Sein oder gewesen sein...

„Wir müssen die Natur nicht als unseren Feind betrachten, den es zu beherrschen und überwinden gilt, sondern wieder lernen, mit der Natur zu kooperieren. Sie hat eine viereinhalb Milliarden lange Erfahrung. Unsere ist wesentlich kürzer.“ (Hans-Peter Dürr)

Der Entscheid der EU, die drei Neonicotinoide, nämlich Clothianidin, Thiametoxam und Imidacloprid, im Freiland zu verbieten, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das Wasser steht uns bis zum Hals, die Qualität der Natur und die Quantität ihrer Geschöpfe haben wir auf ein bedenkliches Niveau heruntergewirtschaftet! Wissenschaftliche Studien wie der Umweltprüfbericht der Schweiz (OECD, 2017), der State of the world’s birds (BirdLife International, 2018) der Swiss Litter Report (Stoppp, 2017/2018) und weitere zeigen, wie schlecht es um unsere Umwelt steht.

Viele Gewässer hierzulande sind durch die intensive Wasserkraftnutzung, durch Pestizide aus der Landwirtschaft und Mikroverunreinigungen aus Haushalten und Industrie vielerorts stark belastet. Unsere Flüsse und Seen sind Müllhalden von übelster Sorte. Zudem sind etliche Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Ein Drittel aller Arten sind gefährdet, eine von acht Vogelarten ist vom Aussterben bedroht, die anderen sind noch so häufig, dass man sie all Schaltjahr mal hören kann. Der Mensch zeigt sich bisher nicht fähig, der Umwelt genügend Raum und Natürlichkeit zu lassen, um sich gesund zu entwickeln.

Der schlechte Zustand bleibt nicht unbemerkt, werden doch immer umfassendere Massnahmen gefordert, um der Problematik Herr zu werden. Politische Vorstösse wie Trinkwasser-Initiative oder stetig wachsende finanzielle Mittel für den Naturschutz sind das Resultat davon.

Auch in der Schweiz ist trotz hohem Bildungsniveau weitere Aufklärungsarbeit nötig. Noch immer sind Landwirte zu sehen, die am helllichten Tag Pestizide ausbringen, obwohl man seit Jahrzehnten die tödliche Wirkung als Kontaktgift auf die unbezahlten Naturhelfer kennt. Auch der Podestplatz als einer der grössten Abfallproduzenten von Europa mit 742kg pro Kopf im Jahr zeigt unsere Nachlässigkeit in dieser Thematik.

Die Eigenverantwortung hat hier klar versagt und ist dem wirtschaftlichen Denken zum Opfer gefallen. Die Gesellschaft muss sensibilisiert werden, der gesetzliche Rahmen muss straffer werden und die Entwicklung der menschlichen Populationsdichte darf unter diesem Hintergrund auch nicht ausgeklammert werden.

Neue Ideen sind gefragt und visionäre Lösungsansätze dürfen unter dem Vorwand der Nahrungsproduktionssicherheit nicht vorschnell begraben werden, denn die Weichen müssen neu gestellt werden, je früher desto besser.

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