Rassisten und Rhodesien

Was interessieren die alten Geschichten von Rhodesien noch heute? Rassisten beziehen sich gerne auf dieses Land. Der nicht mehr bestehende Kolonialstaat dient zur Legendenbildung. Mit der damaligen Wirklichkeit hat das nichts zu tun.

Damals in Rhodesien

1965 wollte Grossbritannien die Kolonialherrschaft beenden. Um die weisse Herrschaft weiter zu führen, erklärten sich die weissen Siedler – damals 4% der Bevölkerung – unter Ian Smith einseitig unabhängig vom Vereinigten Königreich. Die Mehrheit der Bevölkerung wurde diskriminiert, um Land betrogen (Land Apportionment Act und Land Tenure Act), bei Arbeit, Wohnen und im sozialen Bereich benachteiligt. Politische Gegner wurden verhaftet und gefoltert.

Es bildeten sich diverse Rebellengruppen und es kam zu Aufständen. Diese wurden von der weissen Minderheit brutal bekämpft. Es gab Ausgangssperren; wer nachts unterwegs war, konnte erschossen werden. Dies führte zu vielen zivilen Todesopfern. Dann gab es die rhodesische Form von Konzentrationslagern: mit Stacheldraht einzäunte Dörfer, in die Hunderttausende zwangsweise umgesiedelt wurden.

"Meine Leute haben Hunger, sie sind vielfach krank und zittern vor dem weißen Wehrpflichtigen, der als oberster Aufseher Herr über Leben und Tod ist."

1965 standen fähige Leute für einen Machtwechsel bereit. Die jahrelange Unterdrückung führte unaufhaltsam dazu, dass immer radikalere Mitglieder der Aufständischen das Sagen hatten. Am Schluss stand der Hitler-Bewunderer Robert Mugabe an der Spitze der Befreiungsbewegung.

In Rhodesien 1978

Als Mugabe an die Macht kam, war dies für die Mehrheit eine Befreiung. Die Lebenserwartung stieg zwischen 1980 und 1990 deutlich, die Kindersterblichkeit ging von 86 Promille auf 49 zurück. Der Anteil der Kinder mit Mangelernährung sank von 22 (1980) auf 12 Prozent (1990). Die Wirtschaft der Kleinbauern nahm deutlich zu (3,6 Prozent Wachstum pro Jahr). Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum pro Jahr von 1980 bis 1989 betrug 4,5 % des BIP (unter der Vorgängerregierung 1966–1979: 3,8 %). (Quelle Wikipedia)

Mugabe hält sich noch heute an der Macht, teilweise mit Geheimdienst-Methoden, die er von den weissen Vorgängern übernommen hatte.

Why White Supremacists Identify With Rhodesia

Neo-Rhodesier

Rassisten, welche sich einbilden, die Weissen seien den anderen überlegen, beziehen sich gerne auf Rhodesien. Sie verweisen auf den wirtschaftlichen Niedergang dieses Landes. Die damalige Unterdrückung und die vielen anderen Länder - erfolgreiche Beispiele von früheren Kolonien - werden ignoriert. Sie behaupten Dinge, welche mit der historischen Wirklichkeit nichts zu tun haben. Sie argumentieren – ihr möchtet Mugabe, oder nicht?

Ein krasses Beispiel eines rassistischen Rhodesienfreunds ist der Attentäter von Charleston. Er führte eine Webseite „Last Rhodesian“ und hatte auf seiner Jacke ein Abzeichen mit der rhodesischen Flagge. Er erschoss mit einer Glock 41 neun Afroamerikaner in einer historischen Kirche.

Why would an American white supremacist be fond of Rhodesia?

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