Zivildienst

Als Ergänzung zum untenstehenden Beitrag:

Über die Wehrpflicht und andere Folklore

Sollte die Wehrpflicht zu einer freiwilligen Miliz umgestaltet werden, müsste auch der Zivildienst und der Zivilschutz freiwillig sein, denn so viele Einsatzplätze wären gar nicht vorhanden.

Am 1. April 2009 wurde die Gewissensprüfung für den Zivildienst abgeschafft. Viele packten diese Gelegenheit beim Schopf, um vom Militärdienst zum Zivildienst überzulaufen. In selbem Jahr ist die Zahl der Zulassungen sprunghaft von 1632 auf 6720 gestiegen und die geleisteten Diensttage folglich von 532'600 auf 1'700'000 im Jahr 2016. Kein Wunder, platzte der Zivilschutz bereits 2010 aus allen Nähten.

Jahresstatistik Zivildienst

Zivildienstleistende, wie ein Beispiel zeigt, reissen im Greifensee chinesischen Wildreis aus, sie verteidigen, wie es heisst, unser Land vor ausländischen Bedrohungen. Oder sie helfen in der Landwirtschaft und im Forstwesen mit. Dazu braucht es aber keinen Uniformzwang, wie es der Nationalrat vorschlägt. Mit der Begründung, Zivildienstleistende, die als Gärtner, Kinderbetreuer, Abwäscher im Spital oder als Musiker im Zirkus tätig sind, müssen für die Öffentlichkeit auch als Zivildienstler zu erkennen sein.

Bundesrat Schneider- Ammann meint, dass die Hürden für den Zivildienst erhöht werden sollen, also der Übergang vom Militärdienst in den Zivilschutz mit mehr Diensttagen «bestraft» wird.

Die Befürworter versprechen sich davon weniger Zivildienstgesuche: «Diese Änderung macht den Wechsel während oder nach der Rekrutenschule unattraktiver. Dadurch bleiben mehr Soldaten in der Armee», freut sich Stefan Holenstein, Oberst im Generalstab und Präsident der Schweizer Offiziersgesellschaft Link

Je nach Berechnung fehlten letztes Jahr 500 bis 1000 Soldaten, um die jährlich Ausrekrutierung von 18'000 und 18'500 Soldaten beizubehalten. Wirkt oder braucht es überhaupt eine neue Regelung, um jährlich 500 bis 1000 Abschleicher (wie Schneider- Ammann sie nennt) im Militär zu behalten?

Klar werden die Einsatzplätze durch die hohe Anzahl an Zivis knapp und man sucht nach weiteren Einsatzmöglichkeiten.

Ein Mangel sei absehbar, schreibt der Bundesrat in seiner Botschaft ans Parlament. In den heutigen Tätigkeitsbereichen könne der Bedarf nicht gedeckt werden. Deshalb sollen Einsätze neu auch in der Spitex, der Alpwirtschaft und an Schulen möglich sein. Link

Schulwesen

Ich frage mich jedoch, ob das noch etwas mit Zivildienst zu tun hat. Oder wird es noch Einsätze im Detailhandel geben, wo Zivis Regale auffüllen? Ähnlich dem Musiker im Zirkus. Ich denke nicht, dass die Zahl der Überläufer in den nächsten Jahren abnehmen, sondern eher zunehmen.

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Kommentar von Felix Jäger:

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