1‘000 Franken Krankenkassenprämie pro Monat – und Person

So weit sind wir zwar noch nicht. Aber wenn es im Kreislauf der Krankenkassenprämien jetzt nicht sehr bald zu einem Richtungswechsel kommt, dann wird eine vierköpfige Familie nur noch für das Gesundheitswesen arbeiten. Welche Auswirkungen das auf die Wirtschaft hat, darf sich jeder selbst ausmalen.
Die Webseite der „Geschichte der sozialen Sicherheit“ schreibt einleitend:

Die Krankenkassen gehören zu den einflussreichsten sozialpolitischen Akteuren. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert wehren sie sich erfolgreich gegen zentralistische Sozialstaatsprojekte. Sie sind mitverantwortlich dafür, dass sich die Krankenversicherung in der Schweiz lange in privatwirtschaftlichen Bahnen entwickelte.

Vor zwanzig Jahren ging dieser Kampf endgültig verloren. Die staatliche Regulation bei den Preisen, den Tarifen, dem Automatismus und dem unbeschränkten Geldsegen auf Kosten der Zwangsprämien sorgte inzwischen nachhaltig für eine gewaltige Teuerung.

Wie das genannte Geschichtsbuch weiter schreibt, wurde besonders auf Initiative der Linken seit dem Ende der Sechzigerjahre an einem obligatorischen Modell gebastelt und gewerkelt. Dieses Obligatorium wurde dann im Jahr 1996 nicht nur eine Dreifuss-Realität, sondern es sollten auch noch „verschiedene kostendämpfende Instrumente“ eingeführt werden. Die Wirkungen sind uns allen bekannt. Dank dieser staatlichen Regulation, initiiert von den Sozialisten, wurde nicht etwa die Not der unteren Einkommensschicht gelindert, sondern massiv erhöht.

Nun gut, ginge es nach meiner Meinung, müsste man dieses Obligatorisch nun als gescheitert ansehen und sofort abschaffen. Aber offenbar gibt es auch Menschen im Land, welche heute ohne staatliche Vollkaskoversicherung nicht mehr leben können. Diese Leute erwarten eine permanente Staatsumsorgung; unfähig ihr Leben selbst zu organisieren. Doch warum sollten wir keine nachhaltige Lösung finden, trotz Versicherungsobligatoriums die Kosten für alle nicht endlich senken zu können?

Da haben wir beispielsweise die Gruppe der Leute, welche bei einer Grippe gleich zur Notaufnahme im Spital springen, weil dort 24 Stunden am Tag eine ärztliche Beihilfschaft zur Verfügung steht. Diese Mediziner sind zwar ausschliesslich für Not -Fälle da, aber egal. Dank der tiefen Franchise lohnen sich pro Jahr drei Besuche, ab dem vierten Besuch zahlt Krankenkasse alles.
Dann gibt es einmal mehr die Regulation, welche den Kassen die Vorschrift abgibt, dass die im Ausland bezogene Medizin nicht vergütet werden darf. Die Apotheke schlägt dann zum horrenden Schweizerpreis noch Dinge drauf wie „Medicheck“ oder anderen Unfug. Glücklicherweise gibt es heute auch Onlineapotheken, welche auf diese Zuschläge verzichten. Ein Heimatschutz für Apotheken, bezahlt durch den Prämienzahler.

Tarmed und andere Instrumente verhindern den freien Wettbewerb. So ist es mir nicht möglich, einen planbaren Eingriff zuerst weltweit zu evaluieren. Man kann mit dem Arzt auch nicht die Behandlungsmethode zuerst durchgehen. Ein Stent beispielsweise kostet noch immer 500 Franken, obwohl der deutlich günstiger wäre. Für einige scheint die Verhandlung vor Operation etwas abwegig zu sein; schliesslich diskutiert man mit dem Totengräber auch nicht über die Sargkosten. In der Trauer zahlt man und fertig. Somit sind Medizinmänner und Totengräber beide im Club der fixen Preise ohne Abgebot, womöglich noch staatlich kontrolliert.

Ein weiterer Aspekt ist auch die Spitaldichte in der Schweiz. Kaum 20 Minuten Fahrzeit bis zum nächsten Spital, am besten vor jeder Haustüre gleich eins. Selbstverständlich mit allem ausgerüstet was der verrechnende Arzt begehrt: CTI, MRI und Labor soweit das Auge reicht. Die Wartezeiten wurden inzwischen abgeschafft: Wer jetzt gleich in die Röhre will, der braucht nicht anzustehen. Die staatlich befohlene Marktabschottung sorgt zusätzlich für ein Pharmamonopol. Kein Unternehmen wäre ohne Krankenkassen-Zahlpflicht in der Lage, Krebsmedikamente für 100‘000 Franken die Behandlung an Patienten abzugeben. Aber solange der Staat die Bezahlpflicht befiehlt, haben natürlich die Pharmas kein Interesse daran, hier irgendetwas zu ändern. Der Verkauf und die hohen Preise werden zur allgemeinen Unternehmerfreuden quasi staatlich befohlen; nun wissen wir weshalb die Bosse dort Millionensaläre haben.


Die Lösung zum Problem

  1. Ausser in einem Notfall muss zwingend zuerst ein Call Center für Medizinfragen kontaktiert werden. Dort wird über die Behandlung entschieden. Wer ohne Notfall den Notfall im Spital aufsucht, muss die dortigen Behandlungskosten selbst bezahlen. Man kann natürlich auch weiterhin sein Vorgehen selbst entscheiden, dann aber immer auf eigene Kosten.
  2. Das Importverbot für Medikamente ist sofort abzuschaffen. Der Bund sorgt dafür, dass Arztrezepte überall, aber besonders auch in unseren Nachbarländern akzeptiert werden.
  3. Die Rezeptpflicht muss hinterfragt werden. Weshalb Medikamente, welche den nüchternen Zustand des Patienten nicht verändern, noch immer rezeptpflichtig sind, ist nicht klar. Darunter zählen beispielsweise die Blutdruck senkenden Medikamente. Davon wird man nicht berauscht, niemand nimmt die aus Jux und Dollerei.
  4. Die vorgeschriebene Tarifstruktur ist aufzuheben. Diese soll durch ein Wettbewerbssystem ersetzt werden. Für den Notfall gelten besondere Bestimmungen.
  5. Die Maximalfranchise darf unbeschränkt erhöht werden.
  6. Die obligatorischen Leistungen des KVG sollen massiv reduziert werden. Alternativmedizin, psychologische Behandlungen nach Geschlechtsumwandlungen, Abtreibungen oder Wellnessprodukte sind zu streichen.
  7. Wer Krankenversichert ist, muss zwingend eine Patientenverfügung haben. Ebenso zwingend ist ein Organspenderausweis.
  8. Die von der KVG abgedeckten Spitäler sind limitiert. Die Landespenetration richtet sich nach einer Erreichbarkeit von 2 Stunden, respektive der Belegung und Auslastung.
  9. Wer nach einem Spitalaufenthalt in eine stationäre Rehabilitation muss, darf falls medizinisch vertretbar die Überbrückungszeit auch Zuhause verbringen. Heute muss der Patient relativ gesund in Spitalobhut verbringen, bis die Wartezeit vorüber ist.

Es gäbe noch viel zu tun. Zu harte Massnahmen? OK, dann zahlen wir halt jedes Jahr mehr.

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