Hysterie und Diplomatie

Die derzeitige Tory-Regierung des Vereinigten Königreichs ist an Unprofessionalität ihrer politischen und diplomatischen Kommunikation in Zusammenhang mit dem Skripal-Fall nicht zu überbieten: wilde Anschuldigungen an die Adresse der Russischen Regierung und sogar den Russischen Präsidenten persönlich, die bis dato völlig unsubstantiiert geblieben sind, tragen nicht zur Glaubwürdigkeit dieser Regierung bei oder dazu, ihr ramponiertes Image, das vor allem ihre Überforderung und eingeschränkte Regierungsfähigkeit spiegelt, aufsupolieren. Dass es auch anders ginge, zeigt Oppositionsführer Jeremy Corbyn, der meines Wissens gegenüber Moskau eine versöhnliche, kooperative und vor allem nüchterne Politik vorschlägt. Dass es auch anders ginge, interessiert im NATO-Block allerdings niemanden. Der jüngste Streich, den der Westen der akut psychotischen Hysterie an der Downing Street folgen lässt: massenweise wurden Russische Diplomaten ausgewiesen. Trump schickt deren 60 nachhause und schliesst das Russische Konsulat in Seattle. 14 EU-Staaten erklären jeweils 1-4 Russische Diplomaten zu personae non gratae. Einzig Österreich verzichtet unter Hinweis auf seine Neutralität darauf, in diesem von den Tories angeführten diplomatischen Saubannerzug mitzumarschieren, unterstützt aber den Rückruf des EU-Botschafters aus Russland, wohl nicht zuletzt, um sich vor inoffiziellen Sanktionen der EU zu schützen...

Die Frage, was das für ein Kindergarten ist, ist obsolet.

Wesentlich festzustellen ist, dass der Westen "neue rechtswissenschaftliche Standards" setzt. Das Vorgehen der Tory-Regierung ist völlig dilettantisch und inakzeptabel. Dass die USA und weitestgehend auch die EU Downing Street in der hysterischen Reaktion bekräftigen, hat natürlich zahlreiche politische und damit im Wesentlichen wirtschaftliche Gründe.
Gleichzeitig sind solche Gründe kein Freipass, Frieden und Sicherheit in Europa zu gefährden. Zumindest scheint mir eine solche unabhängige Feststellung aus Schweizer Sicht zu äussern noch gestattet. Bezeichnend ist ja, dass die hysterische Bauch-Reaktion des Westens vor allem von den atomaren bewaffneten NATO-Staaten UK, USA und leider auch Frankreich ausgeht. Das ist reinster Psychoterror gegen die europäische Zivilbevölkerung. Die Politiker, die diesen veranstalten, gehören zum Teufel gejagt. Dorthin zurück, wo sie offenbar her kommen: zur Hölle!
Dass die NATO-Staaten unter den EU-Staaten, das heisst fast die ganze EU, das Spielchen der Briten und Amerikaner unkritisch mitspielen, ist im offensichtlichen, beiweitem nicht nur militärischen sondern auch wirtschaftlichen System der Abhängigkeiten begründet, auf dem die weltweite Macht der USA basiert. Ihr Verhalten trägt nichts zu Sicherheit und Stabilität in Europa bei und gehört deshalb bestraft.

Die kleine Schweiz hat natürlich keine Mittel, eine EU oder USA effektiv zu bestrafen. Die Schweiz kann vielleicht unbequem werden, aber viel mehr als geringfügige zusätzliche Umtriebe kann sie EU oder USA nicht verursachen. Ausserdem bräuchte die Schweiz dazu eine kräftige Regierung, die sich gegenüber EU und USA behauptet. Angesichts der Tatsachen in Bundesbern, liegt der Ball aber bei den Konsumentinnen und Konsumenten, durch die Steuerung ihres Konsumverhaltens den Kindergarten, den USA, UK und EU gerade abziehen, zu bestrafen. Im Prinzip heisst das, strikte Produkte aus lokaler Produktion vorziehen und den Konsum von Importware auf Produkte zu beschränken, die ökologisch und sozial hergestellt wurden - damit fällt US- und EU-Ware fast automatisch weg.
Auch wenn wir in der Schweiz keine Regierung haben, von der wir in Fragen zur europäischen Sicherheit und Zusammenarbeit Rückgrat und Beharrlichkeit erwarten können, ruft das gegenwärtige grobe Fehlverhalten der westlichen Diplomatie, angeführt von den Tories des Vereinigten Königreichs, in Erinnerung, was für eine diplomatische Massnahme seitens der Schweiz überfällig ist: die kollektive Ausweisung aller Botschafter (sic) aller nuklear bewaffneten Staaten. Somit auch der Russen, je suis desolé. Das schliesst aber natürlich auch alle Staaten mit ein, die US-Atomwaffen auf ihrem Territorium stationiert haben. Liebe Schweizers, wisst ihr eigentlich, in wie vielen Ländern um euch herum Atomwaffen stationiert sind? Und in welchen? Da kuckst du, liebe Schweizerin und lieber Schweizer, wenn du dir das mal ansiehst...
Zuletzt könnte man noch mit der Diskriminierung von in der Schweiz niedergelassenen Angehörigen dieser Staaten dreinschlagen, ganz persönlich: zum Beispiel keine Schweizer Bankkonten mehr für Leute aus Atomwaffen-Staaten. Und keine Arbeitsbewilligungen. Und keine Touristenvisa länger als 3 Tage. Good bye and good riddance, suckers!

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