Die Qual der Wahl

Mit der Demonstration einer Kehrmaschine startete bei uns in der Gemeinde die Sitzung des Einwohnerrats. Auslöser war eine Interpellation, in welcher der Gemeinderat für zwei Fahrzeugbeschaffungen kritisiert wurde.

Ein vorwiegend männliches Publikum, das neue, glänzende Fahrzeuge bestaunt: Das passiert nicht nur am Autosalon in Genf, sondern auch in unserem Parlament. Den Einwohnerräten wurde eine exklusive Fahrzeugvorführung geboten. Die Parlamentarier konnten eine Wisch- und Kehrmaschine im Einsatz beobachten sowie einen Bagger begutachten. Grund für diese Demonstration war eine Interpellation. Der SVP-Einwohnerrat hatte darin die gemeinderätliche Anschaffung dieser beiden Fahrzeuge kritisiert.

Der SVP- Mann hatte bemängelt, dass beide Fahrzeuge eine «Schuhnummer» zu gross ausgefallen seien – und damit auch teurer waren als ursprünglich im Budget eingestellt. Das Putzgefährt sei zu gross, selbst in der Stadt Schaffhausen würden kleinere Maschinen für denselben Zweck eingesetzt. Der SVP-Einwohnerrat wollte vom Gemeinderat wissen, wie die neue ausgewählt wurde, und wie viel die alte noch Wert hat. Ihm sei ein Betrag von 20'000 Franken genannt worden.

Der Gemeindepräsident hingegen bezeichnete die Wischmaschine als eine ausgezeichnete Wahl, das Putzergebnis sei viel besser als mit der alten Maschine. Die alte Maschine sei nur noch 7000 Franken Wert und nicht 20'000 Franken. Nach Voraberklärungen seien Maschinen dreier Hersteller zu Testzwecken gestellt worden. Diese seien von den Mitarbeitern, welche die Putzmaschine später fahren, getestet worden. Der Leiter des Werkhofs persönlich kutschierte und putzte an diesem Abend unter Applaus einen Strassenabschnitt mit einer diesen «Höllenmaschinen» und war höchst zufrieden.

Darauf sei eine Empfehlung erfolgt. Gemäss dem Gemeindepräsidenten sei inzwischen festgestellt worden, dass die Gärtnerei über ein Fahrzeug verfüge, welches durch eine Nachrüstung für die Reinigung schmaler Trottoirs eingesetzt werden kann. Deshalb sei das grosse Putzgefährt für den Strassenrand effizienter.

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit fragte die Einwohnerratspräsidentin, ob sie schmackhaft machen kann, weitere Punkte bei einem Bier zu besprechen. Der SVP-Mann und der Gemeindepräsident willigten ein, sodass das Geschäft erledigt werden konnte. Auch dem neuen Bagger für den Friedhof war nichts mehr entgegenzusetzen, obwohl dieser zwar etwas grösser ausgefallen sei, als der alte.

3 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Gesellschaft»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production