Einfache Fragen zur Verschuldung in der Schweiz

Schulden eines Landes kann man einteilen in

  • öffentliche Verschuldung (Staatsverschuldung)
  • private Verschuldung

Die private Verschuldung kann man aufteilen in:

  • Schulden der Wirtschaft (Nicht-Banken)
  • Schulden der Banken
  • Schulden der privaten Haushalte
  • Schulden von privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (Kirchen, Sportvereine etc)

Die Schulden werden oft als Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP), auf englisch GDP, angegeben. Ich benutze Daten der FRED: Federal Reserve Bank of St. Louis.

Die Staatsverschuldung der Schweiz ist sehr tief, fällt leicht und ist von der Finanzkrise (2008) nicht betroffen worden:
Central government debt, total (% of GDP) for Switzerland

Staatsverschuldung der Schweiz: 20 Prozent des BIP's leicht fallend.

(Quervergleich zur Absicherung: Grafik in einem NZZ Artikel:
NZZ Grafik "Nach der Berg- die Talfahrt" aus diesem NZZ Artikel.)

Hingegen die private Verschuldung (ohne Banken) zeigt ein ganz anderes Verhalten:

  • bis 1975 lag sie im Bereich 110 Prozent des BIPS
  • danach Anstieg auf etwa 180 Prozent des BIPS
  • nach der Finanzkrise 2008 laufend ansteigend auf etwa 210 Prozent des BIPs bei 2016

Total Credit to Private Non-Financial Sector, Adjusted for Breaks, for Switzerland

Der laufende Anstieg der privaten Verschuldung nach der Finanzkrise 2008 ist noch ausgeprägter, wenn man nur die Verschuldung der privaten Haushalte und Vereine etc. anschaut:

Total Credit to Households and NPISHs, Adjusted for Breaks, for Switzerland

Fragen zur Diskussion:

  • Ist es gut, wenn sich die private Verschuldung laufend erhöht?
  • Wieso erhöht sich die private Verschuldung überhaupt?
  • Was geschieht mittelfristig, wenn der Anstieg der privaten Verschuldung grösser, als das Wirtschaftswachstum wird?
  • Was heisst das für die Stabilität der Schweizer Wirtschaft?
  • Was geschieht, wenn beispielsweise in einer folgenden Finanzkrise neue Kredite nicht mehr gegeben werden und bestehende Kredite zur Zahlung fällig werden?

Dazu noch eine Bemerkung:
Im oben erwähnten NZZ Artikel, der leider einen für mich nicht verständlichen Titel trägt und die private Verschuldung komplett unerwähnt lässt, wird die Frage gestellt:

Kann die Staatsverschuldung auch zu tief sein?

Diese Frage könnte man hier auch diskutieren - nämlich mit Bezug auf die ständig ansteigende private Verschuldung.
Ein Staat in Europa, der Staatsanleihen herausgibt, wird praktisch von Angeboten überrannt, weil viel zu viel Kapital in der Wirtschaft ohne Nutzen parkiert ist (Schulden = Vermögen), wobei die Zinsen nahe bei Null liegen. (Es gab kürzlich so enen Fall in Grossbritannien)

Das Thema hat auch einen Bezug zur AHV Problematik.

P.S. Schulden sind nichts Schlechtes. Die Frage ist nur, ob man sie produktiv verwenden kann, oder nicht. Ohne Schuldner, die Zinsen bezahlen kann man nicht sparen. Anders gesagt: Wenn Banken keine Kredite vergeben können und dafür Zinsen erhalten, gibts auch keine Zinsen für die Sparkonten auf der Bank.

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Kommentar von Felix Jäger:

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