagerinnen, Unternehmerinnen, Bäuerinnen, Erziehende, Ausbildende, Autorinnen, Politikerinnen, etc.etc, dreimal weniger auf dem Ticket sind. Gibt es irgendeine plausible Erklärung für diese mangelhafte Beachtung unserer Leistung und krasse Ungleichbehandlung gegenüber den Männern?

Nochmals: Ich halte nichts von staatlich aufgedrückten Quoten. Ich meine: die Quote schaffen wir selbst. Dies, indem wir uns zur Wahl stellen und wählen gehen und aktiv an Abstimmungen teilnehmen. Aber auch, indem wir uns Obiges nicht bieten lassen. Wer ertrotzt sich schon gerne das Mikrofon und drängt sich hervor? Meist ist einem das zu blöd. Aber wir müssen raus aus der Bequemlichkeitszone. Denn wer nichts unternimmt, mit dem wird unternommen. Männer wissen das besser. Vorwerfen kann man es ihnen nicht. Und auch nicht, dass SRF an ihnen einen solchen Narren gefressen hat. Im Gegensatz zu uns.

60 Prozent aller Frauen stimmen und wählen wie noch vor 80 Jahren, nämlich gar nicht. Das können wir nur selber ändern. Ich finde, wenn Helvetia jetzt plötzlich auch noch dringend ruft, muss sie uns selber hören. Und das tut sie auf ihrem öffentlich-rechtlichen Sender, den wir Frauen schliesslich mitfinanzieren. Also wollen wir auch angemessen vorkommen. Wenn SRF nicht merkt, was angemessen heisst, dann geben wir gerne Nachhilfe in Angemessenheit und setzen bei Begriffsstutzigkeit Druck auf mit einer Petition. Arbeitstitel: „Dreimal mehr Männer als Frauen sind dreimal mehr als genug“ oder „Helvetia ruft. Bei SRF in die Wüste“. Wetten, es hilft!

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Kommentar von Patrick Vogt:

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