Krankenkassenprämien unezahlbar - oder wie die Schweizer Pharma- und Gesundheitslobby uns Patientinnen und Patienten schamlos ausnützt

**30 Kapseln à 1.8mg Melatonin sind erhältlich zum Beispiel im Lidl für Euro 4.99. ** Bei täglichem Gebrauch reicht eine Packung für einen Monat. Merke: 1 Monat = 5 Euro. Lidl, EU-Raum.

Und was kostet der Spass in der Schweiz?

Für 21 Retardtabletten à 2mg Melatonin unter dem Handelsnamen „Circadin“ der Neurim Pharmaceuticals AG (Swissmedic Zulassungsnummer 59311, das einzige vom Arzneimittelkompendium der Schweiz aufgeführte Melatoninprodukt), bezahlen wir in der Schweiz in einer Schweizer Onlineapotheke Franken 37.75, sprich Franken 228.- für 126 Kapseln, die wir im EU-Raum für Euro 21.- erhalten…

Kein Scherz, meine Damen und Herren. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

Aber mit den 228.- Franken für 6 Packungen ist es nicht getan. Zusätzlich müssen wir in der Schweiz noch die ärztliche Verschreibung des Melatonins berappen, entweder jährlich einmal für ein sogenanntes „Dauerrezept“ (und die dafür selbstverständlich nötige ärztliche Untersuchung à schätzungsweise mindestens Franken 100.-) oder für jede Packung ein neues ärztliches Rezept.

Was das die Schweizer Krankenkassen alles kostet? Warum unternehmen eigentlich die nichts gegen die Pharma-Abzocke? Haben die es nicht nötig? Nein, auf der Teppichetage der Schwiezer Krankenkassen hat man es wohl kaum nötig.

Analyse:
Das Problem der Schweizer Gesundheitskosten sind nicht die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten. Das Problem des Schweizer Gesundheitswesens ist die Schweizer Mentalität der Pharmaindustrie sowie vieler Apothekerinnen, Apotheker, Ärztinnen und Ärzte: abzocken auf Teufel komm raus. Ich denke, dass man hier von einer Mafia sprechen sollte, die Patientinnen und Patienten missbraucht, um sich die Taschen mit Geld zu füllen.

Nicht das Schweizer Rechtsanwälte besser wären. Nein. Die sind noch schlimmer. Aber das Hauptproblem der Gesundheitskosten in der Schweiz sind nun einmal wirklich nicht die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten, die in anderen Ländern genau die gleich sind, aber bei mindestens gleicher Qualität der Gesundheitsversorgung nicht einmal die Hälfte der Kosten verursachen. Es sind die Pharma- und Ärztelobbies im Bundesamt für Gesundheitswesen, bei „Swissmedic“, die dafür sorgen, dass die Kosten der Gesundheitsversorgung künstlich aufgebläht bleiben und die Prämienzahler Jahr für Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen. Und Pharmaindustrie, ApothekerInnen, ÄrztInnen und Shareholder Geld machen. Ein Leben in Saus und Braus haben. Villen. Autos. Segelboote. Yachten. Golfclub. Pferdeställe. „Club Med“ eben...

Scheint so, als würden Universitäten inzwischen keine Akademiker mehr produzieren, sondern vor allem Abzocker, nicht?

Und muss man diesen Leuten – und unseren Politikerinnen und Politikern – wirklich noch mit Totschlag drohen, dass sich endlich etwas ändert? Ist das Schweizerdeutsch? Ist das die Sprache, die hier gesprochen wird? Muss man so mit denen reden, dass man verstanden wird, dass einem überhaupt zugehört wird?

Endlich? Dass sich endlich etwas ändert?

Endlich: Meine erste Packung Melatonin kaufte ich 1999 in den USA. Für 3 Dollar oder soetwas. Melatonin ist in den USA seit jeher rezeptfrei erhältlich. Es ist zudem das einzige wirklich effektive und auch intelligente schlaffördernde Mittel (ausser man spricht auf Baldrian oder als Hypnotika verwendete Antihistaminika an). Es ist ein körpereigenes Hormon. Es hat null Suchtpotenzial. Es ist das optimale Schlafmittel.
In der Schweiz ist Melatonin seit jeher die heilige Kuh der Ärzteschaft und unter strenger Rezeptpflicht (Liste B). Sie hocken darauf wie eine Henne auf ihrem Ei. Die Schweizer Ärzte verschreiben lieber Benzodiazepine mit entsprechendem Suchtpotenzial, oder vielleicht sogar noch Barbiturate. Fortschrittlich, fortschrittlich. Was wunder, faulten an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich (UZH) die Leichen im Keller… oder gehörten die Leichen des medizinhistorischen Museums der UZH doch einer anderen Fakultät? Passt alles zusammen: SCHWEIZER QUALITÄT!

In der Schweiz zahlen wir also das Zehnfache für eine Schlafdosis Melatonin. Ist das der Preis für „Schweizer Qualität“? Ha ha ha! Ich lache mich tot! Und dazu noch die Arztrezepte.

Also, statt mir das Zeug billig in der EU einzukaufen, könnte ich es mir kassenpflichtig in der Schweiz verschreiben lassen. Selbstbehalt wäre etwa gleich teuer wie die Tabletten in der EU… Soll ich das tun? Sehr zur Freude meiner Krankenkasse und der Prämienzahlerinnen und -zahler? Wär doch was, nicht?

Melatonin ist ein Hormon, deshalb hat natürlich keine Pharmafirma ein Patent drauf. Das Produkt ist nicht hoch komplex, besteht auch nicht aus mehreren Komponenten, die auf teilweise patentierten Technologien beruhen. Melatonin ist spottbillig. Und damit für die Shareholder und Spitzenverdiener der Pharmaindustrie nicht lukrativ genug…

Hat jemand eine gute Erklärung für diese Preisdifferenz und weshalb wir BAG und Swissmedic ungestraft weiter wursteln lassen sollten? Das sind ja völlige Idioten, die beim BAG und bei Swissmedic das Sagen haben. Uniabgänger, von der feinsten Sorte: medizinische Fakultät – die Prestigefakultät für Rich Kids. Aber an der UZH faulten die Leichen im Keller trotzdem. Oder wohl eher gerade deswegen.

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Kommentar von Chris N.:

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