Carla Del Ponte: "Es steht so schlecht um die Menschenrechte, wie ich es mir niemals vorgestellt hätte."

Ich habe heute weniger Hoffnung für die Welt als je zuvor. Es steht so schlecht um die Menschenrechte, wie ich es mir niemals vorgestellt hätte. Darum war es höchste Zeit, dass ich aufhöre. Ich muss mir eingestehen: Ich habe nichts erreicht. Viele, die ich anklagte, wurden nicht verurteilt. Damit muss ich leben. Ich erreichte zwar die Verurteilung einzelner Kriegsverbrecher, konnte aber nicht verhindern, dass sich dieses Grauen wiederholt. Und verschlimmert. Jetzt kann und will ich nicht mehr.

In unserer Diskussion reden wir oft über "fremde Richter", "Eigenständigkeit" und "unsere Standards sind gut genug". Im aktuellen Blick Interview zieht Carla Del Ponte ein ernüchterndes Fazit darüber, wie machtlos Institutionen sind, wenn sie nicht gelebt werden.

Manchmal muss man zu etwas stehen, damit es am Leben bleibt. In diesem Fall zu den internationalen Menschenrechte. Die Selbstbestimmungsinitiative mag aus Schweizer Sicht kein Problem sein, für die Welt wäre sie ein Verlust, wenn wir uns offiziell davon verabschieden. Ein Land wie die Schweiz sollte Diktatoren und Verbrechern keinen Grund geben, dass sie mit einem Verweis auf die Schweiz eine Ausrede für ihre Gräueltaten erhalten.

Die friedliche Schweiz ist heute in vielen Fragen ein internationales Vorbild. Wenn wir aufhören grundlegende Regeln anzuerkennen, tun wir weder uns noch der Welt einen Gefallen. Die Schweiz sollte vielmehr ein Leuchturm in der Welt bleiben. Ein positives Beispiel, an dem sich andere Länder positiv orientieren wollen.

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